Outdoor-Küche Schatz, hol mal die Frühstückseier ausm See

Ihr Budget ist überschaubar, die Küchenausrüstung simpel. Trotzdem machen zwei Franzosen ihre Weltreise zu einem unvergesslichen kulinarischen Highlight.

Anthony Laguerre

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"Blub, blub, blub", lacht Caroline Lopez, "so ging das die ganze Nacht." Sie und Anthony Laguerre waren mit ihren Falträdern abends im Höllental auf der japanischen Insel Hokkaido angekommen und hatten ihr Zelt mit letzter Kraft neben einem See aufgeschlagen. Das laute Sprudeln der heißen Quellen dort begleitete sie in den Schlaf. Es war Teil der Vorfreude auf das, was sie vorhatte. Den Plan hatte sie schon Monate zuvor in Frankreich gefasst. Als sie um vier Uhr aus dem Zelt kroch, bot sich ihr ein magischer Ausblick: ein Kratersee voll dampfendem Schwefelwasser. Die perfekte Outdoor-Küche!

Lopez' Plan: Frühstück machen - mit dem, was die Natur bietet. Sie nahm also ihr filigranes Drahtsieb, legte zwei Eier hinein und stellte das Ensemble in das blubbernde Kraterwasser. In einer Schüssel mischte sie Sojasauce, Dashipulver und Reiswein und hackte ein paar Frühlingszwiebeln klein. Und als die Eier nach einer halben Stunde fertig waren, mischte sie alles zusammen für die Spezialität Onsen Tamago - "das Ei in der Quelle". So saßen Lopez und ihr Partner Laguerre vor den Vulkanbergen mit Blick in den Nebeldampf und genossen ein köstliches und unvergessliches Frühstück.

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Abenteuerküche: Minimale Ausrüstung, maximaler Genuss

Wie das geht, auf Weltreise selbst zu kochen und ohne den üblichen Nuss-Schokoladen-Trockenobst-Mix auszukommen, erzählen die beiden nun in einem Buch: "Abenteuerküche für unterwegs" begleitet die Selbstversorger Lopez und Laguerre 400 Tage lang durch 24 Länder.

Minimale Ausrüstung, maximaler Genuss

Im Herbst vor vier Jahren ging es los: In Grenoble schnallte das Paar seine Wanderrucksäcke auf die Gepäckträger der Klappräder, reiste über Italien nach Griechenland, flog mit Kurzstop in Nepal und China nach Thailand, radelte bis Kuala Lumpur, weiter quer durch Südkorea und Japan, dann entlang der US-Westküste, stieg in Chile, Bolivien und Argentinien zwischendurch auf die Räder, bevor die beiden zurück nach Frankreich flogen. Und endlich wieder futtern konnten, was die damals 25- und 31-jährigen Franzosen die meiste Zeit vermisst hatten: Fondue, Cassoulet, französisches Brot und vor allem Käse, Käse, Käse.

Lopez' Verpflegungsansatz für die lange Reise: Sie wollte zum einen Zutaten, die sie vor Ort sammeln, kaufen, jagen konnte - und zugleich die Naturelemente als Werkzeug nutzen. Sie angelte Fische für das Abendessen im Mittelmeer, buk Schokokuchen mit Avocado als Butterersatz am Titicacasee, servierte eine thailändische Panna-Cotta-Version mit Kokosnussmilch, Agar-Agar und Mango direkt in den Milchpäckchen am Strand von Koh Adang, frittierte Blütendolden zu Krapfen, sammelte in Griechenland Brennesseln für eine Suppe, garte Fisch in Plastikbeuteln in den heißen Tümpeln von Loutra Epidsou, bereitete Bananeneis zu in den kühlen Höhen des Annapurna in Nepal und eben die japanische Eierspezialität Onsen Tamago in den Vulkanschwefelquellen von Hokkaido.

Ein Backofen ist schnell gebaut

Wie es klappt, mit wenig Ausrüstung, Lebensmittelvorräten und Budget unterwegs trotzdem kulinarisch nicht zu darben, hat sie deshalb genau aufgedröselt: "Das ist kein Kochbuch, bei dem man Rezepte befolgen soll", sagt Lopez, "ich will inspirieren, wie man es anders machen kann."

Dass sie einen anderen Blick aufs Essen hat, liegt bei ihrer Ausbildung auf der Hand: Sie hat Food Design studiert. Kurz bevor sie und Laguerre im Oktober 2014 von Grenoble aus aufbrachen, hatte sie ihren Abschluss gemacht. "Bei der Recherche in Reiseratgebern stieß ich damals immer wieder darauf, wie schlecht und sehr, sehr unkreativ andere unterwegs kochen. Es wurde für mich die Kernfrage: Wie sollen wir essen?", schildert Lopez ihr Dilemma. "Mir ging es darum, mit simplen Ideen besonderes Essen möglich zu machen."

