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Lodge am Inle-See in Burma: Kochkurs mit Kätzchen

Von Michael Lenz

Stelzendörfer und Reisfelder, Wasserstraßen und schwimmende Tomatenplantagen. Der Inle-See in Burma zieht Touristen in Massen an. Hotelmanagerin Misuu nimmt jedoch nicht nur zahlende Kunden auf, sondern auch flauschig-freundliche Gäste.

Burma: Die Katzenmama vom Inle-See Fotos
AFP

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Im Schatten der Flammenbäume schnurren sie sich durch den Morgen, zwischen knallrotem Hibiskus und blühenden Bougainvilleen vergeht der Tag. Gut 40 flauschige Burma-Katzen führen bei Yin Myo Misuu Su ein sorgloses Leben. Sie kraxeln auf Kletterbäume, lassen sich von einem Diener das Futter servieren und flüchten hin und wieder auf ihr Privatinselchen, das sie von ihrem Heim, dem Inthar Heritage House, über eine Brücke erreichen.

Vor dem Stelzenhaus der burmesischen Unternehmerin Misuu fließt gemächlich einer der vielen Kanäle am Inle-See, die die Dörfer am Ufer, die Reisfelder und die schwimmenden Tomatenplantagen miteinander verbinden. Misuu ist Chefin der Hotelkette Inle Princess, doch ihre Leidenschaft ist die Katzenzucht.

Sich einen Haufen reinrassiger Tiere zuzulegen, ist aber nicht nur der Spleen einer verwöhnten Tochter aus wohlhabendem Haus. Die Burma-Katze wäre in ihrer Heimat fast ausgestorben - und Misuu wollte das verhindern. Also importierte sie ein paar Tiere aus England, deren Vorfahren vor Jahrzehnten als Mitbringsel britischer Kolonialbeamter im Dienst für König und Vaterland nach Europa gekommen waren.

Misuu hat sich dem Erhalt der Tradition und Kultur der Intha verschrieben, jener ethnischen Gruppe, die seit Generationen in den Stelzendörfern auf dem Inle-See lebt und die weltweit einzigartige Technik des Einbeinruderns entwickelt hat.

"Wir müssen uns das Bewusstsein für unsere Wurzeln und Traditionen bewahren", sagt Misuu, die den Blick jedoch streng nach vorne richtet. Nach den "dunklen Jahren" der Militärdiktatur, in denen "mein Land von der Außenwelt abgeschottet war" sei es an der Zeit, Burma wiederaufzubauen. "Dazu will ich meinen Beitrag leisten."

Verpestetes Biosphärenreservat

Seit gut zwei Jahren bildet sie im Inthar Heritage House junge Menschen aus der Inle-Region für Jobs im Hotel- und Gaststättengewerbe aus, die hier reich gesät sind: Der See ist eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Burmas. Auf dem Stundenplan der Azubis stehen aber neben allerlei Fachlichem auch Ethik, soziale Gleichheit, Bürgerrechte und Umweltschutz.

Zum richtigen beziehungsweise falschen Umgang mit der Natur gibt es für die Schüler gleich eine Lektion vor Ort zu lernen: Der Inle-See ist so stark durch Pestizide belastet, dass einige Fischarten bereits ausgestorben sind. Schuld daran sind die im Wasser stehenden Tomatenplantagen. Einbeinruderer pflanzen sie auf sehr großen, aus Seegras angelegten Beeten an und erreichen durch den Einsatz von Düngemittel üppige Ernten. Gut für die Bauern, schlecht für die Umwelt - der Inle-See wurde 2014 trotzdem als erste burmesische Naturattraktion von der Unesco zum Biosphärenreservat erklärt.

Ihr Handwerk können die Hotellehrlinge gleich im hauseigenen Ausflugsrestaurant und bei der Betreuung der Gäste in den sechs Bungalows aus Holz und Bambus in die Praxis ausprobieren. Die Urlauber werden nicht nur mit einem Ausblick auf sattgrüne Reisfelder und die Shan-Berge verwöhnt, sondern auch mit regionalen Speisen.

"Die Shan ernähren sich hauptsächlich von Suppen, Nudeln und Gemüse", sagt Misuu. Zu ihren vegetarischen Lieblingsgerichten gehören Kin Paung Kyaw, tomatige Frühlingszwiebelbällchen, die in Öl frittiert werden und zusammen mit etwas Tamarindensoße ein leckerer Snack für zwischendurch sind.

