Heliskiing in Alaska: Abtauchen in den Champagnerschnee

Fertig machen zum Absprung: Wenn es in den meisten Skigebieten allmählich dem Saisonende entgegengeht, beginnt in Alaska die beste Zeit für die weiße Königsdisziplin - das Heliskiing.

Alaska: Faszination Heliskiing Fotos
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Wie Rugbyspieler kauern wir, die Köpfe zusammengesteckt, im Schnee. Die Hände reichen nicht aus, um den aufwirbelnden Schneestaub vom Gesicht abzuwehren und die Ohren vor dem Knatterlärm zu schützen. Bis der Helikopter vom Typ "Bell 206" endlich abhebt und einer wunderbaren Stille Platz macht. Unten ragen unzählige weiße Gipfel in den blauen Himmel. Doch wir sind nicht zum Sightseeing hier. Mit den Skistöcken den Schnee von den Schuhsohlen geklopft und, klack-klack, rein in die Bindung.

"Left-hand side of my track!", ruft unser Guide und katapultiert sich in den Hang. Einer nach dem anderen folgt ihm, jeder mit dem Ehrgeiz, die eigene Spur ganz synchron neben die des Vordermanns zu legen. Fast schwerelos gleiten wir in einem wunderbaren Schwungrhythmus nach unten, als seien alle physikalischen Gesetze außer Kraft gesetzt.

Bis sich dann doch die Physik zurückmeldet, in Form eines fiesen Ziehens in den Oberschenkeln. Es ist der einzige Grund, warum man am Abend dann doch froh ist, dass der Hang zu Ende ist. Schon knattert der Helikopter heran, um uns aufzulesen und Minuten später auf einem Gipfel mit Meerblick wieder auszuspucken. "Left-hand side!"

Vier Tage in den Chugach Mountains in Alaska lassen einen im siebten Skifahrerhimmel schweben. Vertrieben ist der Jetlag, der einem durch zehn Stunden Zeitunterschied in den Knochen sitzt. Ignoriert wird der vom kleinen Zeh bis zum Unterkiefer reichende Muskelkater nach dem ersten Tag im federleichten "champagne powder". Heliskiing - das ist der Luxus, ohne Gedrängel auf den Pisten und in der Liftschlange über unberührte Hänge zu stauben und eine Bergwelt zu erleben, die sich auf ein Wort reduzieren lässt: wow!

Gewaltige Schneemengen

Im Gegensatz zur Heliskiing-Hochburg Kanada ist Alaska ein Geheimtipp. Die Hardcore-Powderskier wissen um die Einzigartigkeit des Paradieses hoch im Norden des amerikanischen Kontinents. Das Land ist fünfmal so groß wie Deutschland mit nur 700.000 Einwohnern. Beste Reisezeit ist von Mitte Februar bis Ende April, wenn die Tage wieder länger werden und die Sonne mehr Kraft kriegt.

Unser Standort ist das sympathische Skistädtchen Girdwood am Fuße des Mount Alyeska, Alaskas größtem Skigebiet mit neun Liften und 60 Abfahrten. Mount Alyeska ist berühmt für seine gewaltigen Schneemengen von durchschnittlich neun Metern pro Winter. Heliskifahrer haben so einen weiteren Vorteil: Wenn witterungsbedingt der Flugbetrieb nicht möglich ist, kann man einen Tag auf der Skipiste einlegen oder sich mit der Schneekatze zu den umliegenden Tiefschneehängen fahren lassen.

Aber natürlich geht nichts über einen idealen Flugtag. Die Helikopter bringen die Skifahrer zu den Gipfeln der näheren und weiteren Umgebung. Oft hat man vom Landeplatz aus einen herrlichen Blick auf das tiefblaue Wasser des Prince William Sound - allein dieser Anblick ist die weite Reise schon wert. Superbreite Freeride-Ski erleichtern das Fahren auch im tiefsten Schnee enorm und vermitteln das Gefühl, über einen Samtteppich zu gleiten.

Beim Heliskiing gelten andere Prioritäten

Seit jüngstem haben die "Chugach Powder Guides" in dem Hafenstädtchen Seward einen weiteren Heliski-Standort etabliert. Von der luxuriösen Windsong Lodge aus fliegt der Hubschrauber zu den tief verschneiten Gipfeln nahe der nördlichen Golfküste. Nicht nur die Natur ist hier phänomenal, sondern auch das gastronomische Angebot. Das Resurrection Roadhouse Restaurant ist landesweit für seine hervorragenden Seafood- und Fleischspezialitäten bekannt, für den Weinkeller hagelt es Auszeichnungen so renommierter Institutionen wie dem "Wine Spectator".

