Gleich zwei Havarien seiner Luxusliner unter den Augen der Weltöffentlichkeit im Abstand von kaum sechs Wochen: Das ist unter PR-Gesichtspunkten ein Albtraum für den italienischen Konzern Costa Crociere SpA mit Sitz in Genua. Das "Concordia"-Unglück mit bis zu 32 Toten und die Panne auf der "Allegra" haben den Ruf der größten Kreuzfahrtgesellschaft Europas schwer beschädigt. Branchenkenner glauben indes nicht, dass der Imageschaden zwangsläufig den Todesstoß für Costa bedeutet.
Zu dem Konzern, der Teil der US-amerikanischen Unternehmensgruppe Carnival ist, gehören die Marken Costa Crociere, AIDA Kreuzfahrten und Iberocruceros. Schon nachdem die "Concordia" am 13. Januar vor der toskanischen Insel Giglio auf Grund lief, waren die Buchungszahlen bei Costa Crociere um schätzungsweise ein Drittel eingebrochen. Nachdem nun die "Allegra" nach einem Brand im Maschinenraum manövrierunfähig im Indischen Ozean trieb und in einen Hafen der Seychellen geschleppt werden musste, sieht die Zukunft für Costa noch schwieriger aus.
Ob sich das Unternehmen nach 60 Jahren im Geschäft weiter halten kann, könnte nach Einschätzung von Fachleuten davon abhängen, dass es seinen Namen ändert oder von der Mutter Carnival aus der Klemme geholt wird. Costa müsse eine Überarbeitung der Marke in Erwägung ziehen, glaubt die Touristikexpertin Magda Antonioli von der Mailänder Bocconi-Universität. "Natürlich sind die Bilder der zwei Unglücke um die Welt gegangen", gibt sie zu bedenken.
Doch auch der Fachautor Douglas Ward glaubt nicht an das Ende für Costa. Dauernd im Brennpunkt der Medien zu stehen, könne aber die Marke schwächen und möglicherweise zu einer Verkleinerung der Flotte führen.
30 Prozent Buchungsrückgang nach Schiffsunglück
Seit der Übernahme durch Carnival 2000 hat Costa die Zahl seiner Schiffe von fünf auf 14 fast verdreifacht. Der Umsatz stieg 2010 um zwölf Prozent auf 2,8 Milliarden Euro, die Passagierzahl um 18 Prozent auf 2,15 Millionen. Weltweit hat Costa einen Marktanteil von sieben Prozent, den größten der Carnival-Töchter. Zwei Schiffe sind zwar jetzt ausgefallen, doch noch vor der Sommersaison sollen zwei neue in Dienst gestellt werden, ein weiteres 2014.
Für die spürbarste Auswirkung hält Ward den Verlust der Arbeitsplätze auf den beiden Havaristen. Viele Beschäftigte stammen aus Entwicklungsländern und halten mit der Arbeit ihrer Familien über Wasser.
Der Verbandspräsident der italienischen Reiseveranstalter, Roberto Corbella, spricht von einem Buchungsrückgang bei Costa nach dem "Concordia"-Unglück um etwa 30 Prozent und nach der "Allegra"-Havarie nach ersten vorsichtigen Schätzungen um 22 bis 25 Prozent. Die tatsächliche Auswirkung auf die Buchungen im wichtigen ersten Quartal sei aber erst später abzusehen. "Wir haben gesehen, dass langjährige Kreuzfahrtgäste unbeeindruckt sind, sie lassen weiter reservieren. Es sind die Kreuzfahrt-Neulinge, die erst einmal abwarten, bis sie wieder mehr Vertrauen haben", sagt Corbella.
Die "Allegra" wurde am Donnerstag in den Hafen von Victoria auf den Seychellen geschleppt; die mehr als 600 Passagiere konnten an Land gehen und sollten nach Italien, Frankreich oder Deutschland ausgeflogen werden. "Sicher ist das alles unschön und hätte nicht passieren dürfen, aber alle Mann des Unternehmens bemühen sich, die Unannehmlichkeiten für die Passagiere so gering wie möglich zu halten", betont Corbella. "Meiner Ansicht nach kann die Marke weiter bestehen."
Colleen Barry, dapd
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Reise | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Fernweh | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH