Freizeitparks in Florida Elvis und die Meerjungfrauen

Hier kann man das Lamm Gottes streicheln, mit Jesus Abendmahl feiern - oder mit Nixen planschen. In Florida entstanden lange vor Disney World Vergnügungsparks mit Südstaaten-Charme. SPIEGEL ONLINE erkundet die historischen Kleinode, die schon der King of Rock'n'Roll zu schätzen wusste.

John Athanason

Die amerikanische Version des Urlaubs in der Alten Welt sieht so aus: Europa in sieben Tagen - Rom, Mailand, Paris, London, Rothenburg ob der Tauber. Und anschließend ist der Koffer voll mit Souvenirs made in China. Aber sind wir bessere Urlauber als die Amerikaner? Die deutsche Version des USA-Urlaubs: Florida in sieben Tagen - Disney, Universal, Miami und Shopping auf den Keys. Und anschließend ist der Koffer voll mit Souvenirs made in China.

Dabei ist es gerade in Florida so leicht, ein Stück authentische USA zu entdecken. Denn Florida ist die Wiege der Freizeit- und Themenparks. Schon lange vor Disney World entstanden hier kleine Welten, in denen amerikanische Träume geträumt wurden - und werden. Diese manchmal schon fast historischen Kleinode liegen unmittelbar neben der pastellfarbenen Glitzerwelt der modernen Unterhaltungskonzerne, oft nur einen Block die Straße runter.

Dass man gerade die Grenze zur Wirklichkeit überschritten hat, merkt man als Erstes an der Temperatur. Es wird merklich wärmer. Man könnte auch sagen: Die Temperatur wird echter. Während die Restaurants und Hotels der Vergnügungswelt von Disney und Co. auf Kühlschrank-Niveau temperiert sind, herrscht hier Sommer. Echter, heißer, schweißiger, Sonnencreme-klebriger, Frisur ruinierender Südstaaten-Sommer. Tiefster Süden sogar, tiefer noch als Alabama und Georgia, die an der Nordgrenze des Staates liegen.

In "Old Florida" stehen weniger Palmen, dafür aber umso mehr alte, knorrige Bäume, von denen das Spanische Moos in langen Bärten herunterhängt. Dort liegen die einst in besseren Tagen weiß gestrichenen Villen der alten Reichen. Oder die Trailorparks jener, die das Glück in der Sonne suchten, nicht fanden - und trotzdem blieben. Dazwischen immer wieder kleine Schuppen, von ausgeblichenen Schildern am Highway-Rand als Kirchen gekennzeichnet. Baptisten und Katholiken haben hier, am südlichen Ende des amerikanischen Bible Belt, offenbar viel zu beten.

Zehnmal am Tag zum Abendmahl

So ist denn wohl die Freizeitpark-Hochburg Florida auch der einzige Ort, an dem ein Phänomen wie die "Holy Land Experience" bestehen kann - ein Vergnügungspark für christliche Fundamentalisten. Achterbahnen sucht man hier, nur 14 Kilometer von Disneyworld aus gen Südosten, allerdings vergeblich. Die Vergnügungen bestehen darin, kleine Theateraufführungen von Szenen aus dem Leben Jesu anzuschauen.

Dazu hat Park-Gründer Marvin Rosenthal - ein zu den Baptisten konvertierter Jude - Originalschauplätze aus der Bibel nachgebaut. Herzstück der Anlage ist der Tempel von Jerusalem. Während vom echten lediglich die Klagemauer erhalten ist, leuchtet das Gebäude hier in voller weiß-goldener Pracht, bewacht von Römerstatuen in eherner Rüstung. Auf dem Vorplatz stehen Bankreihen bereit für Gottesdienste und Gospel-Shows.

Auf den Kinderspielplatz gelangt man durch zwei plastikschaumgekrönte Plastikwände - das geteilte Rote Meer. Dort können sich die Kleinen im Bauch des großen Wals vergnügen, wo neben einer Jonas-Puppe auch ein lustiger Krake und bunte Gummifische gestrandet sind. Und die Erwachsenen treffen zwischen einem Jerusalemer Straßenmarkt und einem Nachbau der Qumran-Höhlen nicht etwa auf Micky Maus, sondern auf einen Mann im Schafskostüm: Es ist das Lamm Gottes, das geduldig mit den Besuchergruppen aus Tennessee oder Texas für Erinnerungsfotos posiert.

