Karibikinsel St. Lucia Tausend Meilen Aquamarin

Ole Helmhausen

Von Ole Helmhausen

2. Teil: Reggae und Chak-Chaks - der Sound der Insel


Frangipani, Bougainvilleen, Orchideen, Poinciana, Jasmin, Hibiscus: Sie versöhnt, die tropische Wucher-Flora. Taxifahrer David gibt Gas. Schneller als 50, 60 km/h geht es zwar nie. Doch in dieser Inselwelt, wo menschliche Behausungen jeden horizontalen Quadratmeter beschlagnahmt haben und Autos deshalb haarscharf an Kindern vorbeirasen, die seelenruhig am Straßenrand spielen, sind das gefühlte 90.

Eindrücke von der farbenfrohen Vielfalt des Insellebens rasen am Autofenster vorbei. Schwarze und braune Menschen, mal schmutzstarrend in Bananen- oder Zuckerrohrfeldern, mal fein herausgeputzt an Bushaltestellen. Hähne jagen Hennen, streunende Hunde beißen Ziegen. Reggae dröhnt aus Lautsprechern, volles Rohr, woanders lärmen Chak-Chak-Rasseln. Musik ist überall, auch in Ortsnamen wie Latisab, Micoud, Laborie, Anse Lavoutte.

Nur ein einziges Mal, unweit Marigot Bay, wo die Straße etwas mehr als 800 Meter durch eine Bananenplantage strebt, ohne sich zu verrenken, erlebt man so etwas wie einen Befreiungsschlag aus der Enge der Ortschaften. Sekundenlang darf man die 100-km/h-Marke kitzeln. Fernsicht! Hurra! Doch danach heißt es wieder: Füße gegen den Fahrzeugboden, Oberarme aufs Armaturenbrett. Die nächste Serpentine kommt bestimmt.

Per Taxi zum Maul des Wals

Am Ende sind die 800 Meter im Bananenfeld dann aber doch nicht die einzige nennenswerte Horizontale der Insel. Ganz im Süden läuft die Insel in einer Küstenebene aus, und die Straße folgt ihr rund um das Cape Moule à Chique durch Vieux-Fort und den hübschen, noch immer französisch anmutenden Ort Laborie.

Dann plötzlich kommt ein Schild, man verpasst es leicht, so unauffällig ist es. "Balenbouche", kreolisch für "Maul des Wals", steht darauf, ein magisch klingendes Versprechen, dem es auf holperiger Strecke entgegen geht, immer weiter weg von der Straße, immer weiter weg vom Hier und Heute, bis zwischen riesigen Kasuarinen, Mangobäumen und Philodendren ein altes Pflanzerhaus mit Veranda auftaucht.

Unwiderstehlich ist das Gefühl, endlich angekommen zu sein, und schön, wie es von einem Besitz ergreift und, endlich einmal wieder, tief durchatmen lässt. Uta Lawaetz kennt das gut. Seit fast 50 Jahren ist die frühere Zuckerrohrplantage Balenbouche im Besitz ihrer Familie. Heute führt die gebürtige Deutsche das Anwesen mit ihren beiden Töchtern Verena und Anitanja.

Alle drei können sich nicht vorstellen, jemals woanders zu leben. Vier Cottages für Gäste liegen in diesem Garten Eden, in dem über 160, wie Uta sagt, "wichtigere" Pflanzen gedeihen, denn Kräuter und Gräser hat sie erst gar nicht gezählt. Alte Kessel stehen herum, früher wurde in ihnen der Zuckersaft zu Melasse verkocht.

Die alte Zuckerfabrik aus dem frühen 19. Jahrhundert steht auch noch, urwaldbedeckt inzwischen, als Filmset für Indiana-Jones-Filme wie geschaffen. Doch für Uta ist Balenbouche weit mehr als das. "Wenn es wirklich mal ganz kritisch wird in dieser verrückten Welt, können wir hier überleben. Wir haben Salz vom Meer, Öl von den Palmen, Zucker vom Zuckerrohr und zwei Dutzend Kühe. Ein tolles Gefühl." Stimmt. Balenbouche fühlt sich wie eine Arche an. In die man einchecken kann.



