Karibikinsel Dominica: Alles irie!

Von Martin Cyris

Planschen inmitten üppigster Vegetation: Dominica besitzt zwar nicht die schönsten Strände der Karibik, dafür aber jede Menge natürliche Mineralwasserpools und Flussbadewannen. Ein Schwefel-Spa verspricht hier seinen Gästen neben Gesundheit sogar Liebe und Frieden.

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Dominica: Schwefel-Wellness auf der grünen Insel
Zuerst ist ein Fuß zu sehen. Dann die Wade. Es folgt ein bunter Wickelrock, der über Beine und Hüfte geschlungen ist. Schließlich schlüpft ein geschmeidiger Rücken, an dem kein Gramm Fett zu viel hängt, durch die Dachluke. Und zu guter Letzt blitzt ein schneeweißes, makelloses Gebiss auf, das durch ein herzliches Lächeln sichtbar wird. Es gehört Screw, dem Besitzer von Screw's Sulphur Spa.

Jeden Morgen steigt er durch eine Dachluke über eine klapprige Holzleiter aus seinem Baumhausloft herab. Die luftige Bleibe befindet sich direkt über der Bar seines Schwefelbades in Wotten Waven, einem Dorf im grünen Landesinneren des Karibikstaates Dominica. Die Theke ist gleichzeitig Kasse und Ausschank für durstige Badegäste.

Dominica ist ein Vegetationswunder. Die Insel der Kleinen Antillen ist derart üppig bewachsen, als wolle sie den Beweis liefern, dass grüner als grün sehr wohl möglich ist. Es sprießt und wuchert an allen Ecken und Enden. Uralte, riesige Bäume, meterhohe Farne, wilde Orchideen, und noch viel mehr. Auch Obst und Gemüse gibt es in Hülle und Fülle. Die natürliche Tafel Dominicas stellt in Sachen Vielfalt jeden deutschen Großmarkt in den Schatten.

Grund für die Fruchtbarkeit sind neben den konstant tropischen Temperaturen für die Karibik auch relativ hohe Niederschlagsmengen. In einigen Teilen der Insel regnet es regelmäßig. Etwa in den Wäldern und Bergen der Nationalparks. Deshalb gibt es auf Dominica auch eine Unmenge an Flüssen, Bächen und tosenden Wasserfällen.

Bräunlich-oranges Badewasser

Ganz ruhig plätschert es in Screw's Sulphur Spa dahin. Mit Rohren und kleinen Holzkanälen Marke Eigenbau werden die Becken mit Wasser aus den heißen Quellen gefüllt. Doch stille Wasser ruhen bekanntlich tief. Mit anderen Worten: Die Quelle hat es in sich. Zum Beispiel Zink, Eisen, Natrium, Magnesium, Kalium, Mangan und Schwefel. Viel Schwefel - weshalb das Badewasser bräunlich-orange gefärbt ist.

"Sulphur is orange not dirty." Ein handgemaltes Schild beschwichtigt Besucher, die angesichts des trüben Mineralwassers unhygienische Verhältnisse in den Pools vermuten und gleich wieder kehrtmachen wollen. Hinzu kommt, dass Schwefel eben so riecht, wie er riecht. Nicht unbedingt nach wilden Orchideen. Immerhin, das schwefeltypische Faule-Eier-Odeur dringt in den Quellen von Wotten Waven nur schwach durch.

"Nicht alles, was gesund ist, sieht auch so aus", sagt Screw und grinst. Er klettert über ein Regal mit Cola- und Rumflaschen, vorbei an einem Gemälde mit dem Konterfei von Bob Marley. Die Reggae-Legende erfährt auch auf Dominica gottähnliche Verehrung. Dann läuft Screw unter einem weiteren Schild vorbei, das sich auf ihn bezieht: "Irie Man". Auf Kreolisch bedeutet irie so viel wie glücklich, fröhlich, frei. Vermutlich in dieser Gemütslage nimmt Screw dann sein tägliches Bad im etwa 40 Grad warmen Schwefelwasser. Begleitet von meditativer Musik aus Lautsprechern.

Paradies mit Piepmätzen

Hier und da wird das esoterische Plingplangplong-Gedudel unterbrochen - vom Geschrei eines Papageis oder dem aufgeregten Balzgezwitscher eines tropischen Piepmatzes. Flüchtige Dämpfe wabern wie Morgendunst über der terassenartigen Anlage. Alles in paradiesischer Ordnung also.

