Indonesiens Tempel: Riesenpuzzle aus Stein

Zwei der berühmtesten Tempel Indonesiens liegen nur wenige Kilometer auseinander: Viele Touristen besichtigen deshalb Borobodur und Prambanan in einem Rutsch. Der Aufpreis für Frühaufsteher lohnt sich - denn vor allem im Morgengrauen offenbart sich der wahre Zauber der Anlagen.

Indonesien: Tempelhopping auf Java Fotos
TMN

Mit der Einsendung erklärt der Absender, dass er die Rechte an den Fotos besitzt, mit der Veröffentlichung einverstanden ist und die Allgemeinen Nutzungsbedingungen akzeptiert.

* optional

Vielen Dank!
Ihr Tipp wurde gespeichert - in wenigen Minuten können Sie ihn auf der Karte sehen.

Tipp mitteilen

Facebook Twitter Tipp versenden
Beitrag melden

Begründen Sie knapp, warum es mit diesem Beitrag ein Problem gibt.

Hier geht's zur großen Reise-Weltkarte

Von Yogyakarta zu den Meisterleistungen alter Baukunst: Nur 20 und 40 Kilometer entfernt von der kulturell interessantesten Stadt auf der indonesischen Insel Java liegen gleich zwei der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten des Landes: die Tempel Borobodur und Prambanan.

Letzterer ist der Hindu-Gottheit Shiva gewidmet, Borobodur ist der größte buddhistische Tempel des Inselreiches. Beide gehören zum Weltkulturerbe der Unesco, beide sind Anziehungspunkte für Touristen, und beide sind damit wichtige Wirtschaftsfaktoren für die Region. Viele Besucher beginnen ihre Indonesien-Reise in Yogyakarta.

Der Weg führt meist zunächst zum Prambanan-Komplex. Dort fallen sofort die drei riesigen Türme des Lara-Jonggrang-Tempels ins Auge. Der höchste von ihnen misst 47 Meter, die Anlage entstand im 9. und 10. Jahrhundert. Mutmaßlich, so erklären die Archäologen, wurde die Anlage von einem König namens Dhaksa erbaut. Sie diente der Verehrung des Hindu-Gottes Shiva. Inzwischen sind mehr als 90 Prozent der Indonesier Muslime, damit zeugt der größte Shiva-Tempel des Landes von einem im Inselreich fast vollends untergegangenen Glauben.

Die Anlage ist als Viereck angelegt, umgeben von Mauern und vier großen Toren. Auf der höchsten der davon umschlossenen Terrassen liegen die drei hohen Tempel für Shiva, Vishnu und Brama. Auf einer etwas niedrigeren Ebene finden sich drei weitere, kleinere Tempel. Einige sind zugänglich, andere werden gerade restauriert - die Konservatoren sperren von Zeit zu Zeit jeweils andere Bereiche. Zahlreiche in den Stein getriebene Reliefs zeigen religiöse Szenen und Symbole.

Erinnerungsbild mit Schulklasse

Auf dem mehrere Hektar großen Gelände finden sich noch weitere Anlagen, Hauptattraktion für Touristen und die vielen Schulklassen ist aber Lara Jonggrang. Auf dessen steilen Treppenstufen werden die ausländischen Besucher immer wieder von den Einheimischen gebeten, für ein Handykamera-Foto zu posieren.

Mit dem Erhalt der Anlage haben die Experten viel zu tun, ausländische Fachleute helfen dabei. Der Boden wird auf seine Standfestigkeit und Zusammensetzung geprüft. Viele der Tempel und umliegenden Schreine lagen zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts in Trümmern, die ehemalige Kolonialmacht Niederlande begann um 1930 mit dem Wiederaufbau. Später half die Unesco. Seit 1951 ist die Hauptarbeit erledigt.

Vergilbte Schwarzweißbilder aus der Zeit davor zeigen ein wüstes Durcheinander der Gesteinsbrocken. In Sichtweite erhebt sich der Merapi, der zu den aktivsten der rund 35 Vulkane Javas gehört.

Nach der Rückkehr von dem Rundgang erwartet den Besucher vor dem Ausgang eine große Zahl von Souvenirläden. Dort wird wie so oft vieles feilgeboten, was weder mit dem Tempel noch mit der Region oder Java überhaupt zu tun hat. Billiger Plastikramsch überwiegt. Die kulinarische Versorgung der Besucher übernehmen unter anderem zahlreiche Fünf-Beine: So heißen die rollenden Verkaufsstände für allerlei Speisen - zwei Räder, die zwei Beine des Verkäufers und ein Ständer am Gefährt.

