Wandern auf karibischen Inseln Ins Blaue

Wandern in der Karibik? Aber ja! Auf Jamaika, Kuba oder Puerto Rico gibt es zauberhafte Ziele, quietschende Waldbewohner, imposante Wasserfälle und fauchende Gipfel inklusive. Die besten Tourentipps für fünf Inseln.

Von Martin Cyris

Jamaica Tourist Board

Die Nacht ist schwarz um 2 Uhr morgens. Ein strammer Wind weht über die Blue Mountains von Jamaika, die blauen Berge. Meterhoher Bambus raschelt. Die Luft ist kühl, das Thermometer zeigt gerade mal sechs Grad Celsius an - und das in der sonnenverwöhnten Karibik. In der Dunkelheit sieht man die Hand vor Augen nicht. Geschweige denn, wo die Füße hintreten.

Zum Glück hat Johnny Taschenlampen mitgebracht. Der Wanderführer trägt einen gefütterten Parka. Seine Jacke, sagt er, hat er schon oft an leicht bekleidete Wanderer ausgeliehen, die nicht mit einer derartigen Kälte gerechnet hatten.

Johnny, ein Mann in den Fünfzigern, ist im Hauptberuf Wachmann auf einer Kaffeeplantage zu Füßen des Blue Mountain. An den Flanken des höchsten Bergs von Jamaika wächst einer der teuersten Wachmacher der Welt: der Blue Mountain Coffee.

Frühmorgens, vor Arbeitsbeginn, steigt Johnny mit Touristen auf den 2256 Meter hohen Blue Mountain Peak. Der Aufstieg vom Ausgangspunkt Abbey Green dauert rund vier Stunden. Schon die ersten 30 Minuten sind anstrengend: Die "Jacob's Ladder" ist ein extrem steiler und holpriger Anstieg.

Ein Guide ist empfehlenswert, denn die wenigen Wegmarkierungen sind in der Dunkelheit kaum zu erkennen. Nach Sonnenaufgang sollte man nicht losgehen: In der Regel brennt die Sonne schon in den Vormittagsstunden unerbittlich. Ein kollabierender Kreislauf beim Abstieg ist daher die größte Gefahr am Blue Mountain Peak.

Nach einer knappen Stunde Aufstieg liegt einem das Lichtermeer von Kingston zu Füßen. "Nur wenige Jamaikaner wandern", sagt Johnny. Seine Hauptklientel sind Bergfans aus Europa, die sich ein exotisches Wandererlebnis gönnen wollen. Unter Vogelkundlern sind die Blue Mountains wohlbekannt - wegen der Artenvielfalt.

Auf dem Gipfel des Blue Mountain: Blaue Stunde
Martin Cyris

Auf dem Gipfel des Blue Mountain: Blaue Stunde

Blaue Stunde auf Jamaikanisch

Das Bergpanorama lässt auf sich warten. Im dichten Morgennebel ist knapp unterhalb des Gipfels nur eine Schutzhütte zu erkennen. Die Szenerie erinnert an die schottischen Highlands. "Wenn du Pech hast, läufst du vier Stunden, und der Gipfel hüllt sich in Wolken", sagt Johnny.

Doch nicht an diesem Tag. Nach einer weiteren Viertelstunde ist der Gipfel erreicht. Wie auf Bestellung lockern die Wolken auf und geben den Blick frei. Auf den tiefblauen Ozean, auf einsame Buchten und Strände, auf Dörfer und verstreute Bauernhöfe und auf endlose Berghänge, die in der Morgensonne unwirklich blau schimmern. Blaue Stunde auf Jamaikanisch.

Mehr Informationen gibt es hier: Tourismuszentrale Jamaika, Nationalpark Blue Mountains, Hotel Forres Park (Vermittlung von Guides)

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insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
clp2010 08.09.2015
1. 6. Teil: St. Lucia
ein Aufstieg auf den großen Piton auf St. Lucia...
Stäffelesrutscher 08.09.2015
2.
Wenn das gezeigte Kurhotel eine "stalinistische" Architektur aufweist, dann möge sich der geneigte Autor mal Bauten in Madrid, Buenos Aires, New York oder auch Hamburg anschauen ...
michael_kr 08.09.2015
3. Vermisse Dominica
Die Wanderung zum Boiling Lake auf Dominica fehlt meiner Meinung nach hier in der Liste. Sehr abwechslungsreich, ein stetes hoch und runter, durch den Dschungel, schöne Ausblicke, ein buntes Tal und am Ende die zweitgrößte Thermalquelle der Welt.
michael_kr 08.09.2015
4. Vermisse Dominica
Die Wanderung zum Boiling Lake auf Dominica fehlt meiner Meinung nach hier in der Liste. Sehr abwechslungsreich, ein stetes hoch und runter, durch den Dschungel, schöne Ausblicke, ein buntes Tal und am Ende die zweitgrößte Thermalquelle der Welt.
pekaef 08.09.2015
5. Dominica
Ich empfehle den achstündigen Trip ins "Desolation Valley" und zum "Boiling Lake", dem zweitgrößten kochenden Kratersee der Welt.
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