Karneval-Marathon in Panama Vier Tage, vier Nächte, eine Party

Feiern bis zur Fastenzeit: Zum alljährlichen Karneval ist ganz Panama vier Tage lang auf den Beinen. Ihre Königin wird von Schönheitschirurgen gecheckt, Trommeln und Trompeten lärmen in heißen Rhythmen - doch der Höhepunkt sind: kalte Duschen.

TMN

Panama - Ein Tross junger Männer flattert um Virginia Hernandez herum. Ein Visagist, mehrere Kostümbildner - sie alle arbeiten daran, eine Königin aus der 21-Jährigen zu machen: La Reina, die Königin des Karnevals von Panama.

Tiefenentspannt sitzt die junge Frau in ihrem viel zu großen Sessel in einem Zimmer des Luxushotels El Panama. Auf den beiden Betten im Zimmer liegen, farbenfroh geschminkt und frisch frisiert, ihre beiden Prinzessinnen in langen roten Kleidern. Sie tippen gelangweilt auf ihren Handys herum.

Modelmaße müssen sie haben und schöne Haut, eine gewisse Weltgewandtheit und zumindest Grundkenntnisse in Englisch: Die Königin und ihre Prinzessinnen werden alljährlich von einer strengen Jury ausgewählt, sogar von Schönheitschirurgen werden ihre Körper begutachtet. Virginia ist gleichzeitig Schönheitskönigin und Repräsentantin von Panama bei verschiedenen Veranstaltungen in der ganzen Welt, ein ganzes Jahr lang.

Nervös sei sie nicht vor ihrem ersten großen Auftritt, sagt sie, als ihr falsche Wimpern an die ausdrucksvollen dunklen Augen geklebt werden. "Das kommt vielleicht gleich, wenn ich im Bus sitze." Im Bus Richtung Cinta Costera. Dort findet am Freitag vor Aschermittwoch das erste große Ereignis dieses Karnevals statt, die Krönung der Königin. Umrahmt wird dieses Ereignis, das in diesem Jahr am 28. Februar stattfinden wird, von einer riesigen Party.

Trompetenfanfaren und Wasserpartys

Salamón Shamah, der Tourismusminister des Landes, spricht davon, dass in den tollen Tagen in Panama-Stadt mindestens 800.000 Menschen auf der Festmeile feiern. Der Karneval in der Stadt - und in Dörfern auf dem Land - dauert vier Tage. Vier Tage und vier Nächte.

Jeden Abend bei Einbruch der Dunkelheit beginnt eine Parade auf der abgesperrten Uferpromenade, die die ultramoderne City mit ihren zahlreichen Hochhäusern mit der alten Stadt, der Casco Viejo, verbindet. Auf den prachtvoll geschmückten Wagen: tanzende, leicht bekleidete Damen und Figuren wilder Tiere aus Pappmaché. Dem Wagen der Königin folgt die Murga, eine Musikantentruppe, die vornehmlich mit Trompeten rhythmischen Lärm macht.

Doch die Panamaer kommen nicht erst am Abend auf die Partymeile - zumindest nicht zum ersten Mal. Denn am Vormittag, sobald die Sonne in dieser trockenen Zeit des Jahres die Luft auf gut 35 Grad erwärmt, geht die Party schon los - mit den Culecos, den Schauern aus Feuerwehrschläuchen. Während auf der Bühne die DJs Schwerstarbeit leisten, damit die Musik über die Cinta Costera dröhnt und die Menschen zu Hunderten auf der Straße tanzen, kühlen Männer und Frauen in knappen Outfits die Menge mit Wasser aus Tankwagen ab.

Masken werden dabei nicht zerstört - denn das Verkleiden ist bei diesem Karneval die Ausnahme. Und wer zu den Culecos geht, weiß, was ihn erwartet. Badehose und Bikini sind hier der Dresscode. Je knapper, desto besser. Den Kindern macht der Regen aus dem Schlauch einen Riesenspaß, auch wenn sie manchmal von der Stärke des Strahls fast umgehauen werden. Und auch die Erwachsenen scheint das kalte Wasser nicht zu stören. Im Gegenteil.

Zwar sind die Paraden, die jeden Abend unter einem anderen Motto stehen, gut besucht. Doch der Höhepunkt des Karnevals sind für viele Panamenos und Touristen eben die Culecos, die Wasserpartys. Und das nicht nur in der Hauptstadt des etwa 3,3 Millionen Einwohner zählenden Landes in Mittelamerika, sondern auch in vielen Gemeinden und Dörfern in den verschiedenen Provinzen. Manchmal nur an einem Tag, manchmal an allen vier Karnevalstagen.

"Egal ob arm oder reich, Einheimische oder Besucher"

Und jeder Ort hat seine eigenen Traditionen. Las Tablas zum Beispiel, die Hauptstadt der Provinz Los Santos, gute vier Stunden von Panama-Stadt entfernt. Hier heißt es an den tollen Tagen Calle Arriba gegen Calle Abajo, Obere Straße gegen Untere Straße.

Jedes Lager versucht, das andere zu übertrumpfen: mit dem Schmuck an Häusern, Geschäften, Kneipen und Straßen, mit schier endlosen Feuerwerken am Abend. Am Veilchendienstag, dem Tag vor Aschermittwoch, ist alles vorbei. Ähnlich sieht es auch in Penonomé aus, dem geografischen Mittelpunkt des Landes. Eigentlich ein kleines Dorf, hinter vielen Kurven abseits der Panamericana versteckt, die das Land durchzieht, ist hier zum Karneval alles auf den Beinen.

Tanzende Menschen, Wasserfontänen, laut wummernde Musik und der Geruch von gebratenem Fleisch am Straßenrand - diese Mischung ist an allen Karnevalsorten in Panama die gleiche. In der Hauptstadt ist die Tradition konkurrierender Straßenzüge oder Viertel weitgehend ausgestorben. Die Regierung hat das närrische Treiben aus der Innenstadt auf die Cinta Costera verlegt, direkt ans Wasser.

Tourismusminister Shamah findet diesen Ort am besten geeignet: "Hier haben wir viel Platz für die Paraden und für die feiernden Menschen", sagt er. Und man kann sich kaum verlaufen, denn die zentrale Straße der Hauptstadt findet man fast unweigerlich, auch als Tourist.

Vor der Party steht noch die Sicherheitskontrolle, an jedem der zahlreichen Einlasspunkte. Die kann sich hinziehen, denn die Uniformierten schauen sich mitgebrachte Taschen und deren Inhalt sehr genau an. Mit Erfolg, sagen die Offiziellen: "Wir haben keine wirklich ernstzunehmenden Probleme auf dem Gelände", sagt der Minister.

Im Gegensatz zu Penonomé etwa, wo die betuchteren Besucher in VIP-Areas tanzen und trinken. Das will Shamah in der Hauptstadt nicht sehen. "Wir wollen, dass die Menschen den Karneval miteinander feiern, egal ob sie arm sind oder reich, Einheimische oder Besucher."

Und so mischt sich das Partyvolk auf der Cinta Costera: Von der Krönung der Königin bis zur letzten Parade am Veilchendienstag lassen sie es krachen, tanzen, feiern, essen, trinken - und haben eine gute Zeit.

Verena Wolff/dpa/abl

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mina94 30.04.2014
1. Panama Karneval
Sehr schöner Artikel. Mal nicht Brasilien, sondern Panama!
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