Khao Lak in Thailand: Beachfront mit Vergangenheit
Das Paradies verwandelte sich in die Hölle, als der Tsunami im Jahr 2004 das thailändische Backpacker-Idyll Khao Lak verwüstete: Hunderte Menschen starben am Ufer. Jetzt haben sich dort edle Resorts angesiedelt und sogar ein Designhotel - ganz nah am unberechenbaren Meer.
Der Betonbungalow öffnet sich wie eine Blüte zum Meer. Nur eine Glasfront und ein paar Dutzend Meter trennen seine Bewohner vom Indischen Ozean. Drinnen schmiegen sich Teakholz und polierter Beton in geraden Linien aneinander. Die quadratischen Klötze tragen Namen tropischer Pflanzen, dieser hier heißt Calathea. Er gehört mit 35 anderen Bungalows zum Casa de la Flora, Thailands neuestem Designhotel.
Genau an der Stelle, an der heute Calathea steht, befand sich bis zum 26. Dezember 2004 Bungalow B1 des Sita Garden. B1 war halb so groß wie Calathea, gebaut aus Backsteinen. Am zweiten Weihnachtstag 2004 wohnte hier ein britisches Ehepaar.
An jenem Morgen gegen 10 Uhr hatte sich das Meer zurückgezogen. Eine Urlauberin aus München begriff als Erste, was das zu bedeuten hatte. "Tsunami, run, run!", brüllte sie den anderen Gästen des Sita Garden noch zu, bevor sie mit ihrem Mann auf einem Leihmoped davonraste.
Die Welle, die Khao Lak keine Minute später überrollte, war zehn Meter hoch. Sie riss alles mit sich, sie zerbrach baumstammdicke Betonsäulen, sie schleuderte Autos in die zweite Etage von Hotels. "Wo früher das Sita Garden war, gab es nur ein Loch", erinnert sich der Besitzer des Resorts, der deutsche Reiseführerautor Richard Doring.
17 der 22 Gäste des Sita Garden konnten sich retten. Der britische Urlauber aus B1 hatte der Frau aus München einen Vogel gezeigt, als sie ihm die Warnung zubrüllte. Er und seine Frau starben im Sita Garden, außerdem noch ein Familienvater, eine junge Frau aus Schweden und eine ältere Dame aus der Schweiz.
Nirgendwo starben mehr deutsche Urlauber als in Khao Lak
8000 Menschen riss die Welle an diesem sonnigen Weihnachtsmorgen in Thailand in den Tod, darunter mehr als 500 Deutsche. Nirgendwo starben mehr deutsche Urlauber als in Khao Lak. In den Tempeln des Ortes sammelten die Behörden Tausende Leichen. In Trümmern suchten verstörte Überlebende Gegenstände, die ihren Angehörigen gehörten.
Die Tsunami-Katastrophe von 2004 hat die Menschen tief bewegt, sie traf die Küsten von Schwellen- und Entwicklungsländern und tötete dort auch viele Menschen aus der Ersten Welt. Die Welle machte keinen Unterschied, natürlich nicht. Nirgendwo war das deutlicher als in Khao Lak. Hier hatten sich gerade die ersten Hotels von Thomas Cook und Neckermann etabliert. Noch als alles in Trümmern lag, fragten Hoteliers sich: Würden die Urlauber wiederkommen? Würden sie an einem Strand liegen wollen, an dem so viele starben?
Heute gibt es in Khao Lak in etwa so viele Hotelbetten wie vor dem Tsunami. Aber die Hoteliers bauten ein neues Khao Lak: schicker, edler, teurer. Mit dem Tsunami verschwand das Backpackerparadies von damals. Die kleinen Hoteliers hatten früher einfach weitere Hütten gebaut, sobald genug Geld und Gäste da waren. Nun schafften sie entweder den ganz großen Schritt zum Resort - oder sie gaben auf. Rucksackreisende finden heute billige Bungalows jedenfalls nur noch weitab vom Strand. In der ersten Reihe mit Meeresblick stehen neue Luxushotels für neue Gäste.
Das außergewöhnlichste von ihnen ist das Casa de la Flora. Seit drei Monaten ist der Schweizer Michael Gähler, 43, hier Direktor, er führt das Hotel in seine erste Hochsaison. "Unsere Gäste suchen etwas, das different ist", sagt er, und schon das Wort "different" zeigt, dass es um gehobenes Niveau geht. Stylish, erholsam, mit maximaler Privatsphäre, "das ist der Stil, den wir anbieten". Gähler sagt, dass in der Katastrophe auch eine Chance lag: "So schlimm der Tsunami war, er hat die Leute motiviert zu investieren."
Das Casa de la Flora gehört dem thailändischen Geschäftsmann Sompong Dowpiset. Er wurde reich damit, deutsche Grohe-Armaturen nach Thailand zu importieren; dann sah er ein neues Geschäftsfeld darin, deutsche Touristen zu importieren. Kurz vor dem Tsunami hatte Dowpiset bereits ein anderes Luxushotel eröffnet: das La Flora. Später kaufte er ein paar hundert Meter weiter neues Land und beauftragte das Bangkoker Architektenbüro VaSLab, ein modernes Resort zu bauen.
Duftende Seife mit Reiskleie
Entstanden sind Betonkuben am Strand. "Unser Ziel war es, dass die Gäste die Umgebung von innen heraus erleben können", sagt Architekt Varu Virajsilp über sein Projekt. Böden und Wände im Innern bestehen aus Beton, der im weichen Licht der Tropen samtig aussieht. Auch die Sofas schimmern in Schattierungen dieses Betongraus.
Vom Schlafzimmer im ersten Stock des Calathea schauen die Gäste aus dem Bett direkt aufs Meer. Die Designer des Studios Anon Pairot aus Bangkok haben alles minimalistisch gehalten: Teak, Glas, Apple-Geräte. Jedes Detail passt, bis zur duftenden Seife mit Reiskleie. Zu jedem Bungalow gehört ein Pool aus Granitfliesen.
Später will Gähler eine Lounge auf dem Dach des Restaurants bauen lassen, in der Gäste Tom Kha Cocktails, Musik und den Sonnenuntergang über der Andamanensee genießen sollen. An einem Schwimm-Pier sollen Speedboote anlegen. Auf denen können die Gäste dann zu Privatausflügen zum James-Bond-Felsen und zum Tauchen aufbrechen.
Für ihn sei es kein Widerspruch, an einem Ort des Schreckens einen besonders schönen Ort zu schaffen, sagt Gähler. Er glaube sogar, dass die Urlauber durch die Geschichte Khao Laks eine besondere Beziehung zu diesem Ort hätten.
- 1. Teil: Beachfront mit Vergangenheit
- 2. Teil: "Kann man hier Urlaub machen?"
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- Mittwoch, 09.11.2011 – 05:51 Uhr
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Bevölkerung: 68,139 Mio.
Fläche: 513.000 km²
Hauptstadt: Bangkok
Staatsoberhaupt: König Bhumibol Adulyadej
Regierungschefin: Yingluck Shinawatra
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