insgesamt 5 Beiträge
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patras 27.10.2009
1. Lasst doch ein paar traumhafte Ecken dieser Welt unbekannt
Ich war 2004 auf St. Lucia. Der Bericht hier zeigt sehr oberflächlich und auch sehr reißerisch, was dieses Inselchen eigentlich beinhaltet. St. Lucia ist ein Paradies, noch. Die Ressorts, die da genannt werden, führen ein Eigenleben im Inselleben. Ich habe in der Nähe von Castries fast privat gewohnt, bin auf den Markt gegangen, habe Begegnungen mit ST.Luciaer gehabt, die unvergesslich sind. Es gäbe so viel zu erzählen über außergewöhnliche Menschen, Lebensphilosophien etc. Was man nicht findet oder nur zu einem geringen Anteil, sind die alles plattmachenden Pauschaltouristen, die die Insel als Kulisse nehmen. Die werden gründlich enttäuscht und das ist auch gut so. Ich reise sehr viel in der Welt heru, besser ich erlaufe mir sehr viel von der Welt. Das hat mich zu interessanten Begegnungen geführt, zu Eindrücken, die mein Leben prägen und verändern. Aber einen so oberflächlichen Bericht, dazu noch reißerisch an die falschen Leute gerichtet, das ist schädlich für alle Seiten. Nur eine Frage: Wo um Himmels Willen ist der Fahrer mit 50 oder gar 60 km durch die Dörfer gefahren? Lasst mal einen Pauschaltouristen die Fahrt von Castries nach Souffriere machen, von Schlagloch zu Schlagloch, ... Lasst St. Lucia und solche Paradiese für die, die es als Paradiese erkennen können.
sitiwati 27.10.2009
2. St Lucia
war die unfreundliches Tourisinsel, die ich erlebt habe, damals war grad Mandela frei unter den Einheimischen war eine gewissen Aggressovität zu spüren, im Hotel, man musste sich anstellen, um einen Platz zu bekommen, setzte ich mich auf einen anderen Stuhk, wie angewiésen, was mir eine nrasceh Tadel einbrachte, als wir zu einer Rundreuse aufbrachen,w ollte ich um 1.15 zum Frühstück, da sianden 2 Frauen u 1 Mann, dei nicht zu bewegen waren, mir eine tasse Tee zu geben, Frhstücksbeginn 7.30, dei Kerle am Strand , dei den Touris Privattouren verkauften, becshimpften uns als Scheissdeutsche weil wir ihre teuren Touren nicht mitmachten, am Markt durfte man keine Fotos machen, sahen dei Einheimischen en Kamera , ging das Geschrei los, dann war da jeden Freitag? so eine Einheimiscehn Party, wir verzcihteten daruf, am nächsten Tag waren die Jungs u Mädeks besonders gut drauf, bluunterlaufenen Augen, die DM war nix wert , wurden 20% unter Wert getauscht ( wir haten uns vorher mit US$ eingedeckt, Erfahrung, dass die DM an vielen Orten nicht bekannt war) also, Cuba 1.Sahen, St Dom 1. Sahne , aber St Lucia , nicht mal gratis! PS man merkte auch, dass auf st Lucia Männermangel herrschet, alle Machos !
abovethebottom 27.10.2009
3. Karibisches Flair?
Zitat von sitiwatiwar die unfreundliches Tourisinsel, die ich erlebt habe, damals war grad Mandela frei unter den Einheimischen war eine gewissen Aggressovität zu spüren, im Hotel, man musste sich anstellen, um einen Platz zu bekommen, setzte ich mich auf einen anderen Stuhk, wie angewiésen, was mir eine nrasceh Tadel einbrachte, als wir zu einer Rundreuse aufbrachen,w ollte ich um 1.15 zum Frühstück, da sianden 2 Frauen u 1 Mann, dei nicht zu bewegen waren, mir eine tasse Tee zu geben, Frhstücksbeginn 7.30, dei Kerle am Strand , dei den Touris Privattouren verkauften, becshimpften uns als Scheissdeutsche weil wir ihre teuren Touren nicht mitmachten, am Markt durfte man keine Fotos machen, sahen dei Einheimischen en Kamera , ging das Geschrei los, dann war da jeden Freitag? so eine Einheimiscehn Party, wir verzcihteten daruf, am nächsten Tag waren die Jungs u Mädeks besonders gut drauf, bluunterlaufenen Augen, die DM war nix wert , wurden 20% unter Wert getauscht ( wir haten uns vorher mit US$ eingedeckt, Erfahrung, dass die DM an vielen Orten nicht bekannt war) also, Cuba 1.Sahen, St Dom 1. Sahne , aber St Lucia , nicht mal gratis! PS man merkte auch, dass auf st Lucia Männermangel herrschet, alle Machos !
