Von Julia Stanek
Der Teufelspool in Sambia muss so etwas wie das Ur-Planschbecken unter den Infinity Pools gewesen sein. Hoch über den tosenden Victoria-Wasserfällen trauen sich Wagemutige bis an die Absturzkante, wo der Sambesi mehr als 100 Meter in die Tiefe rauscht. Im Internet kursieren Fotos und Videos von Badenden, die ihren Sprung in das natürliche Wasserloch, den "Devil's Pool", mit der Kamera festhalten: Rücklings liegen die Abenteuer-Touristen auf dem Vorsprung, Nebelschwaden ziehen vorüber, es wirkt, als würden sie sogleich ins Nichts fallen.
Was sich nach einer Mutprobe anhört, ist in Wahrheit gar nicht so gefährlich, zumindest nicht im Winter. In den Monaten September bis Dezember sind die Strömungen relativ harmlos, so dass sich unerschrockene Afrika-Urlauber in Bikini und Bade-Shorts bis an die Felskante herantrauen. Einen Adrenalin-Kick hat, wer sich nun vorstellt, der Stein würde plötzlich abbrechen. Lebensbedrohlich wird es, wenn das natürliche Badebecken stark geflutet ist - dann sollte man sich die Victoria-Wasserfälle keinesfalls aus dieser Perspektive ansehen.
Was die Natur in Sambia geformt hat, haben Hotels dutzendfach nachgeahmt. Sie geben ihren Gästen mit sogenannten Infinity Pools die Möglichkeit, dem Horizont entgegen zu schwimmen, ohne in Gefahr zu geraten. Infinity Pools (infinity heißt übersetzt Unendlichkeit) sind so gebaut sind, dass kein Beckenrand zu sehen ist. Das Wasser fließt in eine verborgene Überlaufrinne.
"Das Auffangbecken liegt tiefer als der Wasserspiegel", sagt Architekturhistorikerin Iris Meder. "So kommt man sich beim Schwimmen nicht eingepfercht vor wie in einer Badewanne." Meder hat für ihr Buch "Badefreuden" Pools in ganz Europa besucht und die Baustile von öffentlichen Schwimmhallen analysiert. "In den siebziger Jahren ist der Trend aufgekommen, das Wasser über den Beckenrand überschwappen zu lassen", sagt sie. In letzter Zeit würden zudem immer öfter Stahlbecken eingesetzt, die wirkten "leichter und entmaterialisierter als gekachelte Becken". Auf diese Weise fühle sich Schwimmen fast wie Schweben an.
"Die Endlosigkeit ist etwas Aufregendes", sagt Meder. Hotels zwischen Uruguay und Singapur setzen auf den pseudo-natürlichen Effekt - SPIEGEL ONLINE zeigt die schönsten Infinity Pools der Welt.
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