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Friedensmission erreicht ihr Ziel: "Wie ein Stein, der ins Rollen kommt"

Nach einer langen Reise von ihrer Heimat von Nahost in die Antarktis haben sie ihr gemeinsames Ziel erreicht: Die acht Israelis und Palästinenser der Extremexpedition tauften den Gipfel eines bisher unbestiegenen Berges als Symbol der Hoffnung auf Frieden zwischen ihren Völkern.

Gipfelsieg und Zeichen an die Welt: "Der Berg der israelisch-palästinensischen Freundschaft"
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Gipfelsieg und Zeichen an die Welt: "Der Berg der israelisch-palästinensischen Freundschaft"

"Wir haben ihn 'Berg der israelisch-palästinensischen Freundschaft' genannt", meldete Expeditionsleiter Heskel Nathaniel am Donnerstag per Satellitentelefon nach Santiago. "Indem wir den Gipfel erreicht haben, haben wir bewiesen, dass Palästinenser und Israelis in gegenseitigem Respekt und Vertrauen zusammenarbeiten können", las er aus einer von den jeweils vier israelischen und palästinensischen Teilnehmern vereinbarten Erklärung vor.

Der Gipfelsieg auf dem 997 Meter hohen Berges im ewigen Eis der Antarktis ist der Höhepunkt der Reise der acht Männer und Frauen. Vor 16 Tagen, am Neujahrstag, stachen sie mit der "Pelagic Australis" vom chilenischen Hafen Puerto Williams aus in See. Die fast 1000 Kilometer lange Fahrt zur Antarktis ging durch eines der gefährlichsten Gewässer der Welt, in dem das Team einen schweren Sturm überstehen musste. Zu Fuß ging es dann zum "Berg der israelisch-palästinensischen Freundschaft" weiter.

Am Donnerstagmorgen noch war wegen heftiger Winde und Schneefall fraglich, ob Expedition die letzte Etappe zum Berg wagen konnte. Doch am Abend des vierten Tages ihrer Trekkingtour über das Eis erreichte das Team "ihren" Gipfel. Ihren Erfolg feierten die Teilnehmer auf ihre eigene Art: Während die Israelis eine Flasche Champagner köpften, knieten die drei palästinensischen Männer zum Gebet nach Mekka nieder. Der Palästinenser Ziad Darwish war zu Tränen gerührt und erzählt im Tagebuch bei SPIEGEL ONLINE: "Dieser Moment ist so wunderschön: zu sehen, dass Israelis und Palästinenser dieses gemeinsam geschafft haben. Und zu Hause tun wir uns gegenseitig all diese schrecklichen Dinge an."

Der israelische Bergführer Doron Erel ist erleichtert, dass die Mitglieder des Projekts so gut miteinander ausgekommen sind: "Keiner glaubt, dass wir durch Bergsteigen Frieden bringen, doch jeder sollte wissen, was Israelis und Palästinenser schaffen, wenn sie es nur wollen." Und dieses Signal will die Friedensmission ins Eis in die Welt senden: Wie das Bergsteigen benötigt auch Frieden ein großes Engagement.

Die Mitglieder der Expedition sind keineswegs typische "Friedensengel": Zwei der palästinensischen Teilnehmer waren zuvor in israelischen Gefängnissen inhaftiert - einer wegen Angriffs auf einen Polizisten und einer wegen Terrorismus. Ein anderer Palästinenser ist ein Vetter des größten Dichters der Palästinenser, Mahmud Darwisch, Verfasser der palästinensischen "Unabhängigkeitserklärung". Zwei Israelis gehörten ehemals zu einer Eliteeinheit der Streitkräfte.

"Ihr Leben wird nie wieder so sein wie zuvor", ist sich Organisator Nathaniel über die Teammitglieder im Klaren. "Ich glaube an die Macht der Symbolik", sagte er. Natürlich gebe es kleingläubige Zyniker, die an der Möglichkeit von Veränderungen zweifelten. Nathaniel ist jedoch "sicher, dass unser Beispiel andere Menschen inspirieren wird". Es sei "wie ein Stein, der ins Rollen kommt".

Organisiert wurde die Expedition von der Gruppe Extreme Peace Missions, unterstützt vom israelischen Peres-Zentrum für Frieden und nach Angaben der Veranstalter auch vom palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat, Uno-Generalsekretär Kofi Annan sowie den Friedensnobelpreisträgern Dalai Lama und Michail Gorbatschow.

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