Pilgerherbergen in Jerusalem "Was für ein Blick!"

Vor allem in der Osterzeit kann man in Jerusalem viel Geld für Übernachtungen ausgeben. Besondere Pilgerherbergen bieten hingegen erschwingliche Preise - und Authentizität.

Christoph Müller / K2 Werbeagentur Frankfurt

Aus Jerusalem berichtet Thore Schröder


Im Gewirr der Altstadtgassen Jerusalems, die nicht nur neben- sondern auch unter- und übereinander zu verlaufen scheinen, kann einem schon mal schwindelig werden. Die Enge und Orientierungslosigkeit, die ständigen Rufe der Teppich- und T-Shirt-Händler, der Saftpresser und Lastenschlepper. Der Muezzin, das Glockenläuten. Sprachwirrwarr. Dazu der religiöse Eifer und die Begeisterung, Anspannung bisweilen.

Doch auch hier gibt es Plätze zum Abschalten. Innerhalb und außerhalb der Altstadtmauern, meist an religiös-bedeutsamen Orten, liegen Pilgerherbergen, die im Gegensatz zu den meisten Kettenhotels unmittelbar in die Umgebung eingebettet sind - und damit in die Wirklichkeit von Jerusalem.

Das Kloster der Bridgettinen-Schwestern liegt auf dem Ölberg, unweit der Altstadt von Jerusalem. Schwester Jovana bringt frisch gebackene Croissants an den Tisch, der Kaffee dampft. Eine fünfköpfige Patchwork-Familie aus Münster sitzt im Frühstücksraum und beratschlagt über den Tagesplan.

Dabei haben sie keine Ahnung, dass eine echte Berühmtheit hinter ihnen sitzt: Michel Sabbah war der erste Palästinenser als Patriarch, 20 Jahre lang leitete der Mann aus Nazareth die Geschicke der hiesigen Katholiken.

Jetzt sitzt der 85-Jährige beim Café Latte und spricht über die Vorzüge seines Alterssitzes: "Wir sind hier nur einen Steinwurf vom Garten Gethsemane entfernt", sagt er. Man müsse sich doch bloß mal diese Aussicht vergegenwärtigen. "Schon Jesus und die Apostel haben von hier aus auf die Stadt geblickt", sagt er und zeigt nach Westen.

Hinter den Olivenbaumfeldern erhebt sich der Tempelberg im Morgenlicht, die Stadtmauer von Suleimann dem Prächtigen und der Felsendom Al-Aqsa. Sabbah hat Recht: Was für ein Blick.

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In den Siebzigerjahren als medizinisches Forschungszentrum erbaut, dient das Kloster der Bridgettinen-Schwestern schon seit 2006 als Herberge, eingerichtet auf Anweisung von Papst Johannes Paul II., heute geleitet von der 83-jährigen Schwester Teresa.

Reisende zahlen hier inklusive Frühstück 63 Euro für das Doppel- und 81 Euro für das Dreierzimmer. Bei den sonst durchaus horrenden Zimmerpreisen in Jerusalem ist das ein Schnäppchen.

"In der Stadt gibt es etwa 100 Hotels und 10.000 Zimmer, darunter alles von sehr klein und sehr einfach bis ultra-luxuriös", sagt Arie Sommer von der Tourismusbehörde. Die Pilgerherbergen seien sehr sauber und böten den besten Service für ihren Preis. "Das wichtigste ist aber natürlich, dass die Besucher dort gleich eine besondere Verbindung zu den verschiedenen christlichen Gemeinden und ihren Orten in der Stadt haben."

Auch Martin Grüger und seiner Familie ist die Gastfreundschaft besonders aufgefallen. "Die Schwestern bemühen sich so sehr um uns", sagt Grüger, der mit seinem Sohn, seiner Frau und deren zwei Töchtern angereist ist. "Wenn man mal nach etwas fragt, flitzt gleich eine Schwester los und holt es." Außerdem sei die Familie hier mitten in der Stadt und dennoch sei es absolut ruhig.

Rund 20 Gästehäuser dieser Art liegen in Jerusalem, zwischen Mittelmeer und Jordan sind es insgesamt 40. Der besondere Service und die günstigen Preise sind allen Pilgerunterkünften gemeinsam. Dazu der religiöse Rahmen, überall findet sich eine Kapelle und eine Bibliothek mit theologischen Büchern.

Die Zimmer bestechen mit außergewöhnlicher Reinlichkeit und Ordnung: kein Staubkorn, blütenweiße Wäsche und Handtücher, die in perfektem rechtem Winkel gefaltet sind. Bei den Bridgettinen gehören auch noch frische rosa Nelken auf dem Schreibtisch dazu.

Hier stellen wir sieben Pilgerherbergen in Jerusalem vor:

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