Urlaub im Westjordanland Das versteckte Hostel von Ramallah

Nach Palästina kommen nur wenige Touristen. Das wollen zwei Brüder aus Ramallah ändern. Sie betreiben ein Hostel in der Hauptstadt des Westjordanlandes. Doch ihre Gäste finden bei ihnen mehr als nur eine Herberge.

DPA

Ramallah - Wer in Muhab Alamis Hostel übernachten möchte, muss ein wenig suchen. Die Jugendherberge liegt in einer ruhigen Seitenstraße von Ramallah, der Hauptstadt des palästinensischen Westjordanlandes. Das Mehrparteienhaus, in dem sie untergebracht ist, ist von außen nichts Besonderes. Nur ein kleines Schild weist darauf hin, dass es hier ein Hostel gibt. Alami empfängt seine Gäste deshalb gerne schon auf der Straße.

"Die meisten Leute wissen nicht viel über Palästina. Ich will, dass Touristen hierherkommen und sich Ramallah anschauen", sagt er. Zusammen mit seinem Bruder Chris hat er die Jugendherberge im Sommer 2013 aufgemacht. Auf drei Wohnungen verteilt können hier insgesamt 30 Gäste in zwei Schlafsälen und drei Privatzimmern übernachten. In einer Wohnung befinden sich die Rezeption, eine große Küche und der Aufenthaltsraum mit einer Sitzecke.

Auf der Wohnzimmerwand hat sich ein Gast mit einem großen Segelschiff-Gemälde künstlerisch verewigt, die Wanddekoration in der Küche - blaue Schriftzeichen auf gelbem Grund - war die Idee der Brüder. "Wir dachten, die arabischen Buchstaben könnten eine Möglichkeit sein, unsere Kultur kennenzulernen", sagt Alami.

Knapp 9000 Touristen im vergangenen Jahr

Er will den Touristen - meist sind es Europäer und US-Amerikaner - sein Land zeigen. Die Jugendherberge ist für ihn nicht nur ein Geschäft, sondern auch eine Herzensangelegenheit. Auch die Touristen, die kommen, bringen eine besondere Neugierde mit - so wie Duncan Ayles.

Der Brite hat sich für zwei Nächte ins Hostel eingemietet. "Ich besuche Ramallah, um zu sehen, wie die Menschen hier leben und ob das Bild, das ich vom Westjordanland habe, stimmt." Der Städteplaner hat einige Tage in Israel verbracht und kam da erst auf die Idee, auch Ramallah zu besuchen. "Wenn es kein Hostel gegeben hätte, wäre ich wahrscheinlich nicht gekommen", sagt er. "In einer Jugendherberge kann man leichter Leute treffen und sich austauschen."

Noch kommen nur wenige Touristen her. Nur knapp 9000 haben im vergangenen Jahr die Touristeninformation in der 30.000-Einwohner-Stadt aufgesucht, um Hilfe bei der Suche nach Hotels gebeten oder nach Sehenswürdigkeiten gefragt. Nach den Plänen von Hamza Dalia, dem Direktor, werden es schon bald sehr viel mehr sein.

Wandertouren nach Jericho oder Nablus

Zusammen mit seinen Kollegen arbeitet er in einem gerade renovierten Haus in der Nähe der Altstadt. Seit drei Jahren gibt es hier eine Touristeninformation. "Der Tourismus ist wichtig für den wirtschaftlichen Aufschwung", sagt Dalia. Ramallah habe viel zu bieten: "Ein schönes Umland, viele Sehenswürdigkeiten, ein vibrierendes Nachtleben."

Die boomende Stadt gilt als die liberalste und offenste im Westjordanland. Hier brummt der Verkehr, fast täglich entstehen neue Gebäude, die Kultur- und Restaurantszene wird immer vielseitiger. Viele internationale Nichtregierungsorganisationen haben hier ihren Sitz, zudem ist Ramallah das Zentrum der palästinensischen Wirtschaft und Industrie. Ganz ungefährlich ist ein Aufenthalt in der Region aber nicht: Das Auswärtige Amt rät, ohne Ortskenntnis oder kundige Begleitung nur Teile des Westjordanlands zu bereisen.

Hostel-Besitzer Alami bietet samstags kostenlose Stadtführungen an, in der Hauptsaison organisiert er Wandertouren nach Jericho oder Nablus. "Dort kooperieren wir mit der Bevölkerung und essen zum Beispiel zu Hause bei einer palästinensischen Familie. Wir wollen den kulturellen Austausch pflegen."

Und er hofft auf neue Gäste: "Schon jetzt wollen auch viele aus Israel herkommen", sagt er. "Ich heiße sie herzlich willkommen, wenn sie sich das Westjordanland anschauen wollen." Noch ist das kompliziert: Israelis dürfen nur mit einer Sondergenehmigung ihrer Behörden nach Ramallah und in andere Städte des besetzten Westjordanlandes.

Elisa Makowski/dpa/emt

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