WM in Brasilien So viel Geld geben Fußballfans für ihren Urlaub aus

In Brasiliens teuerster WM-Stadt Rio de Janeiro steigen die Preise immer noch Tag für Tag, die Fans müssen notgedrungen blechen. Wer jetzt anreist und bis zum Endspiel am 13. Juli in der Stadt bleibt, zahlt bis zu 15.500 Euro.

DPA

Rio de Janeiro - Selbst Ronaldinho will jetzt mitverdienen an der Fußball-Weltmeisterschaft. Der Ex-Weltstar vom FC Barcelona besitzt ein Anwesen in Rio de Janeiro, das er dieser Tage feilbietet. Wer noch keine Unterkunft in der Hauptstadt derFußball-WM hat, kann seine Villa im noblen Viertel Barra da Tjiuca anmieten. Diese kostet allerdings 34.350 Reais, das sind umgerechnet 11.200 Euro. Pro Tag. Das Anwesen mit Blick über die Bucht von Rio bietet Platz für acht Personen, im Preis inbegriffen ist Ronaldinhos gesamtes Personal. Immerhin.

Schon vor der WM war Brasilien kein preiswertes Land. Der Boom des Schwellenlandes hat die Währung Real in den vergangenen Jahren massiv aufgewertet. Aber jetzt, während des größten Sport-Spektakels der Welt, fallen alle Hemmungen. Kosten-Spitzenreiter ist Rio de Janeiro. Laut der Touristikwebsite Tripadvisor ist die Cidade maravilhosa, die wunderbare Stadt, die teuerste aller zwölf Austragungsorte. Demnach gibt man in Rio täglich umgerechnet durchschnittlich 500 Euro aus - und noch mehr während der Spieltage.

In punkto Hotelpreise ist Cuiabá am teuersten, die Hauptstadt des Bundesstaats Mato Grosso, tief im Westen Brasiliens. Während der vier Gruppenspiele nehmen die Hotels der Stadt für eine Übernachtung im Schnitt 702 Dollar (514 Euro).

Fußball-Fans werden knapp 2,2 Milliarden Euro im Land lassen

600.000 Besucher erwarten die Regierung und die brasilianische Tourismusindustrie bis zum Endspiel am 13. Juli. Und diese werden geschätzte 2,98 Milliarden Dollar (circa 2,2 Milliarden Euro) im Land lassen. Mit Abstand die meisten Besucher kommen aus einem Land, das kaum Chancen auf den Titel hat - den USA.

125.465 US-Amerikaner haben laut Statistik WM-Tickets gekauft. Vermutlich sind die Mehrzahl von ihnen Migranten, die eines der vielen Teams aus Lateinamerika anfeuern. 60.231 Tickets gingen an Kolumbianer, die erstmals seit 16 Jahren wieder mit einem Team bei einer WM vertreten sind.

Aus Deutschland reisen mindestens 55.666 WM-Touristen an. Und die traditionell fußballverrückten Argentinier haben 54.000 Eintrittskarten ergattert. Präsidentin Dilma Rousseff geht allerdings davon aus, dass viermal so viele Anhänger von Leo Messi und seiner Mannschaft ins nahe Brasilien pilgern werden.

Wenn diese zum Beispiel für das erste Spiel der argentinischen Mannschaft gegen Bosnien am Sonntag in Rio de Janeiro noch ein Hotelzimmer suchen, werden sie kaum eines finden: Rios Hotelverband meldet eine Auslastung von 90 Prozent. An Spieltagen steigen die Kosten für ein Zimmer am Zuckerhut auf 492 Euro pro Nacht.

Schlechtes Preis-Leistungs-Verhältnis in Hotels

Wo so viel Geld zu haben ist, wollen auch die Einwohner Rios verdienen. So wie Ronaldinho haben viele von ihnen ihre Wohnungen geräumt, sind zu Verwandten und Freunden gezogen und stellen ihre Unterkünfte während der WM zur Verfügung. Aber auch hier sind die Forderungen exorbitant: Eine Wohnung am berühmten Strand von Ipanema im zweiten Stock eines Apartmenthauses mit einem Zipfel Meerblick soll während der WM 5700 Euro kosten.

Die brasilianische Zeitung "Folha de São Paulo" schrieb kürzlich, dass Rio bei der WM der Spiegel vorgehalten werde: Die Stadt sei nicht nur besonders teuer, sondern habe gleichzeitig ein berüchtigt schlechtes Preis-Leistungs-Verhältnis. Der öffentliche Nahverkehr, die Sauberkeit und vor allem die Sicherheit seien in der wunderbaren Stadt eben nicht ganz so wunderbar.

So bat Bürgermeister Eduardo Paes schon vorab um Entschuldigung. Man dürfe Brasilien nicht mit der Ersten Welt gleichsetzen, sagte er. "Wer hier ankommt und denkt, er sei in England, wird schnell frustriert sein."

Die Preise jedenfalls dürften deutlich höher sein. Schon vor der WM kostete eine Kugel Eis an der Copacabana mehr als drei Euro. Derzeit legt man mancherorts noch mindestens einen oben drauf. Auch ein Sandwich gibt es kaum für weniger als acht Euro, ein Glas Orangensaft kostet drei Euro. Für manchen WM-Touristen wird der Ausflug nach Brasilien zur unfreiwilligen Diät.

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insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
geddon 11.06.2014
1. Interessante Zahlen...
... hätte ich nicht gedacht. Im Text steht jedoch in der kleinen Überschrift ein Fehler, dort ist von 2.2 Millionen die Rede, es sind aber 2.2 Millarden.
trader_07 11.06.2014
2. Naja...
Zitat von sysopDPAIn Brasiliens teuerster WM-Stadt Rio de Janeiro steigen die Preise immer noch Tag für Tag, die Fans müssen notgedrungen blechen. Wer jetzt anreist und bis zum Endspiel am 13. Juli in der Stadt bleibt, zahlt bis zu 15.500 Euro. http://www.spiegel.de/reise/fernweh/fussball-wm-so-teuer-sind-die-hotels-in-brasilien-a-974336.html
Naja, 15.500 Euro für immerhin fast fünf Wochen ist nun nicht gerade ein Schnäppchen. Aber doch wohl auch nicht so viel, dass das einen Artikel wert ist.
Kiste 11.06.2014
3. optional
Millionen - Milliarden - englisch: Billionen, bei solchen Zahlen kann einem schon schwindelig werden, vor allem wenn man selber nur 50er kennt, nicht wahr, SPON?
frankfurter. 11.06.2014
4. frankfurter.
In buzios oder auf der ilha grande geniesst man urlaubsathmosphaere und traumstraende zu vernuenftigen preisen. Die anreise von dort nach rio an spieltagen dauert mit bus bzw. Faehre 2 -buzios- oder 3 -ilha grande- stunden
weiterschlafen 11.06.2014
5. Fussball ist und bleibt
eine Beschäftigung für die dumme Masse bzw. soll dazu beitragen die Menschen von ihren eigentlichen Problemmen abzulenken.Deswegen werden jährlich Milliarden investiert.Und natürlich auch milliarden Gewinne erzielt.Die Römmer hatten früher dafür die Arena, heute ist es der Fussballstadion.Nichts hat sich am Prinzip dieser Technik seit dem verändert.Es wundert mich also nicht dass die Fans bereit sind soviel dafür auszugeben.Es zeigt doch nur wie weit die Verdummung gehen kann. Das ist meine Meinung zum Thema und nicht jeder muss sie für richtig halten.
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