Harry-Potter-Freizeitpark Zauberhaft speisen

Kann man ein amerikanisches Freizeitpark-Restaurant führen, ohne Cola auszuschenken? Und Kindern dort richtig gesunde Gerichte servieren? Und ob! Im Harry-Potter-Themenpark in Florida werden Speisen aus der Zauberschulenküche kredenzt: Botts Bohnen, Butterbier und Schokofrösche.

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Universal Orlando

US-amerikanische Themenparks rühmen sich gerne mit Superlativen. Der eine hat die größte Anzahl an Attraktionen, der nächste den schnellsten Rollercoaster, ein dritter die gruseligste Geisterbahn. Doch fast unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit hat die im Juni dieses Jahres neu eröffnete Wizarding World of Harry Potter in den Universal Studios in Orlando, Florida, etwas wahrhaft Revolutionäres geleistet: Sie bietet ihren Besuchern richtig gesunde Lebensmittel an.

Es beginnt damit, dass der Durstige an den Getränkeständen des Parks eines vergeblich suchen wird: Softdrinks. Keine Cola, keine Pepsi, keine Fanta, keine Sprite. Das ist - nach amerikanischen Maßstäben - Punk. Ein provokanter Verstoß gegen alle Regeln. "Auf Harry Potters Zauberschule Hogwarts gab es schließlich auch keine Coca-Cola", erklärt Chefkoch Steve Jayson die geradezu unheimliche Abwesenheit der sonst allgegenwärtigen Softdrink-Giganten. "Also wird es die hier auch nicht geben. Wir wollen unser Essen und unsere Getränke so authentisch wie möglich halten."

Stattdessen gibt es Butterbier. An dieser Stelle ein Wort der Warnung: Butterbier macht süchtig. Wer einmal davon getrunken hat, kann diesen unvergleichlichen Geschmack nie mehr vergessen. Jayson hat ein Getränk geschaffen, das wahrlich nicht von dieser Welt zu sein scheint. Das ganz leicht kohlensäurehaltige Gebräu schmeckt erfrischend nach Weichkaramell. Darauf schwimmt die sahneartige Krone mit Butterscotch-Aroma. Das klingt nach verdammt vielen Kalorien. "Nein, das wäre ja ungesund", protestiert Jayson entrüstet.

In der Wizarding World of Harry Potter wird auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung geachtet. So ist Butterbier tatsächlich kalorienreduziert. Ebenso wie die Auswahl an aromatisierten Eistees, die anstelle der sonst üblichen gezuckerten Zitronen- und Orangenlimonaden angeboten werden. Oder das andere Highlight der Getränkekarte: Kürbissaft. Schmeckt wie frischer, dickflüssiger, selbstgepresster Apfelsaft - nur eben auf Kürbisbasis.

Salat ist immer dabei

Doch die Getränke sind nur der Anfang. Seinen Kreuzzug für eine gesunde Ernährung ficht Jayson auch auf den Tellern. Die Speisekarte im Restaurant "Three Broomsticks" liest sich wie die eines guten, britischen Dorf-Pubs: Fish and Chips, Shepherd's Pie, Cornish Pastries. Doch die bekommt hier - Vitamine müssen sein - keiner ohne eine anständige, frische, leckere Salatbeilage. Und wenn Jayson Salat sagt, dann meint er Salat: Da lässt kein Blatt den Rand hängen, kein Tomatenstück ist trocken. Alles ist knackig und so appetitlich wie frisch aus dem Garten. Beim Einkauf legt er großen Wert darauf, dass die Waren möglichst aus der Region kommen und biologisch angebaut sind.

Dass seine Rechnung aufgeht, hat Jayson bereits nebenan bewiesen. Dort liegt im "Lost Continent"-Abschnitt des Universal Parks sein Restaurant "Mythos", in dem er eine ähnlich hohe Messlatte anlegt. Und mit dem gewann er von 2003 bis 2009 sieben Jahre hintereinander den "Best Theme Park Restaurant"-Award. Der 56-jährige Chefkoch, Absolvent des CIA (nein, er hat nicht beim Auslandsnachrichtendienst der USA gelernt, sondern im Culinary Institute of America), ist bereits seit über 20 Jahren bei Universal - er war bereits vor Eröffnung der Universal Studios Florida mit an Bord.

Da Themenparks vor allem Familien mit Kindern anziehen, gibt es im "Three Broomsticks" natürlich auch eine Kinderkarte. Und zwar - wiederum anders, als man es von einem Themenpark erwarten würde - eine verantwortungsbewusste: Keines der Kindermenüs hat mehr als 300 Kalorien. Und doch: Es gibt auch in der Wizarding World of Harry Potter Zucker zu kaufen - aber wie Coca-Cola müssen hier auch Nestlé oder Mars draußen bleiben.