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Caroline Lopez, Anthony Laguerre:
Abenteuerküche für unterwegs

Deutsche Verlags-Anstalt; 144 Seiten, 22,00 Euro

Deswegen schaute sie sich Campingutensilien durch ihre beruflich geschulte Brille an: "Ich überlege stets: Wie kann ich das, was ich habe, in etwas anderes verwandeln?", sagt sie. Und genau das tat sie für die Reise: Mit runden Backmatten transformierte sie den Normalo-Camping-Kochtopf zur Kuchenform - und indem sie den Deckel umdrehte, Feuerholz drauflegte und anzündete, simulierte sie obendrein einen Backofen. Außerdem packte Lopez eine Angel ein, ätherische Öle wie Lavendel als Würze und ein paar Instantprodukte wie Kartoffelflocken, Grieß, Polenta. Und Mehl. Lauter Zutaten für Notfälle. Aus den Kartoffelflocken bereitete sie, geplagt von schwerer Bronchitis und mit zu wenig Wasser im Gepäck, Gnocchi, das Mehl taugte immer wieder für selbstgemachtes Brot oder Nudeln.

"Ich finde es wichtig, jeder Mahlzeit etwas Poesie zu geben", sagt Lopez. "Eine traumähnliche Atmosphäre, inspiriert von der Umgebung: Das macht Essen zu einer alles umfassenden Erfahrung." Auch deswegen gehen die beiden, längst zurück in Frankreich, immer noch regelmäßig zelten und kochen draußen. Auf einen Kratersee als Küche müssen sie allerdings verzichten.

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insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
Papazaca 01.05.2018
1. Originelle Idee für Kennerinnen
Schöne Idee. Leider für mich schwierig, weil ich nicht so gut kochen kann. Dafür habe ich oft vor Ort gegessen, Saka Saka im Kongo oder Banku mit Tilapia in Ghana und vieles andere mehr. Aber ich kann Franzosen verstehen. Die haben eine tolle Küche und interessieren sich sehr für's Essen. Nur das um vier Uhr aufstehen schreckt mich etwas ab. Nein, ich korrigiere, es schreckt mich sehr ab.
karend 01.05.2018
2. .
Zitat von PapazacaSchöne Idee. Leider für mich schwierig, weil ich nicht so gut kochen kann. Dafür habe ich oft vor Ort gegessen, Saka Saka im Kongo oder Banku mit Tilapia in Ghana und vieles andere mehr. Aber ich kann Franzosen verstehen. Die haben eine tolle Küche und interessieren sich sehr für's Essen. Nur das um vier Uhr aufstehen schreckt mich etwas ab. Nein, ich korrigiere, es schreckt mich sehr ab.
"Leider für mich schwierig, weil ich nicht so gut kochen kann." Vielleicht ist es eine Anregung, das Kochen zu lernen. Es muss ja nicht gleich ein 4-Gänge-Menue sein. Wenn Sie wissen, wie was daheim funktioniert, kann das Improvisieren unterwegs beginnen.
heinz.murken 01.05.2018
3. Für Alle,
die keinen All-inklusive-Urlaub wollen, oder nicht mehr wollen, genau die richtige Inspiration. Zum Glück waren es Franzosen ... Großer Dank an die beiden !!!
M. Vikings 01.05.2018
4. Die Zahl der Nachahmer wird sich in Grenzen halten.
Auch ohne All-inklusive-Urlaub zu machen, lege ich doch Wert darauf im Urlaub möglichst nicht zu kochen. Meine Reiseziele nach den Kochmöglichkeiten in der Natur zu wählen engt mich auch zu sehr ein. Und ein zweites Buch darüber wird sich auch niemand ins Regal stellen.
Papazaca 01.05.2018
5. Mein persönliches Fazit.
Zitat von karend"Leider für mich schwierig, weil ich nicht so gut kochen kann." Vielleicht ist es eine Anregung, das Kochen zu lernen. Es muss ja nicht gleich ein 4-Gänge-Menue sein. Wenn Sie wissen, wie was daheim funktioniert, kann das Improvisieren unterwegs beginnen.
Stimmt, es ist wirklich eine Anregung, zu lernen, besser zu kochen. (Ein paar Sachen kann ich ja kochen, sogar ganz gut). Oder eine Französin heiraten (Wenn ich eine finde, die ja sagt ....)? Ein Artikel im SPON kann zu ungeahnten Konsequenzen führen. Und was mache ich, wenn ein Bericht über die italienische Küche folgt?
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