Das macht auch der langhaarige, bärtige Jesus-Darsteller im Walle-Kleid mit Birkenstock an den Füßen. Außerdem haben Besucher zehnmal am Tag die Gelegenheit, sich beim Abendmahl mit ihm und seinen Jüngern die Sünden vergeben zu lassen.

insgesamt 3 Beiträge
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Seite 1
Faust007 23.07.2010
1. Hunger
Das Lamm Gottes würde ich gerne mit Preiselbeeren verspeisen. :-D
orlando_blume 23.07.2010
2.
Leider muss ich immer wieder, wenn ich mich mit einem Artikelthema ausnahmsweise auskenne, feststellen, dass die Autoren es anscheinend NICHT tun, denn die Beiträge strotzen dann immer von falschen Informationen. In diesem Fall hat der Schreiber seine Florida-Informationen anscheinend aus einem der vielen mangelhaften Reiseführern abgeschrieben und dabei, wie es scheint, auch noch falsch aus dem englischen ins deutsche übersetzt. Beispiel Holy Land Experience: Die Angabe, dass es sich 14 km südöstlich von Walt Disney World befindet, ist völliger Käse, denn es befindet sich von der WDW-Grenze aus gesehen ziemlich genau 18 km nordöstlich gelegen. Vor dem Tempel stehen auch keine Römer-"Statuen" in ehernen Rüstungen, sondern es handelt sich um menschliche Darsteller. Es scheint also, dass der Autor dieses Beitrags in Wirklichkeit keine Ahnung von dem hat, über was er schreibt. Genauso seine Ausführungen über Gatorland, den seiner Meinung nach "einen der besten Parks im ganzen Staat". So was kann man auch nur behaupten, wenn man nie selbst dort gewesen ist, und seine Vermutungen nur auf irgendeinen völlig veralteten und diesen Mini-Park in den Himmel lobenden Reiseführer stützt. Gatorland ist ein inzwischen ziemlich heruntergekommener und für speziell deutsche Besucher völlig uninteressanter Mini-Zoo der untersten Qualitätsstufe. Wenn man allerdings auf die Begaffung bemitleidenswerter, weil depressiv in der Ecke hockender Bären in winzigen Gehegen, völlig zerzauste und verlotterte Nandus, Schlangen-Terrarien mit so dreckigen Scheiben, dass man die Tiere kaum erkennen kann und eine Bähnchenfahrt rund um das Gelände (bei der man nichts ausser Bäumen und Büschen sieht) steht, dann kann man sich diesen "Park" (es fällt mir extrem schwer, ihn als solchen zu bezeichnen) tatsächlich mal für 2 Stunden antun. Länger hält man es dort aber wirklich nicht aus, denn es ist einfach zu deprimierend, die Tiere dort leiden zu sehen. Das gilt nicht für die dort gezeigten Alligatoren! Die sind zwar uninteressant, aber um die scheint man sich wenigstens wirklich gut zu kümmern. Mit dem ganzen Rest hat sich Gatorland aber auf ein so tiefes Niveau herabgesenkt, wie man es in deutschen Zoos - zum Glück für die Tiere - schon seit vielen Jahrzehnten nicht mehr sehen kann. Die anderen genannten Attraktionen habe ich noch nicht besucht, aber wenn die Beschreibung der beiden mir bekannten Parks schon so daneben liegt, kann ich auf den Inhalt der restlichen Berichte auch nichts mehr geben. Vielleicht sollten Spiegel-Redakteure auch nur über Sachen schreiben, die sie selbst gesehen haben und ihre Artikel nicht auf mangelhaft übersetzte Informationen aus schlechten Reiseführern aufbauen - anders kann ich mir nicht erklären, wie in dem Artikel so ein Käse behauptet werden kann.
gsm900, 23.07.2010
3. Das Ende der Vierziger
Zitat von sysopHier kann man das Lamm Gottes streicheln, mit Jesus Abendmahl feiern - oder mit Nixen planschen. In Florida entstanden lange vor Disney World Vergnügungsparks mit Südstaaten-Charme. SPIEGEL ONLINE erkundet die historischen Kleinode, die schon der King of Rock'n'Roll zu schätzen wusste. http://www.spiegel.de/reise/fernweh/0,1518,705314,00.html
autos in den USA eine Seltnheit waren ist wohl eher Ulbricht Propaganda, war doch die Massenmotoriesierung breits in den Zwanzigern recht hoch (besonders verglichen mit Deutschland)
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