Zischende Wissbies und Schokofrösche

Stattdessen verkauft Honeydukes, der in der deutschen Übersetzung "Honigtopf" genannte Süßwarenladen, nur jene Leckereien, die unter Hogwarts-Schülern so beliebt sind: Bertie Botts Bohnen jeder Geschmacksrichtung (unter denen es nicht nur Pfirsich, Marshmallow oder Wassermelone, sondern eben auch Fisch, Pfeffer oder Würstchen gibt), Zischende Wissbies (Brausebonbons, bei deren Genuss man in die Luft gerissen wird) oder die legendären, täuschend echt aussehenden Schokofrösche. Und wie in den Büchern liegt auch wirklich jeder Packung eine Schokofrosch-Sammelkarte mit berühmten Hexen und Zauberern darauf bei. Alle wurden eigens für den Park designt und werden auch nur hier verkauft.

Die Inspiration für all diese Köstlichkeiten nahmen Jayson und sein Team direkt aus den Büchern - und aus Großbritannien. Der Chef reiste mehrmals nach England und Schottland, um dort vor Ort ein Gefühl für die britische Küche zu bekommen. "Das englische Essen wird leider immer wieder unterschätzt", bemerkt er. "Es ist eine wunderbare, bodenständige Küche." Essen hat für Jayson auch immer mit Emotionen zu tun. "Wenn Menschen feiern, essen sie auch", ist seine Philosophie. Die Menschen treffen sich zu Hochzeiten, Geburten oder wenn jemand stirbt - und immer wird zu diesen Anlässen gegessen: zu glücklichen und zu traurigen. "Essen spiegelt diese Gefühle", findet er. "Ich möchte mit meinen Gerichten einen Geschmack der großen, bewegenden Feiern in Hogwarts vermitteln."

Verträgt ein Themenpark so viel Feinsinn? Den wohl schärfsten Kritiker konnten Jayson und sein Team schon lange vor Eröffnung des Parks auf ihre Seite ziehen: Buchautorin J. K. Rowling. Das Team reiste mehrmals nach Edinburgh, um sich von der Harry-Potter-Erfinderin in die Töpfe schauen zu lassen. Sie war begeistert.

Und die Besucher? Gab es Fälle von Cola-Entzugserscheinungen? Nörgelnde Kinder? Keine Spur! "Die Gäste lieben das Essen, weil es sie direkt in die Bücher hineintransportiert", hat Jayson beobachtet. "Die typisch britischen Speisen helfen dabei, diese Illusion aufzubauen." Willkommen in Hogwarts - und guten Appetit!



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 3 Beiträge
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Seite 1
kessel 02.09.2010
1. ..
Finde schade, das man das Butterbier nicht kaufen kann^^ extra nach florida zu fliegen, lohnt sich deswegen ja auch nich... aber hört sich sehr interessant an :) Butterscotch ftw :)
wfraser 03.09.2010
2. Butterbier
Der Author hat das Gebräu offensichtlich nicht selbst versucht. Das wiederlich süße Zuckerwasser hat nichtmal meinen Kindern geschmeckt, wer's einmal geschmeckt hat, bestellt kein zweites mehr. Und von wegen gesund, die Süßigkeiten im Shop sind genauso zuckerbeladen wie im restlichen Park. Nichtsdestotrotz ist der Besuch ein Spaß, und darum geht es ja dort.
I'm a Substitute 05.09.2010
3. Süßigkeiten
Naja, Florida ist - zumal klimatisch - mit dem englischen Lake-District nicht 100%ig vergleichbar, aber ein Harry-Potter-Themepark macht sich als zeitgemäße Konkurrenz zu Disneyworld oder so sicher ganz gut. Je nach Kaufkraft und Verschuldungsbereitschaft der Kunden, die sich mal für einige Stunden in "einen Traum" versetzen lassen wollen... Die im Artikel erwähten jedem Schokofrösch [beiliegende] Sammelkarte mit berühmten Hexen und Zauberern, die eigens für den Park designt und werden auch nur hier verkauft werden, hat's lange vor Erscheinen des 4. Bandes Harry-Potter schon bei Woolworth gegeben... mag sein, daß die jetzigen Merchandising-Artikel (auch diese "Bohnen jeden Geschmacks gab's schon; keine Ahnung, wann genau, könnte aber zeitgleich mit dem 1. Film gewesen sein) den Hersteller gewechselt haben, aber so neu ist die Realisierung eines solchen Produktsortimentes nicht...
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