Kilimandscharo Afrikas höchster Punkt

5895 Meter hoch thront der Berg an der Grenze Tansanias zu Kenia - enorme Ausmaße für Mitteleuropäer. Doch im Gegensatz zu den mächtigsten Gipfeln anderer Kontinente ist der höchste Punkt Afrikas auch ohne hochalpine Kletterpraxis erreichbar.


Die größten Tiere vor dem höchsten Berg: Der Kilimandscharo
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Die größten Tiere vor dem höchsten Berg: Der Kilimandscharo

"Pole, pole" heißt die Zauberformel, "langsam, langsam". Nur auf diese Weise sei der Kilimandscharo zu erklimmen, sagen Kenner. Die Kondition muss stimmen - und der Wille, es zu schaffen.

Der Aufstieg beginnt in 1800 Metern Höhe am Eingang zum Marangu-Nationalpark, mitten im afrikanischen Urwald. In der Gruppe starten zehn "Kili-Stürmer", neben Deutschen noch Franzosen und Spanier. Dazu kommen ebenso viele Bergführer und Träger. Zuerst sind die Amateur-Bergsteiger peinlich berührt, dass die Jungs aus Moshi die Rucksäcke und Nahrungsmittel schleppen - später überwiegt grenzenlose Dankbarkeit.

"Pole, pole" geht es also los, der Kilimandscharo steigt sanft an. Er sitzt wie ein riesiger Kegel mitten in der Landschaft. Affen turnen über den Köpfen, rechts und links wachsen urwüchsige Farne und Schlingpflanzen. Nur von Führer Charly hört die Gruppe kein "Pole, pole" - er ist sternhagelvoll und taumelt hinterher. Alle hoffen inständig, dass er in luftigeren Höhen wieder zu Verstand kommt. Etwas Zeit hat er noch: Der Aufstieg dauert vier Tage, der Abstieg zwei.

Picknick vor prächtigem Panorama
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Picknick vor prächtigem Panorama

Die erste Nacht schläft die Gruppe in kleinen Holzhütten im Nebel, auf etwa 2700 Metern Höhe. Die Behörden achten streng darauf, dass pro Nacht nur rund 60 Menschen pro Lager auf dem Berg sind. Zum Abendessen gibt es Reis und Kartoffeln mit Tunfisch. "Wir haben seit Monaten in den Alpen trainiert", verkündet stolz ein französisches Paar. Betretenes Schweigen bei den Deutschen - sie haben sich so gut wie gar nicht vorbereitet, sind höchstens ein bisschen gejoggt.

Und es kommt noch schlimmer: Die Franzosen erzählen von den schrecklichen Gefahren der Höhenkrankheit, die auf dem "Kili" lauern: Übelkeit und Kopfschmerzen seien noch die harmlosesten. Es seien aber auch schon Touristen an Lungenödemen gestorben - das sind ja schöne Aussichten.

Tag zwei, der Urwald lichtet sich, der Weg steigt weiter sanft an. Glückliche Gipfelstürmer kommen dem Trupp entgegen - aber auch viele, die es nicht geschafft haben. Wieder geht es rund 1000 Höhenmeter nach oben, bis das zweite Lager erreicht ist. Die Wolken brechen auf, und der von Schnee bedeckte Krater ragt in die Höhe. Unerreichbar sieht er aus. "Oh Gott, da müssen wir rauf?", flüstert Ulrike aus der deutschen Gruppe, völlig erledigt.

Wahrzeichen mit Schneekuppe: Der 5895 Meter hohe Gipfel
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Wahrzeichen mit Schneekuppe: Der 5895 Meter hohe Gipfel

Tag drei ist den roten Blutkörperchen gewidmet. Es geht nur ein bisschen aufwärts und dann wieder runter zum Lager, damit sich die Körper an die Höhe gewöhnen können. "Pole, pole", sagt Charly. Er ist jetzt wieder im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte.

Tag vier, der Tag der Entscheidung. Die Gruppe bricht auf und erreicht eine Mondlandschaft: Keine Mücke, kein Strauch, kein Baum, nur Steine und der Blick auf den Krater. Die Luft ist dünn. Es wird immer schwerer, einen Fuß vor den nächsten zu setzen. Nach zehn Stunden ist das dritte Lager am Fuße des steilen Kraters erreicht, auf etwa 4500 Metern Höhe. Das französische Pärchen muss sich übergeben. Höhenkrankheit ist Veranlagung, da kann man nichts machen.

Um Mitternacht weckt Charly die Gruppe für den entscheidenden Aufstieg. Der Zeitpunkt ist psychologisch wichtig, weil die Wanderer so den steilen Hang kaum sehen können. Mancher würde sonst den Mut verlieren. Die schwarze Piste wird nur von den Kopflampen der Führer schwach beleuchtet. Jeder Schritt wird zum Martyrium, das Atmen fällt schwer. Bei 5100 Höhenmetern machen drei Frauen kehrt. Eine Spanierin hat Gleichgewichtsstörungen. Charly feuert den Rest der Gruppe an: "Come on, you can do it". Mit letzter Kraft schaffen sie es bis zum Kraterrand: Gillman's Point in 5695 Metern Höhe bei minus 15 Grad. Die Sonne geht auf und scheint auf ein grandioses Afrika-Panorama.

Höhepunkt der Bergstrapazen: Der Uhuru Peakam Kilimandscharo
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Höhepunkt der Bergstrapazen: Der Uhuru Peakam Kilimandscharo

Den Franzosen geht es wirklich schlecht, sie müssen sofort wieder absteigen. Schadenfreude ist aber fehl am Platz, außerdem fehlt den anderen dafür die Energie. Noch zwei Stunden schleppen sich die restlichen Fünf am Kraterrand entlang, zum wirklich höchsten Punkt, dem Uhuru Peak. Jetzt treibt sie nur noch der Wille voran. Atmen ist fast unmöglich. Die Geburt ihres Sohnes sei einfacher gewesen, stöhnt Stephanie aus der deutschen Gruppe. Doch der Ausblick entschädigt für alle Strapazen: Rechts fällt der mit Schnee bedeckte Krater ab, links liegt den Wanderern das von der Sonne durchflutete Afrika zu Füßen.

Schnell ein paar Beweisfotos schießen, dann rutscht die Gruppe den Geröllhang hinunter. Der Abstieg erfolgt wie unter Drogeneinfluss: kichernd, stolz und glücklich. Die Gipfelstürmer verbringen eine letzte Nacht am Berg und erreichen am sechsten Tag die Ausgangsstation Moshi. Eine warme Dusche und ein Glas Bier später ziehen sie ihr Fazit: "Es war mit Abstand unser großartigstes Urlaubserlebnis, aber wir werden es garantiert nie wieder tun."

Gundi Gadesmann, gms



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