Hallo, Taxi! (Ho-Tschi-minh- Stadt) Vietnamesisch für Anfänger

Der Verkehr in asiatischen Großstädten mutet wie ein undurchdringliches Chaos an. Manche Taxifahrer der Sieben-Millionen-Metropole Ho-Tschi-minh-Stadt nutzen das Gewusel für ein gutes Geschäft.

Von Petra Märlender


"No no! Loooong way!": Argumente eines Taxifahrers in Ho-Tschi-minh-Stadt
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"No no! Loooong way!": Argumente eines Taxifahrers in Ho-Tschi-minh-Stadt

Ankunft Flughafen Ho-Tschi-minh-Stadt. Als ich nach Gepäck- und Passkontrolle um neun Uhr abends ins Freie trete, schlägt mir immer noch drückend warme Luft entgegen. Eine Traube Wartender drängelt sich winkend, hüpfend und rufend hinter der niedrigen Absperrung, die den Ausgangsbereich der Ankunftshalle für vollbepackte Reisende freihält.

Unter den Wartenden befinden sich auch wild gestikulierende Taxifahrer. Als die schützende Absperrung zu Ende geht, stürmen mindestens drei der Geschäftstüchtigen mit einem gekonnten "Where-are-you-from-where-do-you-go-I-will-drive-you!" auf mich zu. Mit einem Lächeln versuche ich die Belagerung zunächst abzuwehren.

Einer will's jetzt wissen, doch ich bin mit Reisetipps gewappnet. "Four Dollar!!?? No, no!" schüttelt er den Kopf und dreht sich demonstrativ weg. Ich sehe mich schon als einzige Touristin am Flughafen stehen, falls ich hartnäckig auf dem gutgemeinten Tipp bestehe. Doch die Taxi-Konkurrenz ist groß. Ich kann den Mann schließlich mit fünf Dollar überzeugen.

Mein Taxifahrer - weißes Baumwollhemd, die obersten drei Knöpfe geöffnet, dazu einer schwarze Bügelfalten-Hose - wischt sich den Schweiß von der Stirn und stiefelt los. Er hat eine untersetzte Statur, die schwarzen Haare fallen ihm ins Gesicht. Er zwinkert mir freundlich zu, "Come come!", nimmt mir den Rucksack ab und verstaut ihn im Kofferraum.

Sein weißes Taxi ist nicht gerade das neueste Modell auf dem Automarkt. Spuckend und knatternd schmeißt sich der Motor ins Zeug, und wir zuckeln los. Es hat geregnet. Zeit der Monsunregen. In den Pfützen spiegelt sich das Organe-gelb der Laternen.

Die Straßen sind zu dieser abendlichen Stunde noch immer brechend voll, und auf dem breiten Asphalt wimmelt es von Fahrrädern und Motorrädern. Gelegentlich lassen wir auch einen Cyclo-Fahrer hinter uns. Cyclos, das sind Fahrräder, die einen kleinen Sitz vor sich herschieben.

Manchmal kutschieren klapperige Alte gleich zwei nebeneinander gequetschte Fahrgäste vor sich her - zwar etwas langsamer als sonst, ihre Gesichter lassen jedoch keine Anzeichen der Anstrengung erkennen.

Ich starre fasziniert in die mir gänzlich fremde Welt einer asiatischen Großstadt hinaus. Doch ein penetrantes Quaken reißt mich aus den Gedanken. Mein Taxifahrer hupt sich gerade die Straße frei. Allen schwächeren Verkehrsteilnehmern bleibt nichts anderes übrig, als nach links und rechts auszuweichen, was sie widerstandslos tun. Ohne abzubremsen drängelt sich das Taxi durch die frei werdende Schneise der Fahr- und Motorräder.

Der Taxifahrer wendet sich inmitten seines Hupkonzertes zu mir. "Where are you from? - Ah! Germany. Good, good."

Ich lehne mich entspannt in dem abgewetzten Plastiksitz zurück. Als wir die Innenstadt erreichen, versuche ich ihm an Hand der im Reiseführer verzeichneten Karte vertrauensselig zu zeigen, in welcher Straße er mich absetzen soll. "No problem!"

Meine gebuchte Unterkunft "Miss Loi's Guesthouse" befindet sich in der Co Giang Road, nicht weit entfernt vom Pham Ngu Lao Distrikt, dem Viertel für Rucksacktouristen mit Cafés, Restaurants und Reisebüros. Mein Fahrer ist aber der Meinung, dass ich woanders übernachten soll und hält vor einem unbekannten Hotel in einer fremden Straße.

Hat er mich falsch verstanden? Er reagiert mit einem großen Fragezeichen im Gesicht und deutet mir an, das Taxi zu verlassen und nun bitte ins Hotel zu gehen. Von der Tatsache, dass ich hier nicht gebucht habe, sich meine gewünschte Unterkunft aber ganz in der Nähe in einer Parallelstraße befindet, bleibt er unbeeindruckt. "No no! Loooong way!" Sein Arm schweift in die Ferne. Er versichert beharrlich, dass "Miss Loi's Guesthouse" mindestens eine halbe Stunde entfernt und am anderen Ende der Stadt sei. Fest steht offenbar: Es ist unverhältnismäßig aufwendig, dort hinzufahren.

Wahrheiten sind oft eine Frage des Geldes und nach einem Aufschlag von drei Dollar liegt die Co Giang Road doch nicht so weit entfernt, wie zuvor hartnäckig behauptet. Keine zwei Minuten später halten wir vor der Gasse, in der sich meine Unterkunft befindet. "Tam biet" - "Tschüß" - und noch einen schönen Abend wünscht er mir grinsend und verschwindet mit seinem knatternden Taxi in der Dunkelheit.



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