Rekord-Paddlerin Freya Hoffmeister "Der Orkan blies mich Richtung offenes Meer"

Es ist eine beinahe unglaubliche Rekordleistung: Freya Hoffmeister aus Husum hat innerhalb von vier Jahren Südamerika mit dem Kajak umpaddelt. Auf ihrer Route überstand sie Überfälle, Moskitoattacken und einen Orkan am Kap Hoorn.

Ein Interview von Stephan Orth

freyahoffmeister.com

Zur Person
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    Freya Hoffmeister, 50, gilt als die beste Kajakfahrerin der Welt, seit sie 2009 im Alleingang Australien umrundete (13.714 Kilometer). Eine noch erheblich längere Distanz (knapp 27.000 Kilometer) legte sie nun bei ihrer Reise um Südamerika zurück, die sie in vier Etappen bewältigte. Hoffmeister betreibt zwei Eisdielen in Husum und hat einen Sohn.
SPIEGEL ONLINE: Was tat am meisten weh, als Sie nach insgesamt 27.000 Kilometern auf dem Wasser in Buenos Aires ankamen?

Freya Hoffmeister: Zum Glück nicht viel, zumindest mein Körper nicht. Aber ich habe schon die eine oder andere Träne vergossen, weil ich es geschafft habe, das zu überleben. Ein argentinischer Freund von mir hatte weniger Glück, der ist bei den Staten Islands ertrunken, also auf dem gleichen Breitengrad wie Kap Hoorn. Am gleichen Tag, als ich auch dort unterwegs war und große Probleme mit dem Wetter hatte.

SPIEGEL ONLINE: Was ist dort passiert?

Hoffmeister: Auf der letzten Inselquerung zur Isla Hornos - neun Kilometer, die man normalerweise in zwei Stunden schafft - kam ich in einen Orkan. Der fing viel früher an und mit größerer Wucht, als vorhergesagt worden war. Gut einen Kilometer vor dem Ziel war der Wind zu stark, er blies mich mit 60 Knoten aus der Schneise in Richtung offenes Meer und hätte mich vermutlich bis in die Antarktis befördert. Ich bin umgekehrt und konnte mich gerade noch auf die Isla Deceit retten.

SPIEGEL ONLINE: Dort blieben Sie fünf Tage, flickten das Boot und fuhren dann bei ruhigerer See weiter. Wie motivieren Sie sich auf so einer Tour, immer weiterzumachen?

Hoffmeister: Ich wusste immer, dass ich ankommen will in Buenos Aires, habe das vor meinem geistigen Auge gesehen. Für mich gab es überhaupt keinen Zweifel: Wenn ich mich nicht irgendwo ernsthaft verletze, klappt das.

Die Route: 27.000 Kilometer in 850 Paddeltagen
SPIEGEL ONLINE

Die Route: 27.000 Kilometer in 850 Paddeltagen

SPIEGEL ONLINE: In Brasilien waren Sie einmal so angeschlagen, dass Sie früher als geplant eine Pause einlegten und nach Hause flogen, um Monate später zur nächsten Etappe zurückzukommen.

Hoffmeister: Ich war ausgelaugt von den schrecklichen Temperaturen. Wir Norddeutschen sind keine Hitzeleute. Ich hasse es, in der Hitze zu paddeln. Man bekommt Hautausschläge, die nicht verheilen, dazu kommen die ganzen Insektenbisse: Ich sah aus wie ein Streuselkuchen.

SPIEGEL ONLINE: Unangenehm waren beim Zelten in einsamen Gegenden manchmal auch menschliche Begegnungen.

Hoffmeister: In Venezuela sprangen einmal 15 junge Männer von einem Lkw und umstellten mich und mein Kajak. Die zogen vermutlich herum, um ihren Obolus von diversen Fischern einzutreiben. Ich bin ganz selbstbewusst aufgetreten, habe dem Anführer eine Autogrammkarte mit Infos über meine Reise in die Hand gedrückt. Dann sind die tatsächlich weitergezogen. In solchen Situationen war es ganz gut, kaum Spanisch zu können, da wird man schneller in Ruhe gelassen. Man muss ja im Zelt auch mal Erholung haben.

SPIEGEL ONLINE: Wovor haben Sie Angst?

Hoffmeister: Man kann sich darüber streiten, ob man das Angst oder Respekt nennt. Ich habe Respekt vor dem Wasser, vor brechenden Wellen. Die sollten einen möglichst nicht erfassen. Wenn es doch passiert, muss man sich reinschmeißen und abstützen und hoffen, dass man nicht umgeworfen und unter Wasser gedrückt wird.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben schon Australien umrundet per Kajak, nun Südamerika - wann geht es einmal um Afrika?

