Koala-Tierpark in Australien Fototermin mit Beutelbär

30 Minuten Knuddelschicht pro Tag: Für die Koalas in einem Tierpark bei Brisbane sind die Streicheleinheiten von Touristen anstrengender Alltag. Hier kann man Australiens niedlichstem Nationalsymbol so nah kommen, wie es in der Natur nie möglich ist.

TMN

Brisbane - Rodney fühlt sich schön weich an. Mit beiden Greifhänden krallt sich der Koala in den Hemdsärmeln des Touristen fest. "Ruhig bleiben, nicht viel bewegen", rät die Pflegerin im Lone Pine Koala Sanctuary, einem Tierpark am Rande von Brisbane in Queensland. "Dann macht es euch beiden Spaß." Besucher und Beuteltier schauen sich kurz in die Augen, dann dreht der Koala sein Gesicht zur Seite. Was den Urlauber begeistert, ist für ihn Routine - und so etwas wie sein Job.

Rodney ist einer von 14 Koalas, mit denen sich Besucher des Lone Pine Koala Sanctuary gegen eine Gebühr fotografieren lassen können. Jedes der Tiere hat am Tag maximal 30 Minuten Knuddelschicht, sonst wird es zu stressig. Immerhin brauchen die nicht gerade vor Energie strotzenden Tiere bis zu 20 Stunden Schlaf am Tag. In der Hochsaison im Dezember und Januar, wenn täglich 2000 Besucher zu Gast sind, bilden sich Warteschlangen.

In dem Tierpark leben insgesamt rund 130 Koalas, dazu kommen ähnlich viele Kängurus und ihre kleineren Verwandten, die Wallabys. Auch Wombats, Schnabeltiere, Schlangen, Dingos, Tasmanische Teufel, Emus und ein Helmkasuar aus Nordqueensland lassen sich bewundern - sprich: fast alles, was die Tierwelt Australiens so interessant macht. Gute Zeiten für einen Besuch sind der frühe Vormittag sowie der Spätnachmittag, weil die Tiere dann besonders aktiv sind.

Vergeblich sucht man heute nach Spuren der verheerenden Flut, die Anfang 2011 weite Teile Queenslands heimsuchte und auch Lone Pine nicht verschonte: Wegen vieler Spenden, auch aus Deutschland, konnte das Gelände schnell wieder aufgeräumt werden, heißt es bei Tourism Queensland. Die Tiere waren alle rechtzeitig gerettet worden.

Streichel-Emus und Koala-Kindergärten

Angefangen hat der Betrieb in Lone Pine bereits 1927 mit zwei Koalas. "Bis vor etwa 20 Jahren ging es darum, hier eine Art von Genpool-Reserve zu haben, um sicherzustellen, dass die Art nicht ausstirbt", erklärt Tierpark-Rangerin Kelly Lindsay. Im April 1998 sei die erste künstliche Befruchtung eines Koalaweibchens in Lone Pine vorgenommen worden: Nach 34 Tagen brachte Robyn die kleine Lica zur Welt. "Eigentlich ging es aber nur darum, zu zeigen, dass so was funktioniert. Koalas sind normalerweise so fruchtbar, dass man eine künstliche Befruchtung bei ihnen überhaupt nicht benötigt."

Bei Führungen erklären Ranger die Känguru-Arten - zum Beispiel, was ein Eastern Grey von einem Red Kangaroo unterscheidet und welche Fellfarben es bei Wallabys gibt. Kinder und Erwachsene dürfen die Tiere füttern oder mal einen Emu streicheln.

Die Stars von Lone Pine aber bleiben die Koalas in ihren verschiedenen Gehegen. Es gibt einen "Kindergarten" für die ganz kleinen und ein "Altenheim" für Tiere, die älter als zwölf Jahre sind und damit die durchschnittliche Lebenserwartung übertroffen haben. "Hier bekommen sie die besten Blätter, die leicht zu kauen sind", erklärt Kelly Lindsay. "In der Wildnis sterben viele Koalas, weil sie keine Zähne mehr haben." Auch zum Knuddeln müssen die Oldies nicht mehr ran - dann können sie noch mehr schlafen als in ihrer Jugend.

Christian Röwekamp, dpa



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