Hallo Taxi! Mit Totalschaden durch Maputo

2. Teil: Maputo, Mosambik: Mit dem Schutz von Michael Schumacher


Maputo, Mosambik

Ich kam im Oktober 2005 aus dem Norden von Mosambik mit dem Bus zurück in die Hauptstadt Maputo – was schon Abenteuer genug war – und musste an der etwas außerhalb gelegenen Bushaltestelle feststellen, dass es wieder einmal schwierig war, ein Taxi ins Zentrum zu bekommen. Unvermittelt wurde ich von zwei jungen Männern angesprochen, die mir ihre Dienste anboten. Es handelte sich um einen Ford-Kastenwagen mit gesprungener Scheibe, der auf der einen Seite sehr viel tiefer lag als auf der anderen und der, wie sich beim Einsteigen herausstellte, hinter dem Fahrersitz nur eine Ladefläche hatte, die ich mir mit meinem Rucksack teilen durfte.

Die Heckklappe ließ sich - wohl weil das Fahrzeug verzogen - war nicht mehr schließen, was durch eine Schnur gelöst wurde, die vorne an der Handbremse festgeknotet wurde. Die Fahrt war anstrengend, da die Stoßdämpfer kaputt war und der mosambikanische Straßenzustand problematisch ist. Darüber hinaus schien der Motor kaputt zu sein, was die Kommunikation deutlich erschwerte. Was ich allerdings verstehen konnte, war die Information, dass es sich um ein deutsches Auto handeln sollte. Am Ende der Fahrt verstand ich es: Anstatt eines mosambikanischen Nummernschildes befand sich an der entsprechenden Stelle immer noch ein entwertetes deutsches mit Zwickauer Herkunft. Auf die Frontscheibe hatten die beiden Besitzer stolz in Spiegelschrift den Schriftzug "Michael Schumacher" angebracht.

Das Fahrzeug war offensichtlich ein Unfallwagen mit Totalschaden aus Deutschland, der auf Umwegen seinen Weg in die Hände der neuen, stolzen Besitzer gefunden hatte. Nach einer Taxilizenz zu fragen habe ich allen Beteiligten erspart, dafür durfte ich aber ein wohl einmaliges Erinnerungsfoto schießen. Am Ende ist ja vor allem wichtig, dass man ankommt und zu Hause eine weitere gute Geschichte zu erzählen hat.

Christoph Giesa, Hamburg



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