Hoffmeister: Nicht in diesem Leben und auch nicht im nächsten. Jetzt steht erst mal eine Vortragsreise an. Danach habe ich einige Pläne - ich bin noch nicht alt genug, um nur auf dem Sofa zu hocken.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie noch einen Südamerika-Urlaubstipp für unsere Leser?

Hoffmeister: Für was für eine Reise? Abenteuerurlaub? Strandurlaub? Es gibt verschiedene Ansichten, was Urlaub ist.

SPIEGEL ONLINE: Strandurlaub.

Hoffmeister: Strände habe ich nun wirklich genug kennengelernt. Aber: Wenn man jeden Tag Kaviar isst, schmeckt das auch nicht mehr. Die Strände in Brasilien waren die schönsten und sichersten. Wenn man schon unbedingt Strandurlaub machen will, dann vielleicht dort.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 45 Beiträge
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Seite 1
per.roentved 05.05.2015
1. Lasst die Abenteurer doch in Ruhe!
Ich verstehe immer diesen ganzen Bohei um diese "Survival" und "Abenteuer" Typen, die alleine in einer Nußschale die Weltmeere umkreisen und dabei allerlei erleben, fast ertrinken, fast verhungern, fast überfallen werden etc. pp. Das ist ja alles schön und gut, aber wen interessiert das? Wer sich freiwillig in Gefahr begibt, kann darin umkommen. Und dann sollen alle wieder ganz betroffen sein. Und wer sich quälen will/muß, soll das tun, aber ohne hinterher ein Buch oder eine Dokumentation darüber zu schreiben. Anders als noch vor 100 Jahren ergeben sich daraus nämlich null neue Erkenntnisse, wir wissen schon alles über alle Gegenden der Welt. Die x. 13jährige, die allein mit verbundenen Augen auf einem Tretboot den Atlantik überquert, interessiert keinen mehr. Wenn sie fas tun wollen, bitte sehr. Aber bitte verschont uns dann mit euren ganzen "Geschichten" später.
plue123 05.05.2015
2. Neid ist auch eine Form der Anerkennung
Zu meinen beiden Vorpostern fällt mir nicht mehr viel ein. Hier ich melde mich als jemand den solche Geschichten durchaus interessieren und hätte ich Zeit und das notwendige Geld würde ich so ein Abenteuer auch mal machen. Nur fehlt halt auch ein gewisses Maß an Überwindung und Überzeugung. Jetzt zu sagen, jemand habe seine beste Lebenszeit "verschwendet" ist doch einfach nur wieder das beste Zeichen für versteckten Neid. Neidisch, dass man sowas nicht selber mal gemacht hat als man es noch gekonnt hätte und nun ein recht nettes aber dennoch irgendwie nicht erfüllendes Leben gelebt hat. So kommt es zumindest rüber wenn ich mir die beiden Kommentare durchlese. Warum wird ein solcher Artikel überhaupt angeklickt wenn es doch so uninteressant ist?
hektor2 05.05.2015
3. Glückwunsch
Herzlichen Glückwunsch zu dieser großartigen Leistung, Frau Hoffmeister! Bitte lassen Sie sich Ihren Erfolg nicht von den ersten beiden Beiträgen vermiesen: Neid, Ignoranz und Bildungsferne sind halt schlechte Ratgeber. ;-)
ge1234 05.05.2015
4. Nun ja...
Zitat von per.roentvedIch verstehe immer diesen ganzen Bohei um diese "Survival" und "Abenteuer" Typen, die alleine in einer Nußschale die Weltmeere umkreisen und dabei allerlei erleben, fast ertrinken, fast verhungern, fast überfallen werden etc. pp. Das ist ja alles schön und gut, aber wen interessiert das? Wer sich freiwillig in Gefahr begibt, kann darin umkommen. Und dann sollen alle wieder ganz betroffen sein. Und wer sich quälen will/muß, soll das tun, aber ohne hinterher ein Buch oder eine Dokumentation darüber zu schreiben. Anders als noch vor 100 Jahren ergeben sich daraus nämlich null neue Erkenntnisse, wir wissen schon alles über alle Gegenden der Welt. Die x. 13jährige, die allein mit verbundenen Augen auf einem Tretboot den Atlantik überquert, interessiert keinen mehr. Wenn sie fas tun wollen, bitte sehr. Aber bitte verschont uns dann mit euren ganzen "Geschichten" später.
... immerhin so interessant für Sie, dass Sie nicht nur den Artikel gelesen, sondern sich sogar noch die Mühe gemacht haben, einen ewig langen, wenn auch ziemlich sinnentleerten, Kommentar zu schreiben.
felisconcolor 05.05.2015
5. Herzlichen Glückwunsch
zu dieser Leistung. Und geben sie nix auf die dummen Posts. Sie haben wenigstens einen inneren Schweinehund besiegt. Bei den anderen ist noch nicht ganz sicher ob... egal lassen wir das. Die graue Masse kann ihre Leistung eh nie nachvollziehen.
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