Kampot in Kambodscha Leben, wo der Pfeffer wächst

Ob rot oder weiß - Pfeffer aus Kampot gilt als das Gold von Kambodscha. Vorbei an grünen Feldern fährt man im Tuk-Tuk zu den Farmen. Eine wird von einem Iren betrieben. Früher war er Manager. Heute wohnt er dort, wo der Pfeffer wächst.

Michael Lenz

Von Michael Lenz


Hier ein Reisbauer aus Beton, dort eine riesige steinerne Durian-Frucht - die meisten westlichen Besucher dürften die vielen Denkmäler in der kambodschanischen Stadt Kampot kitschig finden. Doch die Statuen zeigen, wie stolz die Einheimischen auf ihre Stadt, auf die Fruchtbarkeit ihrer Heimat und ihre seit Generationen gepflegte bäuerliche Tradition sind.

Nur einem Produkt wurde erstaunlicherweise noch kein Denkmal gesetzt: dem Pfeffer. Dabei war der Kampot-Pfeffer für Khmer früher das, was für französische Gourmets der Champagner unter den Schaumweinen ist. Das war allerdings bevor der Vietnamkrieg auf Kambodscha übergriff und später die Roten Khmer die Macht übernahmen. Durch Krieg und Bürgerkrieg ging auch die Tradition des Pfefferanbaus in Kampot fast verloren.

Seit einigen Jahren ist der Kampot-Pfeffer wieder im Kommen. In den besseren Restaurants und Bars von Phnom Penh verführt die grüne Frucht Köche und Barkeeper gar schon zu neuen Kreationen, wie den Kampot-Pfeffer-Daiquiri auf der Cocktailkarte des Restaurants Romdeng, das sich auf Leckereien aus Kambodschas Regionen spezialisiert hat.

Die Pfefferfarmen sind eine Touristenattraktion

Für die Küstenstadt Kampot mit ihren schmucken, aber bereits sehr ramponierten französischen Kolonialhäusern sind die erst seit wenigen Jahren wieder betriebenen Pfefferfarmen eine touristische Attraktion.

Hinzufahren, wo der Pfeffer wächst, ist kein Problem. Jeder Tuk-Tuk-Fahrer am Ufer des breiten Kampot River hat pfeffrige Touren im Programm - vorbei an den kleinen Hotels, Cafés, Restaurants, und Kneipen der Stadt.

Fahrer Sokhon steht, wie am Abend zuvor vereinbart, Punkt neun Uhr mit seiner Motorradkutsche vor dem Hotel. Die Fahrt führt vorbei an besagten Denkmälern. Schon nach ein paar Minuten ist die Stadtgrenze erreicht, wo die asphaltierte Straße unversehens in eine Piste aus roter Erde übergeht.

Am frühen Morgen hatte es geregnet. Die Erde ist noch zu feucht, um von den vielen Autos, Mopeds und Lastkraftwagen als feiner, rötlicher Staub aufgewirbelt zu werden, der sich in Nase, Haaren, in Kleidung festkrallt. Dafür ist die Piste glitschig. So mancher Mopedfahrer rutscht aus und landet im Matsch. Auch das Tuk-Tuk kommt schon mal gefährlich ins Schlingern. Zum Glück erzählt Sokhon erst später, dass er auf einem Auge blind ist.

Ein Ire und ehemaliger Manager baut Pfeffer an

Das Grün der Reisfelder scheint in der nach dem Regen glasklaren Luft fast zu leuchten, die Silhouetten der Zuckerpalmen zeichnen sich scharf ab. Selbst das triste Braun der Salzfelder wirkt in diesem Licht freundlich.

Langsam tuckert die Motorradkutsche über sanft ansteigende, unbefestigte Wege hinauf in die Hügel. Vorbei an Häusern und Gehöften auf Stelzen, in deren Schatten Hunde liegen, weiße Zebu-Kühe dösen und Bauern ihrem Tagwerk nachgehen. Kinder winken und rufen. In einem von den Roten Khmer angelegten Stausee baden auch ein paar von ihnen, während es sich die Eltern an Imbissbuden gutgehen lassen.

Nach gut 45 Minuten ist das Ziel erreicht, die Starling-Pfeffer-Farm. Zwischen den hohen Türmen aus rotem Backstein, um die sich die sattgrünen Pfefferranken winden, lernen wir Jim Hanna und seine Frau Him Anna kennen, die Eigentümer.

