Hochgebirgsland Kirgisien Nicht von dieser Welt

Türkisfarbene Seen, blumenübersäte Hänge, schneebedeckte Siebentausender: Kirgisiens Natur ist noch unberührt - weil sie so mühsam zu erkunden ist. Fotograf Albert Dros hat sich dennoch aufgemacht.

Albert Dros

"Kennst du das Gefühl, wenn du unberührte Schönheit siehst? Irre Berge mit offenen Tälern? Es löst etwas in dir aus. Das hat Kirgisien bei mir bewirkt." Albert Dros, ein 33-jähriger Fotograf aus den Niederlanden, reiste in das zentralasiatische Land im Tian-Shan-Hochgebirge, um die Familie seiner Freundin zu besuchen - drei Wochen später war er Kirgisien verfallen.

Schon die Landung in der Hauptstadt Bishkek war faszinierend: "Du siehst sofort schneebedeckte Gipfel um dich herum." Mit der Höhe hatte er als Niederländer, "der unter dem Meeresspiegel lebt", anfangs Probleme. "Auf 3000 Metern zu sein, ist in Kirgisien normal - mit gelegentlichen Bergtouren auf über 4000 Meter." Wald gibt es kaum im gebirgigen Kirgisien, nur auf einem Fünftel der Fläche kann Landwirtschaft betrieben werden.

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Kirgisien: Schluchten und Siebentausender

"Ich liebe es, Länder zu erkunden, die sich nicht wirklich auf dem Radar von Fotografen und Reisenden befinden", sagt Dros. "Das inspiriert mich und beflügelt meine Kreativität." Bisher gibt es nur sehr wenig Touristen in Kirgisien - sie sind hauptsächlich auf der Seidenstraße und auf Wanderungen unterwegs. Erst seit 2010 ist das Land eine parlamentarische Republik und weist damit auch demokratische Strukturen auf. Die Gebirgswelt ist unberührt, die Straßen abseits der Städte sehr schlecht.

Schafherden vor Gletschern

"Ich war überrascht, dass die meisten Straßen als solche bei Google Maps markiert waren. Mit einem normalen Mietwagen könnte man dort gar nicht fahren, man benötigt zumindest einen Geländewagen." Nach Wanderungen auf steilen Pfaden könne man die schönste unberührte Natur überhaupt sehen: "Endlose Täler mit riesigen Bergen um dich herum, kristallklare türkise Seen, wilde Adler, Schluchten - dieses Land hat all das."

Die Vielfalt an Landschaftsformen auf so kleinem Raum erstaunte ihn. Nur wenige Stunden Autofahrt hätten ihn von schneebedeckten Bergen zu mondähnlichen Gegenden gebracht - mit roten Schluchten und außerirdischen Texturen. Da es keine Lichtverschmutzung gibt, könne man in der Nacht die Milchstraße am Himmel sehen, sagt Dros - "so hell wie nirgends sonst".

Lediglich 6,2 Millionen Menschen leben in Kirgisien, die meisten Muslime. Viele Kirgisen arbeiten im Ausland, vor allem in Russland, ihre Zahlungen an die Familie zu Hause macht etwa ein Viertel des Bruttosozialproduktes aus. Abseits der Städte wie Bishkek, Osch oder Dschalalabat und der Haupttäler ist das Land dünn besiedelt. "In den Tälern sieht man ab und zu Nomaden, die in Jurten leben." Sie seien zumeist Hirten, sagt Dros, und lebten ohne Luxus wie Elektrizität oder eine Toilette. "Man sieht Hunderte an Schafen und Pferden mit den Gletschern im Hintergrund. Ein sehr beeindruckender Anblick."

Das Leben sei sehr einfach, sagt Dros, der oft im Zelt übernachtete, begleitet von seiner Freundin und ihrer Familie oder von Guides. "Ich fragte mich, ob diese Menschen tatsächlich mehr benötigen. Sie leben von Tag zu Tag, mit ihren Tieren. Buchstäblich von der Welt abgeschnitten, leben sie in ihrem eigenen kleinen Kosmos."

abl

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