Kenia von oben Dorfbesichtigung per Drohne

Michael Martin/ Jörg Reuther

Ob Schilfhütten, ein riesiger Wüstensee oder sensible Flamingos - mit einer Drohne gelingen Luftaufnahmen aus geringer Entfernung beeindruckend gut. Michael Martin erprobt das Fluggerät in Kenia zum ersten Mal.

Zur Person
  • Elfriede Martin
    Michael Martin, 1963 geboren, ist Diplom-Geograf und renommierter Wüstenfotograf. Der Münchner hat seit seinem 17. Lebensjahr 150 Wüstenreisen unternommen und darüber mehr als 20 Bücher veröffentlicht, darunter auch "Die Wüsten der Erde" und "Planet Wüste". Martins neues Projekt: ein Porträt des Planeten Erde.
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Behäbig liegen die Flusspferde im Mara-River, der ein paar Kilometer weiter die natürliche Grenze zu Tansania bildet. Hier queren zwischen Mai und Juli Millionen von Gnus und mit ihnen Löwen und andere Raubtiere den Fluss in der Massai Mara, Kenias bekanntestem Nationalpark.

Für mich und meinen Fotografenkollegen Jörg Reuther ist der Mara-Fluss Ausgangspunkt für eine Reise durch Kenia - von der Südgrenze bis hinauf an die Grenze zu Äthiopien. Zum ersten Mal haben wir neben unseren Kameras auch eine Foto-Drohne im Gepäck. Unser Traum von den neuen Möglichkeiten fand am Parkeingang aber ein vorläufiges Ende. Eine vorsichtige Nachfrage bei den Rangern löste heftiges Kopfschütteln aus.

Kenia und Tansania untersagen den Einsatz von fliegenden Kameras in ihren Nationalparks streng. Zu groß ist das Risiko, die Tiere und andere Besucher zu stören, und zu hoch die Gefahr, wenn eine abgestürzte Drohne geborgen werden muss. Trotzdem setzen wir die Drohne in der Massai Mara ein - ohne montierte Rotorblätter dient sie als perfekt stabilisierte Filmkamera, um aus dem Auto heraus Fahrszenen aufzunehmen.

Drohne und Flamingos - funktioniert das?

Zurück in der kenianischen Hauptstadt Nairobi suchen wir uns einen Veranstalter, der viel Erfahrung im Norden Kenias hat, und finden mit Rufus und seinem Landcruiser den richtigen Mann und das richtige Fahrzeug. Unser nächstes Ziel in Kenia ist der Lake Bogoria, 250 Kilometer nördlich von Nairobi. Von einem Überflug mit einer Cessna im September wusste ich, dass sich dort derzeit Hunderttausende Flamingos aufhalten.

Im Unterschied zur Massai Mara ist der Lake Bogoria kein Nationalpark, sondern ein National Reserve. Die Ranger am Gate reagieren auf unsere vorsichtige Nachfrage wegen der "Flying camera" positiv. So stehen Jörg und ich mit unserem neuen Fluggerät am Ufer des Sees und treffen Vorbereitungen für den Jungfernflug.

Jörg ist Drohnenpilot der ersten Stunde und hat die Entwicklung der letzten Jahre hin zu immer kleineren, betriebssicheren Drohnen mitgemacht - und dabei bereits zwei davon samt Kamera im Wasser versenkt. Jetzt aber sind wir zu zweit und können dabei Fluggerät und Motive gemeinsam im Blick behalten.

Die entscheidende Frage muss aber noch beantwortet werden - wie reagieren die Flamingos auf die Drohne? Wir fliegen in großer Höhe auf den nächsten am Ufer stehenden Schwarm zu und sinken dann langsam. Zu unserer großen Erleichterung zeigen die Vögel keinerlei Reaktion. Selbst in nur zehn Meter Flughöhe über den Tieren ist keine Unruhe oder gar Fluchtverhalten zu beobachten.

Ganz offensichtlich nehmen die Flamingos die Drohne als Artgenossen war. Es kommt auch zu keinen Zusammenstößen vorbeifliegender Vögel, da die Tiere wie selbstverständlich ausweichen. Wir atmen auf, wissen wir doch von Flügen mit Sportflugzeugen, wie leicht sich die Flamingos stören lassen. Auch am Ufer kann man ihnen kaum mehr als 100 Meter nahekommen, ohne ein Zurückweichen des Schwarms zu verursachen. Nach 15 Flugminuten haben wir fünf Minuten Filmmaterial und zwei brauchbare Bilder. Und eine heil zurückgekehrte Drohne.

"Oh, mein Dorf!"

Nach zwei Fahrttagen auf miserabler Piste erreichen wir den Lake Turkana und machen Station in dem kleinen Ort Loyangalani. Bei einem abendlichen Besuch der beiden nördlich gelegenen El-Molo-Dörfer packen wir auf einem Hügel die Drohne aus, nicht ohne uns die Erlaubnis der Dorfverantwortlichen geholt zu haben. Wir starten nach nicht einmal fünf Minuten Vorbereitung und ziehen zunächst eine Runde über das Dorf.

Auf dem Bildschirm des Tablets, der mit der Fernsteuerung verbunden ist, tauchen die Hütten und die Boote im Wasser auf. Es ist ein schöner Anblick, der auch die Dorfbewohner begeistert, die sich mittlerweile um den Bildschirm scharen. Ein alter Mann ruft voller Stolz aus: "Oh, das ist mein Dorf!" Wir lassen die Drohne höher steigen, um die umgebende Wüste zu sehen. Die 30 Minuten maximale Flugzeit reichen aber für mehr. Wir fliegen das Ufer des Turkanasees entlang und erleben den größten Wüstensee der Erde.

Die Drohne verschafft einen ganz besonderen und neuen Blick auf Landschaften und die Spuren menschlichen Lebens und Wirtschaftens. Wir sind uns natürlich auch der problematischen Seite des Drohnenfliegens bewusst. Die oft gegen Drohnen vorgebrachten Argumente wie Gefährdung des Luftverkehrs oder Ruhestörung spielen in den dünn besiedelten Gebieten Afrikas aber keine Rolle. Es ist letztlich in der Verantwortung der Piloten, die Grenzen zu sehen und einzuhalten.

Als wir zwei Tage später uns in das entlegene Koobi Fora kurz vor der äthiopischen Grenze aufmachen, passieren wir ein Feld prähistorischer Hügelgräber. Auch hier zeigt die Drohne die Verteilung und Dimension der Gräber viel besser als die Kamera am Boden. Selbst die Entdeckung der wohl wichtigsten, jemals gemachten frühmenschlichen Funde in Koobi Fora am Ufer des Turkanasees durch Richard Leakey ist dem Blick aus der Luft zu verdanken. Man schrieb das Jahr 1967 - damals war diese Perspektive noch Vögeln und Flugzeugen vorbehalten.

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8 Leserkommentare
maria_tönnis 18.12.2017
almeo 18.12.2017
lampo 18.12.2017
Papazaca 18.12.2017
tuvalu2004 19.12.2017
almeo 19.12.2017
Papazaca 19.12.2017
werner.schroeder.calidris 31.01.2018

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