Noch ein Stück exklusiver geht es in der abseits gelegenen Tordrillo Lodge zu, die nur mit dem Buschflieger zu erreichen ist. Dort kann man bis weit in den Juni hinein Ski fahren und am Programm "Kings and Corn" teilnehmen: Vormittags und zur Mitternachtssonne wird bei bestem Firnschnee (corn) skigefahren, nachmittags fischen die Gäste Königslachse (kings).

Die gibt es dann abends zum Dinner. Der anfängliche Vorsatz, noch die eine oder andere Bar in Girdwood aufzusuchen - im Sitzmark soll eine tolle Band aus Kansas spielen - versickert mit Tausenden Höhenmetern in den Beinen zusehends. Beim Heliskiing gelten eben andere Prioritäten.

Brigitte von Imhof/SRT

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insgesamt 17 Beiträge
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1. Eine fantastische Natur...
BadTicket 09.11.2012
...sollte man nicht mir Heliskiing kaputt machen! Egal ob in Alaska, der Schweiz oder sonstwo, wer Heliskiing betreibt zerstört die Natur die er eigentlich erleben möchte. Es ist unglaublich dass es in der heutigen Zeit immer noch Menschen gibt die gnadenlos ihren Spass haben wollen und dabei mit Lärm die Ruhe zerstören, Energie verschwenden und die Umwelt verpesten. Besonders beschämend ist es, dass der Spiegel solche egoistischen Aktivitäten mit Artikeln unterstützt!
2. Verantwortungslos
lennoneales 09.11.2012
Manschen, die diesen "Sport" betreiben, fehlt jegliches Verantwortungs- und Umweltbewusstsein. Heliskiing ist der beste Ausdruck, dass es uns immer noch zu gut geht.
3. Immer diese selbstgerechten Moralapostel
ricardo.davinci 09.11.2012
Es ist schon immer wieder lustig, wie sich manche Leute hier aufspielen, ohne auch nur im Ansatz alle Parameter abzuwägen. Die "paar" Hubschrauberlüge belasten die Umwelt weit weniger als die Blech-CO² Lawine die sich jeden Winter durch die Alpen schlängelt; ich behaupte sogar, es ist vernachlässigbar. Alles andere an negativen Meinungen kommt nur von Leuten, die keine Ahnung haben, und das Gefühl beim Befahren eines unberührten Tiefschneehanges nicht kennen. Um es ganz eloquent nach Dieter Nuhr zu benennen: "Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Kresse halten".
4.
lennoneales 09.11.2012
Zitat von ricardo.davinciEs ist schon immer wieder lustig, wie sich manche Leute hier aufspielen, ohne auch nur im Ansatz alle Parameter abzuwägen. Die "paar" Hubschrauberlüge belasten die Umwelt weit weniger als die Blech-CO² Lawine die sich jeden Winter durch die Alpen schlängelt; ich behaupte sogar, es ist vernachlässigbar. Alles andere an negativen Meinungen kommt nur von Leuten, die keine Ahnung haben, und das Gefühl beim Befahren eines unberührten Tiefschneehanges nicht kennen. Um es ganz eloquent nach Dieter Nuhr zu benennen: "Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Kresse halten".
Die "paar" Hubschrauberflüge transportieren halt auch nur ein "paar" Hanseln. Die Blechlawine bringt Hundertausende Menschen in die Alpen, damit sie an ausgewiesenen und extra präparierten Berghängen ihrem Sport nachgehen und ansonsten die Natur in Ruhe lassen. Beim Heliskiing knattern ein paar Snobs in die unberührte Natur. Was für ein Fun. Nicht umsonst ist dieser Schwachsinn in den Alpen bis auf ein paar Ausnahmen verboten.
5. Ein toller Artikel
hergro 09.11.2012
Habe vor 5 Jahren eine Woche Heliskiing in Kanada gamacht und es war exakt so, wie in dem Artikel beschrieben. Ein traumhaftes Erlebnis und der schönste Urlaub den ich je erlebt habe. Die Neider, die hier posten, tun mir nur leid. Klar ist das teuer. Ich habe für dieses Erlebnis auch länger sparen müssen. Aber letztendlich kostet das auch nicht mehr als andere für Ihre Hobbys ausgeben. nehmen wir z.B. die Motorradfahrer. Kurven die ganze Saison am Wochenende "sinnlos" durch die Gegend und verballern in Summe deutlich mehr Geld und Sprit. Und das Land in kanada oder in Alaska ist so dünn besiedelt, dass hier die Natur wirklich nicht übermäßig belastet wird.
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