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Skifahren in Kanada: Red Mountain, das Puder-Paradies

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Mit Red Mountain versteckt sich tief im Süden der kanadischen Rockies eines der besten Tree-Skiing-Reviere der Welt. Steilhangartisten und Freerider sind hier im Pulverschnee perfekt aufgehoben.

Red Mountain: Viel Schnee und Vielfraß Fotos
Red Mountain Resort/ MARK SHAPIRO

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Mike Ramsey, ein bulliger Kanadier mit geröteter Nase, warnt Skifahrer schon bei der ersten Liftfahrt: Hoch über der Talstation des Red Resort, direkt unter dem Gipfel des Granite Mountains, den die Einheimischen wegen der aufgepflanzten Sendemasten nur "Microwave Mountain" nennen, treibt der Vielfraß sein Unwesen.

Selbst Wölfe und Bären machen einen großen Bogen um das pelzige, dachsartige Tier, das im Fall einer Ruhestörung gnadenlos zuschnappt und Eindringlingen seine Zahnreihen tief ins Fleisch rammt. Doch es hilft nichts: Steilhangartisten und Freerider müssen sein Revier queren, wenn sie im metertiefen Pulverschnee des Red-Mountain-Skigebiets abfahren wollen.

Race-Carver kennt man hier nur vom Hörensagen, stattdessen dominieren fette Powderlatten das Bild. Deren Besitzer jagen meist mit einem Grinsen auf dem Gesicht durch die tief verschneiten Wälder am Berg - für das "Tree Skiing", wie es hier genannt wird, gibt es keinen besseren Ort als Red Mountain.

Schon seit Jahren wählen nordamerikanische Ski-Experten das Gebiet im Süden der kanadischen Provinz British Columbia, zwischen den Bergketten der Selkirks und der Monashees, immer wieder zu einem ihrer Geheimfavoriten. In Europa hingegen ist Red Mountain weitgehend unbekannt - trotz der Top-Schneebedingungen und Geländeformationen, von denen jeder Freerider träumt.

Für Freerider und Leute, "die ihre Ruhe haben wollen"

Vielleicht liegt es daran, dass das Skigebiet mit sechs Sessel- und Schleppliften aus europäischer Sicht eher etwas mickrig daherkommt. Nur Eingeweihte wissen: Von den kegelförmigen Berggipfeln über der ehemaligen Goldgräberstadt Rossland ziehen sich Dutzende von Traumpisten, Steilrinnen und Tiefschneehängen in alle Himmelsrichtungen gen Tal.

"Red Mountain ist ideal für mittelgute Skifahrer, die ihr Können auf anspruchsvollen Abfahrten ausbauen wollen", sagt Mike Ramsey. Der Pensionär kümmert sich ehrenamtlich um neue Gäste. "Außerdem fühlen sich hier vor allem Freerider und Leute wohl, die ihre Ruhe haben wollen." Höchstens 1000 bis 1200 Leute halten sich pro Tag im Skigebiet auf, darunter viele Einheimische. Internationale Gäste dürfen eine lange Anreise nicht scheuen: Vom Flughafen Calgary braucht man zehn Autostunden ins Red Mountain Resort. Selbst vom Regionalflughafen Kelowna sind es immer noch vier.

Die Bergregion rund um Rossland ist ehemaliges Minengelände. Die Schornsteine des Hüttenwerks im nahen Trail, wo bis heute Zink und Blei eingeschmolzen werde, kann man von den Gipfeln des Skigebiets aus erspähen - eine eigentümliche Mischung aus naturbelassener Idylle und industrieller Kulisse.

In Trail wurde ab 1943 unter höchster Geheimhaltung schweres Wasser für die Atombomben des "Manhattan Project" hergestellt. 1947 entstand der erste Sessellift am Red Mountain, knapp 20 Jahre später folgte die Erschließung des Granite Mountain. Lange wurde das Gebiet vom örtlichen Skiclub betrieben, bis US-Investoren schließlich übernahmen. Deren Geld floss über die vergangenen Jahre vor allem in den Bau komfortabler Unterkünfte. Nach und nach werden nun auch die klapprigen Lifte durch moderne Anlagen ersetzt.