Fledermäuse als Begleitung

Bunte Regenschirme schützen vor der brennenden Sonne am Äquator. Besonders eindrucksvoll ist es, die dunklen Steine im Licht der untergehenden Sonne zu betrachten, was nur ein kleiner Teil der Besucher tut - zumeist sind es Ausländer, mit der Kamera im Anschlag.

Die Feuer des Mülls auf nahen Grundstücken und an der Straße brennen währenddessen mit schwarzer Rauchfahne. Der beißende Geruch kann damit auch das Vergnügen am Prambanan schmälern. Je tiefer die Sonne sinkt, umso intensiver erscheinen die Rottöne auf dem Gestein. Nach dem Untergang umschwirren Fledermäuse die Besucher auf ihrem Weg zum Ausgang. Gegen 18 Uhr ist es nach kurzer Dämmerung fast komplett dunkel.

Mitten in der Nacht fahren viele Touristen von Yogyakarta aus zum zweiten großen Tempel, dem Borobodur. Im Licht der gegen 5.45 Uhr aufgehenden Sonne ist der mächtige buddhistische Tempel mit seinen sieben pyramidenartig aufeinanderfolgenden Ebenen besonders eindrucksvoll.

Der für indonesische Verhältnisse extrem hohe Eintrittspreis von 180.000 Rupien (rund 13 Euro) berechtigt dazu, bereits in der Nacht mit der Taschenlampe zum Tempel zu gehen und auf den Stufen Platz zu nehmen, um den Sonnenaufgang zu betrachten. Über der langsam heller werdenden Ebene zu Füßen des Borobodur schält sich bald der Vulkan Merapi aus der Nacht.

Beste Bedingungen am frühen Morgen

Zugleich beginnt das Morgengebet der Muezzine. Ihre Lobpreisungen schallen bis zum Tempel hinauf. Für etwa anderthalb Stunden - von 4.30 Uhr bis 6 Uhr - kann man dem Anbruch des Tages zusehen. Erst danach kommt der Großteil der Besucher.

Das Bauwerk entstand zwischen den Jahren 778 und 850 unter der Sailendra-Dynastie. Um das Jahr 1000 bedeckte Vulkanasche den mehr als 35 Metern hohen, annähernd quadratischen Komplex mit einer Seitenlänge von rund 120 Metern. Rund 56.000 Kubikmeter Vulkangestein sind darin verbaut. Nach einer ersten Sanierung von 1907 bis 1911 musste der vom Einsturz bedrohte Tempel von 1973 bis 1983 in einem gigantischen Puzzlespiel auseinandergenommen und wieder zusammengefügt werden.

Es galt, rund eine Million Steine herauszunehmen, zu reinigen und wieder zusammenzufügen. Bei dieser Sisyphos-Arbeit wurden 29.000 Kubikmeter Gestein bewegt. Nicht an allen Stellen ist dies ohne Schäden gelungen.

Archäologen und Religionswissenschaftler haben geklärt, wie der Tempel genutzt wurde. 1460 Reliefs zeigen Szenen des täglichen Lebens und religiöse Handlungen. Der Tempel sollte demnach von seinem östlichen Tor aus betreten werden, um die drei untersten mit den Reliefs ausgestatteten Ebenen entgegen dem Uhrzeigersinn zu erkunden. Verlassen wird Borobodur dann auf der rechten Seite - dieser Weg wird als Pradaksina bezeichnet.

Die Szenen berichten vom täglichen Leben und der Verehrung der Gottheiten. Elefanten, Tiere, Menschen, Marktszenen - die Steinhauer haben dem Gestein vielfältige Gestalten abgerungen. Sie zu schützen, ist eine Aufgabe des Wachpersonals. Der Park ist in ein großes Gelände eingebettet, um die Besucherströme zu leiten. Morgens und abends sind die besten Besuchszeiten - weil dann die Reliefs gut zu sehen sind und die Sonne nicht zu sehr vom Himmel brennt und alles in gleißendes, fast schmerzend helles Licht taucht.

Thilo Resenhoeft/dpa/sto

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Reise
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Fernweh
RSS
alles zum Thema Indonesien-Reisen
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
NASA
Strandparadiese, Naturwunder, Bergketten - die schönsten Ferienziele der Welt wirken aus dem All noch phantastischer. Die Nasa hat Tausende Traum-Urlaubsziele fotografiert. Vielleicht auch Ihres: Testen Sie, ob Sie's wiedererkennen! !