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Karneval-Höhepunkt in Rio: Fete mit Federn

Rio de Janeiro, wie es tanzt und lacht - und das trotz Zika-Panik und Wirtschaftskrise. Im Sambódromo kämpfen die Tanzschulen der Stadt zwei Nächte lang um den Sieg.

Samba-Battle in Rio: Mit der Kraft der Federboa Fotos
AFP

Jetzt gibt es auch noch den Ratschlag für Schwangere, auf Küsse im Karneval zu verzichten. Er empfehle, "nicht zu küssen", sagt der Direktor des brasilianischen Forschungsinstituts Fiocruz, Paulo Gadelha. Nach Meinung von Fiocruz kann das mysteriöse Zika-Virus womöglich auch per Speichelflüssigkeit übertragen werden - Virologen halten dies allerdings für unwahrscheinlich.

Spekulationen und Ratschläge überschlagen sich - das schreckt die Menschen in Rio aber keineswegs vom Feiern ab. Im Gegenteil. Hunderttausende verstopfen am Sonntag die Straßen. Einige haben sich sogar als Zika-Mücke verkleidet: etwa die Variante Badehose mit Hosenträgern, an denen schwarze Flügel montiert sind.

In Copacabana schlängelt sich der erste Zug zu dröhnenden Samba-Rhythmen schon um 9 Uhr die Strandpromenade herunter, direkt dahinter fahren vier Müllwagen, die die Bierdosen wegkehren. Die meisten Feiernden sind im Strandlook unterwegs, in der Badehose sind Telefon und Geld verstaut. Aber es gibt auch Kostüme wie eine Ananas, eine Melone, sowie die Klassiker Kapitän und König.

Vor dem Karnevalsstart hatten Männer in gelben Schutzanzügen im Sambódromo Insektizide versprüht, um die Moskitos zu vertreiben. Hier, beim Höhepunkt des Karnevals, ermitteln die Sambaschulen vor über 70.000 Zuschauern mit spektakulären Paraden die beste Sambaschule Rios.

Im Video: Das Kräftemessen der Sambaschulen

Am Sonntagabend hat die Estacio de Sa, als erste der besten Sambaschulen, den Wettbewerb in dem Tanzstadion eröffnet. Die nächsten sechs der insgesamt zwölf Schulen treten in der Nacht zum Dienstag auf, die Siegerin wird am Mittwoch bekannt gegeben. Als Verweis auf die in Rio stattfindenden Olympischen Sommerspiele im August wurde zur Eröffnungszeremonie eine riesige Fackel hereingetragen.

"Wir haben alle Mückenschutz drauf", sagte die 27-jährige Yasmin Victoria von der Sambaschule União da Ilha. "Aber ich glaube nicht, dass irgendeine Art von Angst ausreichen könnte, den Karneval zu stoppen." Ihre 19-jährige Cousine Luanny Victoria im knappen Goldkostüm mit großen grünen Federschwingen sagt: "Trotz der Probleme in unserem Land ist die Feierlaune der Menschen ungebrochen. Brasilien ist einfach das Samba-Land."

Thema von União da Ilha sind die Olympischen Spiele: Griechische Götter steigen vom Olymp herab und sind von Rio derart verzaubert, dass sie bleiben. Judokämpfer wirbeln durch die Luft, und als Verweis auf die Paralympics gibt es sogar ein Kontingent mit singenden und tanzenden Menschen im Rollstuhl.

Der Wettbewerb der Sambaschulen, der jeweils zwei Nächte lang läuft, ist der Höhepunkt des Karnevals. Der Parade der aufwendig kostümierten Sambaschulen, einer Auswahl aus rund hundert Ensembles von Amateurtänzern aus der brasilianischen Metropole, gehen zwei Wochen mit Straßenparaden voraus. Am Karneval nehmen Schätzungen zufolge insgesamt fünf Millionen Menschen teil, darunter eine Million Touristen.

Hundekarneval an der Copacabana

Neben Zika liegt vor allem die tiefe wirtschaftliche Krise wie ein Schatten über dem Karneval. Dutzende Umzüge im ganzen Land mussten mangels Geld abgesagt, beim Stoff einiger Kostüme gespart werden. Mangueira, eine der besten Sambaschulen Rios, schickt nur 4000 statt 5000 Tänzer auf die Straße.

Aber die eine Million Touristen spüren von der Krise wenig. Knapp 700 Millionen Euro Umsatz erwartet die Stadt. Den Reiz machen gerade auch die kleinen Umzüge aus. Der Karneval des Bloco Cordão Umbilical im Stadtteil Humaitá richtet sich besonders auch an Schwangere - die 28 Jahre alte Gabriela Ortis, im achten Monat schwanger, ist mit ihrer kleinen Tochter dabei. "An Karneval nicht rauszugehen, das wäre grausam", sagte sie nach Angaben der Agentur Agência Brasil.

An der Plaza Salvador feiern die jungen Leute - viele haben Trommeln und Trompeten dabei, der Rest tanzt - eine wogende, glückselige Masse - bis die Polizei aus Lärmgründen die Party beendet. Skurril wirkt der Hundekarneval an der Copacabana mit rund 150 Vierbeinern, die mit schrillen Kostümen und Sonnenbrillen drapiert, mit Herrchen und Frauchen feiern.

Viele müssten wegen der Hunde während des Karnevals zu Hause bleiben, meint der Organisator Marco Antonio Marino, der im Dalmatinerkostüm gekommen ist. "Darum haben wir uns gedacht, wir verbinden das einfach: Ein Karneval für die Menschen und ihre Hunde."

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Karneval in Rio: Nackte Haut trotz Zika-Angst

abl/dpa/AFP

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