Kommt mir alles bekannt vor. Ich habe oefter das zweifelhafte Vergnuegen gehabt in der Karibik zu arbeiten. Der Artikel schildert eigentlich nur meine eigenen Erfahrungen durch die uebliche Spiegel Gutmenschen Brille gesehen. Halt ein anderes karibisches Dreckloch.
marypastor 27.10.2009
4. Santa Lucía
Zitat von sysopWer den Luxusresorts entflieht und St. Lucia per Taxi erkundet, erlebt das wahre Gesicht der Antilleninsel: Voller Leben und Musik präsentiert sich die Heimat von Künstlern und Nobelpreisträgern. Für die Rolle "Perle der Karibik" wäre die Insel trotzdem eine glatte Fehlbesetzung. http://www.spiegel.de/reise/fernweh/0,1518,656302,00.html
Keine Perle. Fuer Kenner der Karibik sind alle diese kleinen Inseln gleich. Kreuzfahrer waeren froh, wenn auf jeder Insel ein Schild stuende mit: "Sie sind hier auf Grenada, Antigua, usw." Kein Luxus, schmuddelich, immer dieselben Palmen und Straende, kaputte Huetten, schlechte Taxis, heisse Luft. Was fuer Aussteiger-Freaks, die auch mal ein paar Tage nicht duschen muessen. Was anderes ist Barabados. Da gibt's ein Golf-Spa-Hotel, Usd 2000 pro Nacht nur schlafen, Dinner Usd 300 pro Per Person, Massage 500. Bitte ein Jahr im Voraus buchen.
derbinich 28.10.2009
5. St. Lucia
Ich will hier sicher keinen Stab für St.. Lucia brechen, wie sollte ich auch. Ich war vor ca. 25 Jahren für 7 Wochen da. Jung, ohne Geld und abenteuerlustig. Es hat sich seit dem aber wohl wenig geändert, wie ich dem Artikel entnehmen darf. Es ist halt nix für Dom. Rep., Rimmini und Antalya Hopper. Ich habe damals alles gefunden, was ich gesucht habe. Als junger, dynamischer, neugieriger Mensch sieht man die Sachen wohl anders, als ein normaler Tourist, der sich im Norden der Insel vergräbt und für die schönsten Wochen des Jahres Luxus erwartet. Da gibt es wohl besseres. Wir haben bei Uta gewohnt (die aus dem Artikel). Reich war die da wohl sicher nicht. Sie meint es ernst, dass man sich ernähren kann, von dem was das Land umsonst bietet. Wir durften es mit ausprobieren. Sie hatte einen verbeulten Toyota pick up, mit dem wir die Insel erkunden durften. Wir waren beeindruckt von der Vielfalt der Insel, etwas bedrückt von der Armut, sind aber bei den Einwohnern nur auf Herzlichkeit gestoßen. Vielleicht weil wir auch arm waren. Ich habe gelernt auf Palmen zu klettern, Kaffee zu pulen und zu rösten (20 min/ Tasse, da überlegt man ob man Kaffee braucht) , Tabak zu schneiden (grauenhaftes Kraut), Frühstück sammeln (Früchte, Früchte, Früchte, mit Haferflocken gestreckt, weil man sonst die Aromenvielfalt nicht aushält), statt Kartoffeln Affenbrotbaumfrucht und Kochbananen. Usw. Wir haben im Westen geschnorchelt, im Osten mit den Atlantikwellen gekämpft, in Gros Islet den Freitag durch getanzt, einen Canyon durchstiegen, Strandurlaub, Happy Hour im Norden, Segeln mit einem Aussteiger, Fete in einem kleinen Plantagendorf (10 Hütten), den Urwald im Inneren erkundet, zu 20ig in Bussen fahren, wo eigentlich nur 8 reinpassen und einen Hurrikan, der zum Glück nur St. Vincent erwischt hat. Lange Rede, kurzer Sinn: Danke Uta, das waren klasse Wochen. Wie das heute ist, weiß ich nicht. Damals war St. Lucia ärmlich, herzlich und wunderschön. Sebastian
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