Tauchen in Indonesien Manta, Manta

Wer Glück hat, sieht bei einem einzigen Tauchgang Dutzende Mantas: Im indonesischen Komodo-Nationalpark locken die majestätischen Meerestiere Wassersportler aus aller Welt an. Manche sind so beeindruckt, dass sie spontan beim Tierschutz helfen.

Moritz Drabusenigg

Die Strömung zerrt am Neoprenanzug. Obwohl das Wasser 27 Grad Celsius warm ist, kriecht langsam die Kälte in die Glieder. Auf dem Meeresboden kullert weißes Geröll aus totem Korallenkalk. Die Sicht reicht etwa zwölf Meter, dann verschluckt das planktonreiche Wasser alle Konturen und Farben. Ansonsten: erst mal nichts. Die Riesenrochen lassen heute auf sich warten.

Drei Stunden lang ist das blau-weiße Holzboot "Rajawali" vom Fischerstädtchen Labuan Bajo an der Westküste der indonesischen Insel Flores bis zum Manta Point getuckert. An Bord: zehn Taucher, die aus der Schweiz, Korea, USA und Großbritannien ans andere Ende der Welt gereist sind, um Mantas zu beobachten. Bis 2004 kannten nur die lokalen Fischer diesen Ort, den sie "Karang Makassar" nennen. Heute steuern in der Hochsaison zwischen Juni und Oktober täglich Dutzende Touristenboote den Tauchspot an.

Manche Besucher erleben unter Wasser eine Geduldsprobe. Als die Gruppe schon seit 40 Minuten über die öde Ebene am Manta Point treibt, klopft die Tauchführerin Elly Germanov endlich gegen ihre Luftflasche. Ein schwarzer Schatten nähert sich von oben. Die Taucher sinken flach auf den Boden und versuchen, der Strömung zu trotzen.

Ein Mantarochen schwebt nun direkt über den Menschen und lässt seinen weißen Bauch von den Luftblasen kitzeln. Vom Kopf bis zur Schwanzspitze misst er etwa fünf Meter. Wie Flügel bewegen sich seine Flossen auf und ab, während er elegante Pirouetten dreht. Der lange Schwanz streift beinahe die Köpfe der Taucher. Das breite Maul ist weit geöffnet, um Plankton zu filtern - zum Glück sind Mantas Vegetarier und tragen keinen Giftstachel am Schwanz.

"Mantas sind neugierige Geschöpfe", sagt die gebürtige Bulgarin Elly, als alle zurück an Bord sind. "Sie machen mich glücklich. Egal, wie stressig der Tag war - wenn ich mit Mantas tauche, fühlt sich alles gleich viel besser an."

Elly verbringt zur Hauptsaison täglich acht Stunden auf dem Boot oder unter Wasser. Mit ihrer zierlichen Statur traut man der 30-Jährigen kaum zu, dass sie jeden Tag mit den schweren Tauchflaschen hantiert. Um ihren Hals baumelt eine Muschelkette, ein rot-grüner Paradiesvogel schmückt als Tattoo ihre sonnengebräunte Schulter. Selbst im extradicken Neopren schlottert sie nach jedem Tauchgang am ganzen Körper.

Drachen und Rochen

Braune Inselberge mit steil abfallenden, rot-weißen Kliffen ziehen an der "Rajawali" vorbei. Grüne Mangrovenstreifen säumen menschenleere Sandbuchten wie aus einem Robinson-Crusoe-Film. Nach drei Tauchgängen steht die Sonne schon tief über dem Meereshorizont, als das Boot mit laut ratterndem Motor zurückschippert.

Rund hundert vulkanische Inseln gehören zum Komodo-Nationalpark, der seit 1991 zum Unesco-Weltnaturerbe zählt. Auf den beiden größten Inseln Komodo und Rinca jagen urzeitliche Riesenwarane nach Büffeln, die sie mit tödlichen Bakterien im Speichel vergiften. Die meisten Touristen kommen hierher, um sich vor den "Komodo Dragons" zu gruseln. Doch bei Tauchern stehen die riesigen Rochen ganz oben auf der Wunschliste.

"Als ich zum ersten Mal hierherkam, hatte ich das unglaubliche Glück, Hunderte Mantas zu sehen. Sie waren überall um mich herum!", sagt Elly und zieht ihren Schal gegen den kühlen Fahrtwind noch etwas höher über das Kinn.

Seit zwei Jahren arbeitet sie für das Tauchzentrum DiveKomodo in Labuan Bajo. Elly wuchs in Kanada auf und studierte Mikrobiologie. Eigentlich stand ihr eine Karriere in der Forschung bevor, doch während einer sechsmonatigen Auszeit entdeckte sie in Honduras ihre Leidenschaft fürs Tauchen.