"Freundlich wie wir Burmesen"

Die Zubereitung der Gerichte können Touristen in Misuus Kochschule lernen. "Die Rezepte stammen von meiner Oma, die eine tolle Köchin war", versichert die Burmesin, die die lokale Küche als weder zu scharf noch zu süß beschreibt.

Das Ausflugsrestaurant ist der Einkommensgenerator für die Schule, aber auch für die Katzen. "Die Tiere müssen gefüttert, geimpft und ärztlich betreut werden. Das kostet", sagt Misuu. Vom Katzenverkauf allein kann das Zuchtprojekt nicht leben. Zwar müssen Ausländer - für Burmesen gibt es Kätzchen kostenlos - immerhin 1000 Dollar für ein Tier hinlegen. Aber ob Ausländer oder Burmese, eine Burma-Katze bekommt nur, wer schriftlich eine gute Pflege garantiert.

Mit Katzen konnte Misuu früher nichts anfangen. Das wurde schlagartig anders bei der ersten Begegnung mit einer Burma-Katze. "Das war Liebe auf den ersten Blick", sagt Misuu. "Mir wurde klar, dass auch die Katzen ein Teil unserer Tradition sind." Sie wurden jahrhundertelang von der königlichen Familie gehalten und galten als Wächter der Tempel. Das ausschlaggebende Motiv aber war der Charakter der Burma-Katzen. "Sie sind so freundlich wie wir Burmesen."

Frittierte Frühlingszwiebeln: Nicht zu scharf, nicht zu süß Zur Großansicht
Michael Lenz

Frittierte Frühlingszwiebeln: Nicht zu scharf, nicht zu süß

Rezept für Kin Paung Kyaw

Nach über sechs Jahren als Koch in schicken Hotels in Dubai ist Naing Win dem Ruf von Misuu gefolgt, in seiner Heimat am Inle-See junge Menschen zu Köchen auszubilden. Seine Karriere begann Naing Win, selbst auch ein Intha, im luxuriösen Inle Princess Resort von Misuus Vater.

Hier ist sein Rezept für Kin Paung Kyaw: frittierte Tomaten-Frühlingszwiebelbällchen mit Tamarindensoße.

Zutaten für 4 Portionen

Zehn Frühlingszwiebeln, klein gehackt; 1 gewürfelte Tomate; 1 gewürfelte Zwiebel; 1 Teelöffel Paprikapulver; 3 zerdrückte Knoblauchzehen; 1/2 Teelöffel zerdrückter Ingwer; etwas Salz; 100 Gramm Reispulver oder Maismehl

Zubereitung

Alle Zutaten mit ein paar Tropfen Wasser in einer Schüssel mischen (etwas Knoblauch und Ingwer für die Soße zurückhalten). Der Trick dabei ist, die richtige Mischung aus Wasser und Maismehl hinzukriegen, damit die Masse beim Frittieren nicht auseinanderfällt.

In einem Wok, einer hohen Pfanne oder einem Topf Pflanzenöl erhitzen, mit der Hand oder mit einem Esslöffel aus der Masse kleine Nocken formen, in dem heißen Öl goldgelb ausbacken, mit der Soße servieren.

Für die Soße

100 Gramm Tamarindenpaste, frischen Koriander, Salz und Zucker

Die Tamarindenpaste in heißem Wasser auflösen und durch ein Sieb drücken. Knoblauch, Ingwer, Salz und etwas Zucker hinzufügen und zum Schluss kleingehackten frischen Koriander. Wer's scharf mag, schnippelt noch ein wenig grüne Chili hinein.

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1. Ich hatte das Glück,
alfons11:45 01.11.2015
jahrelang für ein älteres, kastriertes Burmakatzenpaar aus dem Tierheim den Dosenöffner spielen zu dürfen. Beide sind gut 20 Jahre alt geworden und haben dabei auch meinem bettlägrigem Vater viel Freude bereitet. Jederzeit wieder, wenn sie in liebevoller Umgebung aufgewachsen sind.
2. aehm...
fatherted98 02.11.2015
...sind die Katzen auch im Hotel...bzw. der Küche?....dann lieber eine andere Herberge/Restaurant aufsuchen....Tierliebe kennt keine Grenzen...kenne ich von vielen Kollegen....von denen würde ich freiwillig auch nichts essen....geschweige denn bei denen übernachten.
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