Fotoprojekt am Istanbuler Flughafen 100 Gesichter aus 100 Ländern

Der Istanbuler Flughafen Atatürk ist einer der größten Europas. Tausende Passagiere aus verschiedensten Ländern landen hier täglich. Mustafa Çankaya fotografiert sie beim Warten - fast alle tun dabei dasselbe.

performansfoto / Mustafa Çankaya

Tausende Menschen aus unterschiedlichen Nationen sind täglich am Flughafen Atatürk in Istanbul auf der Durchreise. Sie landen, fliegen ab, steigen um, sitzen kaffeetrinkend an den Gates oder machen ein Nickerchen auf den Sitzbänken in der Wartehalle.

Und da gibt es noch diejenigen, die geschäftig durch die Terminals des größten Airports der Türkei eilen - jedoch selten von Reiselust getrieben sind: Flughafenmitarbeiter wie Mustafa Çankaya, ein Reservierungsmanager des Flughafenhotels. Während der Arbeit begegnet er täglich Menschen aus allen Teilen der Welt.

Weil der 40-Jährige in seiner Freizeit auch gerne fotografiert, hatte er im März eine Idee: "Leute, die von überall aus der Welt kommen, Gesichter aus unterschiedlichen Kulturen - das ist eine Schatzkiste für jeden Fotografen." Also habe er angefangen, die Passagiere am Flughafen zu fotografieren.

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22  Bilder
Flughafen Atatürk: Kaffee, schlafen, Handy - warten

Fast jeden Tag zieht Çankaya mit seiner Kamera los, läuft durch die Terminals und Wartebereiche an den Gates und spricht die Reisenden an. "Wenn ich jemanden sehe, der aussieht, als hätte er eine Nationalität, die ich noch nicht gesehen habe, frage ich ihn, ob ich ihn fotografieren darf", sagt er. Manchmal sei das gar nicht so leicht, denn nicht alle sprechen Englisch. Doch irgendwie könne man sich immer verständigen.

Çankaya macht immer jeweils zwei Fotos von einer Person: eines von der Situation, in der er sie angetroffen hat, und eine Nahaufnahme des Gesichts. 100 Menschen aus 100 unterschiedlichen Ländern will er insgesamt fotografieren. "Ich weiß, dass das schwierig werden wird, aber es ist nicht unmöglich", sagt er. 57 Länder hat er schon zusammen, also mehr als die Hälfte.

Auf Instagram postet er regelmäßig seine neuesten Fotos. Dort häufen sich nun Bilder von Menschen aus unterschiedlichen Nationen. Mali ist dabei, Usbekistan, Indien, Dänemark, Wales, Haiti, Afghanistan und Nigeria. In den Bildunterschriften kann man jeweils nachlesen, woher die Menschen kommen - und wohin sie reisen.

"Mit den meisten komme ich aber gar nicht ins Gespräch, denn sie sind ja nur auf der Durchreise und haben oft wenig Zeit", sagt Çankaya. Bei einigen habe er dann erst im Nachhinein beim Kontakt via Instagram herausgefunden, was sie etwa von Beruf sind. "Da waren Professoren, Fotografen und Direktoren dabei - und sogar eine Bodybuilderin, die schon an Wettbewerben teilgenommen hat", sagt er.

Und die häufigste Warteposition? "Viele essen oder trinken, schlafen oder arbeiten an ihrem Laptop", sagt Çankaya. "Die meisten aber haben den Blick auf ihre Smartphones gesenkt."

kry

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insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
raoul2 14.06.2018
1. Solche Foto-Reihen sind häufig sehr interessant
Schade nur, daß man als politisch denkender und handelnder Mensch in Zeiten des "Sultans" den Atatürk-Airport nur noch sehr selten besucht - wenn es sich partout nicht verhindern läßt. Wir haben uns jedenfalls schon seit den undemokratischen Vorgängen gegen Demonstanten am Taksim-Platz und vor allem seit der gegen jedes Menschenrecht verstoßenden Aktionen nach diesem angeblichen Putsch-Versuch davon abgesehen, über Atatürk zu fliegen. Fast jeder internationale TK-Flug ist durch weniger belastete Airlines zu ersetzen - und ein Urlaub im land des Recep Tayyip Erdoğan kommt sowieso nicht (mehr) in Frage.
nadennmallos 14.06.2018
2. Die Knipser haben es geschafft, nichtssagende ...
... Fotostrecken gespickt mit Bildern, die jeder der ab und an in einem Flughafen sitzt, liegt oder steht, bis zum Abwinken kennt. SPON nähert sich der Mehrzahl der youtube Beiträge. Gratulatioin.
batmanmk 14.06.2018
3. Grenzen des Wachstums
Der Flughafen von Istanbul ist mit mir neben seiner Größe auch wegen der hygienischen Verhältnisse dort stark aufgefallen, was natürlich den rapide steigenden Passagierzahlen geschuldet sein mag. Es ist ratsam immer einige Hygienetaschentücher dabeizuhaben oder vollen Impfschutz beim Hausarzt zu ordern.
loeweneule 14.06.2018
4.
Der Istanbuler Flughafen liegt in Europa.
depribär 14.06.2018
5.
Ich meide diesen Flughafen seit einigen Jahren. Man weiß ja nicht, ob man nicht einfach verhaftet wird und erst nach Monaten wieder raus kommt. Da sind mir die Bilder herzlich egal und ich hoffe, dass jeder Reisende heil von dort wegkommt.
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