Napa Valley in Kalifornien: Amerikas Weinwunderland
Pokertische, Swimmingpools, Popkonzerte: Kalifornische Winzer bieten ihrer Kundschaft mehr als nur gute Weine. Ein bisschen Show und Extravaganz ist gut fürs Geschäft - als Großmeister darin erweist sich ein ehemaliger Hollywood-Regisseur.
Schon von weitem ist die rauchige Stimme Rod Stewarts zu hören. Sie dröhnt von einer Anhöhe, auf der ein Anwesen mit Spitztürmen thront. Es wirkt wie eine Kombination aus Trutzburg und Märchenschloss, mondän und extravagant.
In Geyserville in Kalifornien betreibt Francis Ford Coppola sein Weingut, an der Kulisse hat der Regisseur von "Apocalypse Now" und "Der Pate" nicht gespart. Der Weg vom Filmemacher zum Winzer war kurz und unbeschwerlich für Coppola: Wein zu erzeugen und Filme zu drehen, sagt er, seien "zwei sehr ähnliche Künste".
Hollywood ist nicht weit entfernt, die Handschrift des Meisters mit ausgeprägter Vorliebe für Effekte hat auch das Weingut geprägt: Seine Weine werden am Swimmingpool und am Liegestuhl zu Schmacht- und Schmuseballaden gereicht. Neben dem Pool verläuft eine Bocciabahn, im Restaurant gehen zügig Pasta, Pizza und Burger über den Tresen und natürlich die Weine des Hausherrn.
Beim Entwurf seines Weinguts orientierte sich Coppola am Vergnügungspark Tivoli in Kopenhagen. "Ich wollte ein Weinwunderland schaffen, einen Platz, an dem Alt und Jung die Liebe zum Leben zelebrieren können." Dabei zeigt sich der philanthropische Winzer durchaus geschäftstüchtig, sogar die Liegestühle am Pool vermietet er in der Sommersaison an Dauerkunden.
Poker beim Schwarzen Hengst
Bei Coppola wirkt vieles inszeniert, doch wenigstens die kalifornische Sonne ist echt, die ihr Bestes gibt. Manche halten diesen Weinpark für geschmacklosen Kitsch, andere dagegen für ein perfektes Event. Mit seinem Angebot steht der ehemalige Filmemacher aber längst nicht allein: In Kalifornien kann Wein weit mehr sein als ein Getränk, da gehört die Show mit dazu.
Das Weingut Black Stallion, ein ehemaliges Gestüt, das am Silverado Trail in Napa Valley liegt, bietet gleich ein ganzes Potpourri an Freizeitgimmicks an. Pferdekutschfahrten, Poker- und Billardtische, an einer Freiluftküche neben dem Swimmingpool wird Showkochen geboten. Das Versprechen ist so einfach wie eindeutig: Die Besucher sollen möglichst viel Spaß haben. Und wer tatsächlich wegen der Weine gekommen ist, kann die unter zwei Wasserfontänen auf der Terrasse verkosten. Inzwischen gilt Napa Valley als die beliebteste Touristenattraktion Kaliforniens nach Disneyland.
Kalifornische Winzer sind erfinderisch, wenn es darum geht, Kundschaft anzulocken: 50 Minuten von San Francisco entfernt im Livermore Valley hat die Familie Wente einen ausgewachsenen Golfplatz in ihre hügeligen Weinberge integriert. Er gilt als einer der schönsten und anspruchsvollsten in Nordkalifornien, entworfen hat ihn der australische Profigolfer Greg Norman. Wer will, kann auf dem Weingut Golf spielen und anschließend Hochzeit feiern.
Die Wente Vineyards haben sich aber auch als Konzertveranstalter einen Namen gemacht. Earth, Wind & Fire, Diana Krall oder Sheryl Crow sind hier schon aufgetreten. Winzer Eric Wente sagt dazu: "Wir sind auch ein Teil des Lifestyle-Geschäftes." Geächtet wird dafür in Kalifornien niemand. Wentes Großvater ist im 19. Jahrhundert aus Paderborn eingewandert, um im Livermore Valley Pferde zu züchten, jetzt arbeitet die Familie mit Erfolg im kalifornischen Wein-Showbusiness.
Birdwatching und Golfcarts
Der US-Bundesstaat ist ein Weinland der Extreme und Gegensätze, in dem nebeneinander harmoniert, was anderswo als unvereinbar gelten würde: Abseits der oberflächlich erscheinenden Showelemente denkt und arbeitet kaum eine Weinregion so umweltbewusst wie Kalifornien. "Sustainable Wine Growing" lautet die Zauberformel, seit 2003 orientiert sich die Vereinigung der Traubenerzeuger an einem Kodex für nachhaltigen Weinbau, der die natürlichen Ressourcen schonen soll.
Der Wasser- und Energieverbrauch ist drastisch reduziert worden. Die Winzer wirtschaften möglichst klimaneutral, um den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren. Abfallvermeidung und Recycling werden groß geschrieben, viele Winzer gewinnen Energie durch Solarkollektoren und Photovoltaikanlagen. Auch der Einsatz von Herbiziden und Pestiziden wird vermieden. "Früher haben wir in den Weinbergen viel zu viel Chemie gespritzt", sagt Eric Wente, "heute versuchen wir, Schädlinge auf natürliche Weise zu bekämpfen."
Die Bodenqualität hat sich dadurch stark verbessert. Statt schwerer Maschinen kommen wieder Pferde auf den Weinbergen zum Einsatz. Auch Schafe tummeln sich zwischen den Rebstöcken und betätigen sich als Unkrautvertilger. Während der Erntezeit versuchten die Winzer früher Vögelschwärme mit Propangas-Kanonen von den Trauben fern zu halten, inzwischen kreisen Falken über den Weinbergen.
Bei Wente Vineyards wurden Brachflächen eingerichtet, in denen sich seltene Vogelarten niedergelassen haben. Während am anderen Ende des Weinguts Golfcarts durch das Grün fahren und Busladungen neuer Weintouristen eintreffen, beobachten Birdwatcher stundenlang mit Ferngläsern diese seltenen Spezies: In Kalifornien sorgt selbst der Bioanbau für eine sehenswerte Show.
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