Doch kein Paradies ohne Vertreibung: In Screw's Sulphur Spa trifft es Körpergifte, Schlacken, Bakterien und Pilze. Deshalb wirkt sich das trübe Mineralwasser positiv auf den gesamten Organismus aus. "Das Wasser macht schön", sagt Screw, "es macht dich glücklich und zufrieden und schenkt dir inneren Frieden." Wellness kann so simpel sein.

"Wie heißt das? Wellness?" Von diesem Begriff hat Screw noch nie gehört. Erklärungsversuche werden von ihm mit einem Stirnrunzeln quittiert. Wieso sollte man etwas so Einfaches, Naturgegebenes wie entspanntes Mineralwasserplanschen auch mit Kunstbegriffen aus der westlichen Zivilisation belegen? Zumal easy going und Gelassenheit auf Dominica ganz selbstverständlich sind. Dazu braucht es kein Marketing. Eine einzige, selbstgepinselte Werbetafel lockt mit zwei schlichten Begriffen in das Spa: "Mud Wrap", Schlammpackung.

"Wer zu mir kommen will, findet mich auch ohne Werbung", sagt Screw. Badegäste sind vor allem Einheimische. Noch sind es wenige Touristen, die den Weg in die natürlichen Wohlfühltempel von Wotten Waven finden. So artet das Ganze immerhin nicht als Bad in der Menge aus. Ausnahmen sind monatliche Vollmondpartys, bei denen Screws Reggae-Freunde aus der ganzen Region vorbeikommen.

Ausländische Besucher tauchen bislang eher im Meer ab: Wegen der Unversehrtheit der Unterwasserparadiese vor Dominica sind die Tauchspots ein Tipp in der Szene. Auch für Wanderer ist viel geboten. Viele verschlungene Pfade führen in die dichten Regenwälder. Obwohl Dominica relativ klein ist - nur knapp so groß wie Hamburg - gibt es drei Nationalparks. Einen davon, den Morne-Trois-Pitons-Nationalpark, hat die Unesco zum Weltnaturerbe erklärt.

Schwimmen zwischen Farnen

In den grünen Hügeln und Bergen kommen Wanderer immer wieder an Wasserfällen und Flüssen vorbei. An vielen Stellen bilden sich natürliche Badewannen. Durch die Unberührtheit der Natur ergeben sich unvergleichlich idyllische Kulissen für eine Erfrischung.

Beliebt als Badeplätze sind zum Beispiel die Trafalgar Falls oder der Emerald Pool, der zwischen Lianen, Farnen und Amaryllisgewächsen zum Schwimmen einlädt. Froschkonzert gibt's mit etwas Glück gratis dazu: Das mountain chicken quakt voller Inbrunst. Seinen kuriosen Beinamen bekam der Antillen-Ochsenfrosch wegen seiner wohlschmeckenden Schenkel. Mittlerweile ist die Spezies geschützt. Auf Dominica kursiert deshalb ein Witz, wonach nur noch plattgefahrene Tiere verspeist werden dürfen - als Chicken Burger.

Viele Touren auf Dominica sollten übrigens nur mit einem Führer unternommen werden - wegen der schlechten Ausschilderung. Oft fehlen die Tafeln völlig. Immerhin, in Wotten Waven helfen sich die Menschen mit selbstgezimmerten Wegweisern.

Als Screw sein Spa vor wenigen Jahren eröffnete, weilte gerade die Filmcrew von "Fluch der Karibik" auf Dominica. Den inoffiziell größten Segen der Karibik haben Johnny Depp und Co. freilich verpasst: einen Besuch im Schwefel-Spa.

Doch Promiklatsch entlockt Screw höchstens ein Grinsen. "Hier ist jeder wichtig", sagt er. Weshalb alle Gäste nach dem Bad mit einem Obstkorb beglückt werden. Orangen, Kiwi, Bananen, Kokosschnitze - alles frisch von der Insel. Und mit Hingabe serviert, wie ein Pappaufsteller erklärt: "Ausgewählte Früchte als Geschenk von Liebe und Frieden - überreicht von Screw" steht darauf. Spätestens jetzt fühlt man sich wie in Abrahams Schoß. Denn das Baden im Schwefelwasser macht nicht nur friedlich und rammdösig. Es macht auch irie. Irgendwie.

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DPA / SPIEGEL ONLINE
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