"Eigentlich wollte ich hier nur ein Haus bauen, um mich von dem Stress in Phnom Penh zu erholen", erzählt der Ire Hanna, der seit vielen Jahren als Manager bei einem großen kambodschanischen Unternehmen arbeitet. "Meine Frau kam dann auf die Idee, Pfeffer anzubauen. Erst als Hobby, und jetzt als Geschäft. Ehrlich gesagt, meine Frau macht auch die ganze Arbeit." Das ist nur die halbe Wahrheit, denn Him Anna kümmert sich um den Verkauf des Pfeffers. "In den ersten Jahren haben wir nur ein paar Hundert Kilo verkauft. Jetzt sind es schon gut fünf Tonnen", sagt sie.

Schon Jackie Kennedy liebte die Region

Über die zunehmende Nachfrage nach Pfeffer aus Kampot freuen sich auch die anderen Pfefferfarmer der Region, die vor kurzem von der World Trade Organisation das Gütesiegel Geographical Indications (GI) erhalten hat. Demnach darf sich nur Pfeffer aus der Küstenprovinz Kampot-Pfeffer nennen, der seine außerordentliche Qualität den an Mineralien reichen Böden, der salzigen Luft und den regelmäßigen Regenfällen verdankt. Ngoung Lay, Sprecher der Kampot Pepper Association, sagt, dass sich zwischen 2012 und 2013 die Anbaufläche mehr als verdoppelt habe, von 20 auf 41 Hektar.

Das perfekte Kampot-Pfeffererlebnis genießt man am Besten in der Provinz Kampot selbst. "Der frische, natürliche Geschmack unseres grünen Pfeffers passt wegen seiner zitronigen Note am besten zu Fisch und Meeresfrüchten", sagt Him Anna und empfiehlt einen Ausflug zu den Seafood-Restaurants am Krabbenmarkt in Kampots Nachbarstädtchen Kep. Das freut Sokhon, der sich schnell als Chauffeur anbietet. "Ich habe auch ein Auto", sagt er und lacht.

Das 20 Kilometer entfernte Kep lockte in den ersten Jahren des postkolonialen Kambodscha selbst internationale Promis wie Jackie Kennedy an. Berühmt sind die schlichten Restaurants am Krabbenmarkt. Man sitzt und isst mit Blick auf das blaue Meer und bunte Fischerboote, vor sich ein kühles Anchor-Bier und eine Schüssel voll mit orange-roten, mit vielen grünen Pfefferrispen gedünsteten Garnelen. Dazu Reis und ein Schälchen süßer Chilisoße. Und das ist auch schon das ganze Rezept. Einfach und herrlich.

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insgesamt 5 Beiträge
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Holtorfer 10.10.2014
1. Keine Reisbauern
Autor/Fotograf Lenz hat sich bei einer der in der Tat kitschig anmutenden Statuen/Denkmäler (Foto 3 der Fotostrecke, auch Artikelanfang) geirrt: Die Szene zeigt keine Reisbauern sondern "Salz"-Bauern bei der Arbeit. Längs der Küste bei Kampot und Kep gibt es großflächige Salzfelder, aus denen Meersalz gewonnen wird. Ich war mehrmals in dieser Region und kenne besagtes "Kunstwerk" aus eigener Anschauung.
tomtomtofu 11.10.2014
2. aus meinen schlechten Urlaubsfotos....
....und der "Lektüre" des Lonely Planet mache ich mal schnell einen Artikel für SPON!
privado 12.10.2014
3. In Phnom Penh...
...kan man den frischen, grünen Kampot-Pfeffer auch in ausgewählten Supermärkten kaufen. Und er schmeckt wirklich fantastisch. So muss man als "Standardtourist" nicht die weite Reise nach Kampot antreten, um in den Genuss dieses hervorragenden Pfeffers zu kommen.
fhain_er 12.10.2014
4. Direkt von den Bauern...
und fair gehandelt gibt es diesen tollen Pfeffer übrigens online bei purepepper. Da beziehe ich ihn und schwöre darauf.
Tobi_as 03.02.2016
5. Deutscher Händler mit eigener Farm
Hallo zusammen ich habe vor kurzem Kampot Pfeffer bei The Pepper Hill gekauft, die haben eine eigene Farm in Kambodscha und produzieren nach eignen Angaben fair und nachhaltig.Hier der Link - http://thepepperhill.com/
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