Steile Waldschneisen und sanfter geneigte Alternativen

Im Büro von Jim Greene, dem Immobilienmanager des Skigebiets, wärmt sich Bert Astl auf. Der Bayer ist ein Kenner der Bergwelt von British Columbia: Als Statthalter des deutschen Reiseveranstalters Stumböck ist er ständig unterwegs, um neue Destinationen zu finden und Dienstleister zu testen. Gerade verhandelt er mit Greene über die Konditionen für die Unterbringung deutscher Besucher. "Red Mountain ist nicht nur wegen der Catskiing-Möglichkeiten in der Umgebung und den neuen Lodges direkt an der Piste interessant, sondern auch wegen des Ausbaus im Skigebiet", begründet Astl sein Interesse.

Zum Start der aktuellen Skisaison integrierte man auch den Grey Mountain. Um vier Quadratkilometer wuchs die Fläche des Red Mountain Resort mit der Erschließung an, 20 neue Abfahrten führen ins Tal, darunter steile Waldschneisen, aber auch sanfter geneigte Alternativen. So können sich nicht nur Cracks, sondern auch gemütlichere Geländeliebhaber austoben - und sich zwischendurch in einer der zahlreichen in den Wäldern verstreuten Hütten aufwärmen.

Die wohl gemütlichste Baude im ganzen Skigebiet schmiegt sich wie ein Hexenhäuschen an die Gipfelkuppe des Granite Mountain. Nur auf Anfrage befeuern Monique Prank und Bill Blackburn, ein gutgelaunter Zeitgenosse mit Fleece-Mütze, rosigen Wangen und Obelix-Figur, den Herd im "Start Shack". Hier, beim Essen im Warmen, wandern die Gedanken noch mal zu dem Vielfraß, der draußen in den schneebedeckten Wäldern haust. Doch die Urlauber von Red Mountain haben Glück: Der Hüter des Reviers hält einen ausgiebigen Winterschlaf.

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1. Schade,
leserpost 18.02.2014
dass heuer ungeachtet der Negativeinwirkungen auf natürliche Ressourcen freimütig über "tree-skiing" u.a. Freuden abseits befestigter Skipisten berichtet, ja, dafür geworben wird. Wäre m.E. auch okay, wenn man das Baumtriebe gefährdende und Erosion fördernde Fahren nicht noch promoten würde.
2. Was darf man eigentlich noch?
cor 18.02.2014
Zitat von leserpostdass heuer ungeachtet der Negativeinwirkungen auf natürliche Ressourcen freimütig über "tree-skiing" u.a. Freuden abseits befestigter Skipisten berichtet, ja, dafür geworben wird. Wäre m.E. auch okay, wenn man das Baumtriebe gefährdende und Erosion fördernde Fahren nicht noch promoten würde.
Klar, und am Ende darf man überhaupt kein Spass mehr in den Bergen haben. "Treeskiing" und freeriden gehören wohl noch zu den umweltfreundlichsten Wintersportarten. Besser als der Massen-Skizirkus, der zB in Östterreich betrieben wird. Weder machen hier Pistenraupen alles platt noch wird hier grossartig künstlich beschneit.
3. Nicht der Rede wert
steepndeep 18.02.2014
was hier leider nicht beschrieben wird sind die "lowlights" des Gebiets...ewige Schlangen beim Mittagessen, ganz geschweige von viel zu wenig Infrastruktur am Berg, Powder-Dumps die 15cm meist nie übersteigen weil es aufgrund einer fehlenden alpinen Bergkette keine Staulagen gibt...eine Toilette die einem Plumpsklo gleicht (an guten Tagen), keine gewlzten Abfahrten, keine alpine Kulisse sondern nette Hügel und eine (wie im Artikel schon beschriebene) ewige Anreise,egal woher man kommt. Fliegt man zu einem nah gelegenen Flughafen (Castlegar), auch "Cancelgar" genannt, so kann man meist nicht landen weil der Flughafen im nebligen Columbia River Valley liegt. Also, SZ, bitte zukünftig beide Seiten beschatten bevor man die Leute auf eine Abenteuerreise zum tree-skiing nach Kanada schickt. Red ist gut aber nicht annähernd so abwechslungsreich wie andere Gebiete...
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