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10. Januar 2013, 08:34 Uhr

Privatstrände der Kreuzfahrtreedereien

Mein Schiff, meine Insel, mein Sand

In der Karibik und auf den Bahamas hat fast jeder der großen Kreuzfahrtanbieter seine eigene Insel. Für den Zeitraum ihres Aufenthalts können sich die Passagiere wie Entdecker fühlen - echte Einsamkeit sollte man allerdings nicht erwarten.

Filmpirat Johnny Depp hat eine, Popstar Shakira ebenfalls und auch David Copperfield zieht sich gerne mal zum Auspannen auf seine eigene Insel auf den Bahamas zurück. Palmen, weiße Strände und kitschblaue Lagunen - wer eine der unzähligen kleinen Inseln der Bahamas besitzt, der hat es wirklich geschafft.

Aber man muss kein Millionär sein, um sich auf einer Privatinsel die karibische Sonne auf den Rücken brennen zu lassen. Zahlreiche Reedereien verfügen über eigene Privatinseln auf den Bahamas oder in der Karibik. Angereichert mit Piraten- oder Schmuggler-Mythen und ein wenig echter Historie zählen sie zu den beliebtesten Zielen der Kreuzfahrtgäste.

Am Strand faulenzen, baden, zwischen Korallenriffen mit exotischen Fischen schnorcheln, so stellt man sich eine Karibikkreuzfahrt vor. Doch dann gibt es bei jedem Landgang so viel zu erleben, dass für Strand kaum Zeit bleibt: Maya-Ruinen und Rumfabriken, Bootsausflüge zu Naturwundern oder zum Hochseeangeln und natürlich jede Menge Duty-Free-Shopping.

Erst wenn das Kreuzfahrtschiff vor einer Privatinsel vor Anker geht, gibt es keine Ablenkung mehr. Dieser Tag ist ganz allein zum Ausspannen da: zum Baden an den weißen Pulversand-Stränden, zum Probieren der Cocktails an der Strandbar, zum Schnorcheln an den Korallenriffen und natürlich für ein Barbecue unter Palmen.

Strandparadiese und Piratenverstecke

Deshalb ähneln sich diese Privatinseln auf den ersten Blick auch ziemlich. Da gibt es stets Badelagunen, Wasserspielplätze und betreute Bereiche für Kinder, ruhige Strände exklusiv für Erwachsene und viel Wassersport, dazu ein wenig Souvenir-Shopping. Groß in Mode ist seit einer Weile auch das Schnorcheln mit erstaunlich friedfertigen Stachelrochen. Darüber hinaus hat aber jede Insel auch ihre eigene Note.

Eine Mischung aus Karibik-Piraten-Romantik und Strandparadies bietet Castaway Cay. Dort hat Disney mit der ganzen Erfahrung eines Entertainmentkonzerns eine bis ins letzte Detail durchdachte Spaßinsel geschaffen. Unter anderem wurden dort auch Szenen des Kinohits "Splash" mit Tom Hanks und Daryll Hannah gedreht.

Mit viel Historie kann Great Stirrup Cay der Norwegian Cruise Line aufwarten, auch wenn die meisten Kreuzfahrer einfach die Strände genießen. Als Trendsetter hatte die Reederei das Eiland 1977 gekauft, das in der Geschichte schon als Piratenversteck, militärischer Horchposten und seit dem 19. Jahrhundert als wichtiger Leuchtturmstandort diente.

Rodeln, schnorcheln, reiten

Princess Cays, die Privatstrände von Princess Cruises, liegen an der Südspitze von Eleuthera und damit ausnahmsweise auf einer bewohnten Insel. Der Name ist eine Abwandlung des griechischen Wortes für "Freiheit", er stammt aus dem Jahr 1648 und geht auf Captain William Sayles zurück. Dieser siedelte sich hier damals mit einer Gruppe englischer Puritaner an, um den religiösen Zwängen auf den britischen Bermudas zu entkommen.

Einen großen Privatstrand auf Haiti besitzen Royal Caribbean, Celebrity Cruises und Azamara. Die Labadee-Bucht bietet die meiste Action aller Privatstrände: Dort gibt es Seilbahnrutsche und Sommerrodelbahn, Wasserrutschen und Ausflüge mit dem Rennboot sowie viel Wassersport. Die Bahamas-Insel Coco Cay, ebenfalls im Besitz von Royal Caribbean, setzt dagegen mehr auf Baden, Schorcheln und Entspannung.

Die romantische Seite einer Privatinsel können die Gäste auf Half Moon Cay erleben, das von Holland America Line, Cunard, Carnival und Seabourn angelaufen wird. Dort gibt es sogar eine Hochzeitskapelle und - einzigartig - Reitpferde für Ausritte am Strand.

Badetuch und Liegestuhl warten schon

Keine eigenen Inseln haben die beiden großen italienischen Reedereien: MSC nutzt als Gast gelegentlich Great Stirrup Cay und Coco Cay mit. Costa ankert vor einem ruhigen Privatstrand auf Catalina Island in der Dominikanischen Republik. Die deutsche "Mein Schiff" steuert selbst keine Privatstrände in der Karibik an. Sie bietet aber einen zusätzlich buchbaren Ausflug nach Prickly Pear Island an, die dann zeitweise exklusiv den Kreuzfahrtgästen zur Verfügung steht.

Bis auf Disneys Castaway Cay und Royal Caribbeans Privatstrand Labadee auf Haiti gibt es auf den Inseln übrigens keine Piere. Ganz traditionell wird der Anker geworfen, die Passagiere schaukeln mit kleinen Tenderbooten an Land.

Bis zum Strand sind es dann nur noch ein paar Meter, Badetuch und Liegestuhl warten schon. Reisepass und Kleingeld kann man auf dem Schiff lassen, stattdessen kommt die Rechnung später: Was man auf der Insel separat bezahlt, Cocktails, Souvenirs, Wassersport, wird vom Bordkonto abgebucht.

Franz Neumeer/SRT/sto

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