Heute setzt sie sich als lokale Projektkoordinatorin von MantaWatch für den Tierschutz ein. Als sie ein Foto von geschlachteten Mantas sah, gab das den Anstoß, selbst aktiv zu werden.

Lukratives China-Geschäft

Mantas haben bis auf einige große Haiarten keine natürlichen Feinde. Dennoch schrumpfte ihre weltweite Population in den letzten 75 Jahren um 30 Prozent. Schuld sind ausbeuterische Fischerei, die Verschmutzung der Meere und andere Zivilisationseinflüsse. Früher jagten indonesische Fischer die Rochen mit Harpunen und verkochten das Fleisch mit Kokosmilch und Chilis zu einem würzigen Gericht.

Heute werden die Tiere in vielen Ländern kommerziell gejagt. Ein lukratives Geschäft: In China zahlen Händler bis zu 220 Dollar für ein Kilo getrocknete Mantakiemen. Sie gelten in der traditionellen chinesischen Medizin als Allheilmittel - die Nachfrage wuchs in den vergangenen Jahren rasant.

Wenn der Monsun beginnt, will Elly in die Dörfer im Hinterland reisen, um den Menschen dort vom Wert der Mantas zu erzählen: "Die lokalen Gemeinden sollen auf die Mantas ebenso stolz sein wie auf ihre Komodo-Warane. Die werden nicht mehr gejagt, seit die Menschen erkannt haben, dass die Tiere langfristig mehr Geld einbringen, wenn man sie schützt."

Mantaschutz zum Mitmachen

Nach Feierabend sortiert Elly Datenbögen, auf denen Kollegen von anderen Tauchschulen und indonesische Freiwillige ihre Mantasichtungen notieren. Außerdem sammelt sie Fotos, die sie in die digitale Datenbank von MantaWatch einspeist. Auch immer mehr Touristen steuern Bilder bei.

Anhand des einzigartigen schwarzen Fleckenmusters an der Unterseite der Tiere erkennt das MantaWatch-Team einzelne Individuen. Mit Zeitpunkt und Ort der Sichtungen kann Elly sogar die Migration der Mantas verfolgen. Überraschende Erkenntnis: "Die in Komodo heimischen Riffmantas sind dieselben wie in Nusa Lembongan", sagt Elly. "Das heißt, sie wandern zwischen Komodo und Bali. Und genau dazwischen, an der Ostküste von Lombok, liegt eines der größten Mantafischer-Dörfer in ganz Indonesien - eine furchtbare Vorstellung!"

Im kleinen Büro von DiveKomodo stehen die Taucher Schlange. Alle wollen den Tanz der Mantas sehen. Und jeder mit einer Unterwasserkamera kann dazu beitragen, die sanften Meeresriesen in Zukunft zu schützen.

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insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
jetlag chinaski 15.01.2014
1. kann nicht jemand mal die chinesen aufklären?
danke!
hummel1 15.01.2014
2. Einfach genial!
Mantas waren auch für mich de Grund mit dem Tauchen anzufangen. Beeindruckende und sehr erhabene Tiere!
jetlag chinaski 15.01.2014
3. kann nicht mal jemand der einigermaßen
chinesisch kann, rüberfliegen und auf diese Menschen einwirken, und erklären, dass man so einiges heutzutage synthetisch herstellen kann, und es der öffentlichkeit durchaus als natürlich erklären kann.... ich meine ja nur... mantakiemen... leute... denkt mal nach! gleiches gilt für unsere japanischen freunde: lasst die armen wale und delphine in ruhe... der ewige kampf zwischen gestern und übermorgen... was anderes sind die grönländer, die können meinetwegen ihren wal pro jahr haben, es sei den, sie fangen an erdöl zu verkaufen, dann ist auch schluss mit archaischen ausreden rund ums meerestier abschlachten.
Altesocke 15.01.2014
4. Vom Kopf bis zur Schwanzspitze misst er etwa fünf Meter.
Whow, wenn er schon 5m lang war, was fuer eine Spannweite muss der erst gehabt haben. Gibt es keine Taucher in der Redaktion?
bigjim68 15.01.2014
5. optional
Bevor man Indonesien besucht, solltem man sich mal über die Menschrechtsverletzungen und den Genozid informieren. eigentlich sollte so ein Land boykottiert werden. Ein Beispiel dafür dieser Film. so etwas absurdes hab ich noch nicht gesehen. http://m.youtube.com/watch?v=_L3kpcZ3lR8&desktop_uri=/watch?v=_L3kpcZ3lR8
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