Dass ein Reiskocher zur Grundausstattung einer koreanischen Küche gehört, ist nichts Neues. Dass aber eine Teigtaschenfüllung ziemlich gut in einer Waschmaschine aufgehoben ist, dürfte viele Menschen überraschen. Wozu das? Ganz einfach: um eine Paste aus Schweinefleisch und Tofu zu trocknen. Ingwer, Kimchi, Mungobohnensprossen und Knoblauch in einen Stoffbeutel - und ab in die Trommel.
Zugegeben, die Nummer mit dem Schleudergang lädt nicht unbedingt zum Nachahmen ein - dafür ist sie auch nicht gedacht. Sie ist vielmehr eine munter erzählte Kindheitserinnerung der 40-jährigen Yun-Ah Kim, Mitverfasserin des jüngst bei Jacoby & Stuart erschienenen "Korea-Kochbuchs". Hintergrund zu dieser Anekdote: Da die Füllung für die traditionellen Kimchi-Teigtaschen (Kimchimandu) möglichst trocken sein muss und das Ausdrücken der Paste im Sieb anstrengend ist, kamen Kims Eltern eines Tages auf die Idee, die Fleisch-Gemüse-Füllung in der Waschtrommel zu schleudern.
"Das Ergebnis war ausgezeichnet!", schreibt Kim in dem 150 Seiten dicken Kochbuch, das authentischer nicht sein könnte. In simplen und leicht verständlichen Anleitungen beschreiben drei in Korea geborene und heute in Berlin lebende Frauen ihre Leibspeisen, erklären, wie ihre Mütter und Großmütter Seetangsuppe (Miyeokguk) köchelten oder Ingwerhuhn (Dak Saenggangjorim) zubereiteten, und was unbedingt in einen Fischpfannkuchen (Saengseonjeon) gehört. Der Geschmack von Chilipulver, Sojasauce, Sesam und Ingwer liegt einem beim Lesen fast auf der Zunge - und auch die Sehnsucht der Autorinnen nach ihrer Heimat schmeckt man zwischen den Zeilen heraus.
70 Rezepte umfasst das Buch, darunter Klassiker wie Bulgogi - ein traditionelles Grillritual, bei dem Rindfleisch gebrutzelt wird - und natürlich Kimchi. Dass das nicht zwangsläufig scharf eingelegter Kohl sein muss, sondern vielmehr die Art und Weise, Gemüse in einer Chili-Knoblauch-Sauce zu marinieren, lernt der Leser nebenbei. Zu vielen Rezepten servieren die Autorinnen Variationsmöglichkeiten, so dass auch Vegetarier auf ihre Kosten kommen - und sogar Menschen, denen ansonsten bei pikanten Speisen die Tränen in die Augen schießen.
Das Korea-Kochbuch ist jedoch mehr als eine Sammlung leckerer Rezepte. In feinen Prisen streuen die Autorinnen Minbok Kou, Sunkyoung Jung und Yuna-Ah Kim sehr persönliche Erinnerungen an das Familienleben in Korea ein. Fotos wird man in dem kleinformatigen Buch vergeblich suchen - und auch nicht vermissen. Denn Anekdoten und Kochanleitungen sind liebevoll mit farbigen Zeichnungen der Illustratorin Tina Kraus bebildert.
Sie ist auch diejenige, der die Idee für das Buch kam. Bei ihrem sechsmonatigen Aufenthalt in Seoul verliebte sie sich in die südkoreanische Kultur und Küche. Noch vor Ort fing sie an, Gerichte, Zutaten und Szenen aus dem Alltag der Megacity zu skizzieren: Straßenstände, sich unter Beilagen biegende Esstische oder eine Familie, die in der Küche Teigtaschen zubereitet - eine Waschmaschine ist in dem Bild zum Glück nicht zu sehen.
Julia Stanek
Illustriert von Tina Kraus
Jacoby & Stuart; 155 Seiten; 19,95 Euro.
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