Israel auf eigene Faust: Im Sammeltaxi zu Jesus

2. Teil: Für jedes Wunder eine Kirche

Israel: Auf eigene Faust durchs Heilige Land
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Safed, die Hauptstadt Galiläas, ist berühmt für ihre Künstlerkolonie: Dort leben und arbeiten Maler und Kunsthandwerker aus unterschiedlichen Religionen zusammen und bieten in den engen Gassen ihre Produkte an. Nazareth, wo Jesus aufwuchs, ist für viele Pilger hingegen eine Enttäuschung. Die Stadt ist laut, hektisch und für die Touristenmassen eigentlich viel zu eng.

Hotels findet man im strukturschwachen Galiläa nur wenige. Aber von der Stadt Tiberias am See Genezareth aus lässt sich die Region in Tagesausflügen mit dem Auto gut erkunden. Auch der See selbst ist interessant: Rund um das Gewässer spielen viele der Erzählungen aus den Evangelien. Hier hat Jesus mit seinen Jüngern gewohnt, gelehrt und der Bibel zufolge auch zahlreiche Wunder vollbracht - an fast jedes davon erinnert eine Kirche.

Wer von Tiberias Richtung Süden fährt, erreicht nach zwei Stunden Fahrt durch das palästinensische Westjordanland schließlich Jerusalem, die von der Staatengemeinschaft nicht anerkannte Hauptstadt Israels. Keine andere Stadt auf der Erde hat eine so wechselvolle Geschichte und keine ist so sehr von der Religion durchdrungen. Mehrere Glaubensrichtungen erheben Anspruch auf Jerusalem und leben dort mit-, neben- und oft auch gegeneinander. An der Klagemauer beten die Juden, im Felsendom die Muslime und in der Grabeskirche die Christen.

Der Ruf des Muezzins vermischt sich mit dem Gebet der Juden und dem Klang einer Kirchenglocke. Innerhalb weniger Fußminuten kommt man von Einkaufsstraßen, in denen freizügig gekleidete Israelinnen flanieren, in ultraorthodoxe Viertel, in denen Touristinnen im schulterfreien Top mit faulem Obst beworfen werden.

Vom Ölberg zum tiefsten Punkt der Erde

Reisende müssen sich durch das Gewirr der Altstadt quetschen. Vor allem freitags, wenn Gläubige auf der Via Dolorosa den Weg Jesu vor seiner Kreuzigung ablaufen, ist fast kein Durchkommen mehr. Ruhiger geht es auf dem Ölberg zu. Von hier hat man einen grandiosen Blick über die Altstadt und den größten jüdischen Friedhof der Welt.

Von Jerusalem aus ist es nicht weit zu den Städten des Westjordanlandes. Die meisten Touristen machen höchstens einen Tagesausflug dorthin, kaum einer bleibt länger im palästinensischen Autonomiegebiet. Meterhohe Sicherheitsmauern umgeben Bethlehem und Ramallah, nur nach Jericho kommt man ohne aufwendige Kontrollen. Viele Individualtouristen schließen sich für einen Ausflug ins Westjordanland einer geführten Gruppe an. Viele Jerusalemer Hotels haben entsprechende Angebote.

Von Jerusalem aus führt auch eine Straße steil bergab durch die Judäische Wüste bis ans Tote Meer - 420 Meter unter dem Meeresspiegel liegt hier der tiefste Punkt auf dem Festland der Erde. Es ist ein unwirtlicher Ort. Im Sommerhalbjahr brennt die Sonne unbarmherzig. Trotzdem lässt sich kaum ein Tourist das Gefühl entgehen, wie schwerelos auf dem Salzwasser zu schweben.

Südlich des Meers beginnt die Wüste Negev, die mehr als die Hälfte der Landesfläche einnimmt. Zerklüftete Schluchten und tiefe Krater prägen die Landschaft. Aber es gibt auch einige grüne Oasen wie den Nationalpark Ein Avdat, in denen man wandern kann. Wer bis in die südlichste Landesspitze weiter fährt, erreicht den Badeort Eilat am Roten Meer. Hier kehrt man zurück zum Anfang der Reise: zu Strand, Meer und leichtem Leben.

Marc Herwig, dpa

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  • Datum: Mittwoch 08.09.2010 | 14:16 Uhr
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