Privatinseln der Kreuzfahrt-Reedereien Wenn die Weltmeere nicht genug sind

Laba-da-ba-dee! Auf Haiti schwingen Kreuzfahrer per Seilrutsche übers Meer. Doch das ist nicht das einzige Spektakel, das Reedereien auf ihren Privatinseln bieten - in der Karibik wie im Persischen Golf.

Katherine Wessel / RCL Cruises Ltd. / TMN

Kreuzfahrer mögen das Meer. Sie mögen es, die Welt möglichst bequem zu entdecken - viel zu sehen, ohne große Strapazen auf sich zu nehmen. Doch was, wenn die Wellen irgendwann langweilig werden, wenn selbst die angesteuerten Häfen und Ziele ihre Reize verlieren, wenn der Landgang zu anstrengend ist?

Für manch einen mag es beglückend sein, dann auf einer Privatinsel zu landen - mit viel Komfort und vor allem mit abgeschirmten Stränden. Etliche Kreuzfahrtreedereien haben in den vergangenen Jahren große Flächen Land auf Inseln erworben und diese zu eigenen Destinationen ausgebaut - mit Wasserparks, Ziplines, Restaurants und Spas.

Mit dem Erleben von Land und Leuten hat der Besuch solcher Privatinseln nichts zu tun. Vielmehr ist es eine Erweiterung des Freizeitparks, zu dem sich die großen Kreuzfahrtschiffe der großen Reedereien inzwischen entwickeln, vom Wasser aufs Land - abgeschottet vom Rest der Insel.

Sieben solcher Inseln gibt es derzeit in der Karibik und eine in den Emiraten am Persischen Golf. Allein ist der Passagier dort freilich nicht, er muss sich das Eiland mit den anderen Bordgästen teilen. In einigen Dingen ähneln sich die Inseln, doch es gibt auch Unterschiede. Der Überblick:

Castaway Cay (Disney Cruise Line)

Der Name ist hier zumindest teilweise Programm. Einige Gebäude auf der Bahamas-Privatinsel sehen wie Schiffswracks aus - die Kreuzfahrtschiffe jedoch liegen sicher an einem eigenen Pier an. Die Reederei Disney Cruise Line kaufte die Insel 1996, nutzt jedoch nur einen kleinen Teil, der größte ist Wildnis.

In dem erschlossenen Bereich erwarten die Passagiere unter anderem eine Lagune zum Schnorcheln, ein Wasserpark für Kinder, Parasailing oder Glasbodenboot-Touren. In einem offiziellen Postamt gibt es spezielle Castaway-Stempel. Und natürlich sind auch bekannte Disneyfiguren auf der Insel unterwegs.

Labadee (Royal Caribbean)

Die Privatinsel ist benannt nach Marquis de la Badie, dem ersten Siedler an der nördlichen Küste der Insel Hispaniola. Heute wird die Halbinsel, die zu Haiti gehört, regelmäßig von Royal Caribbean und den Schwesterreedereien Celebrity und Azamara angefahren. Seit 2009 können dank einer Pier auch die weltweit größten Kreuzfahrtschiffe der Oasis-Klasse anlegen.

Was Passagiere auf Labadee erwartet? Sie können an einer 800 Meter langen Zipline über eine Bucht hinwegsausen, Achterbahn fahren und Rennboot-Ausflüge unternehmen.

So ein Entertainment-Angebot wirkt freilich recht künstlich gegen die mit viel Lebensfreude zelebrierten Kultur Haitis. Doch von der authentischen kreolischen Küche, den Voodoo-Ritualen und kunterbunten Festivals wie dem haitianischen Karneval bekommen die Kreuzfahrer nichts mit. Sie können das Resort Labadee nicht verlassen, denn die Anlage ist nach Reedereiangaben komplett vom restlichen Haiti getrennt.

Coco Cay (Royal Caribbean)

Die zweite Privatinsel von Royal Caribbean ist Coco Cay. Sie ist ein Teil der Inselkette der Berry Islands (Bahamas). Der Name kommt von den Kokospalmen am Strand. Unter anderem gibt es hier neben Wassersportmöglichkeiten einen knapp fünf Kilometer langen Naturerlebnis-Wanderweg.

Great Stirrup Cay (Norwegian Cruise Line)

1977 erwarb Norwegian Cruise Line als nach eigenen Angaben erste Reederei mit Great Stirrup Cay eine Privatinsel. Bis zum Sommer werden auf dem 62 Hektar großen Bahamas-Eiland umfangreiche Renovierungsarbeiten durchgeführt. Es entstehen zum Beispiel neue Restaurants. Der Strand ist künftig über eine 800 Meter lange Promenade erreichbar. Neu wird auch eine 300 Meter lange Zipline sein.

Wer es ruhiger mag, dem steht ein exklusives Lagunen-Resort mit eigenem Strand, Restaurant und Spa zur Verfügung. Hier haben vor allem die Suitengäste und extra zahlende Passagiere Zutritt.

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Kreuzfahrten: Luxusliner mit Privatstrand

Harvest Caye (Norwegian Cruise Line)

Erst im vergangenen Herbst hat Norwegian Cruise Line in der Karibik mit Harvest Caye eine neue Privatinsel eröffnet. Doch offiziell spricht bei der Reederei niemand von einer Privatinsel, sondern eher von einer "Karibikdestination". Hintergrund ist, dass zum Beispiel Getränkepakete von Bord nicht an Land gelten. Außerdem stammen die meisten Mitarbeiter aus Belize und kommen nicht vom Schiff mit an Land.

Kostenfalle beim Kreuzfahrt-Stopp
Getränke und Speisen
Bei einigen Reedereien ist die Verpflegung auf der Privatinsel inklusive, sprich es gibt kostenlose Speisen und Getränke, sofern man denn an Bord entsprechende Getränkepakete gebucht hat. Auf einigen Inseln - wie zum Beispiel Harvest Caye von Norwegian Cruise Line - gelten die Getränkepakete an Land allerdings nicht. Auch Speisen müssen dort extra bezahlt werden. In solch einem Fall stellt sich die Frage: Wie ist der Transfer organisiert?
Pier oder Tenderboot?
Liegt das Schiff an einem Pier oder muss man mit Tenderbooten an Land und wieder zurück an Bord fahren? Im ersten Fall kann man auch für ein Getränk oder für das Mittagessen schnell mal zurück an Bord und später wieder auf die Insel. Im zweiten Fall dauert der Transfer oft etwas länger, beim Aus- und Einschiffen kann es Wartezeiten geben.

Auf der Insel gibt es für Passagiere einen riesigen Süßwasserpool, ein Vogelhaus mit Aras, eine Seilrutsche und ein Elektro-Floß. Durch die Nähe zum Festland sind zudem Landausflüge in Belize möglich. Die Insel soll ein ganz normaler Hafenstopp sein. Streng genommen ist Harvest Caye aber doch eine Privatinsel, weil außer Norwegian Cruise Line und ihren Schwestern Regent Seven Seas und Oceania niemand sonst dort anlegt.

Half Moon Cay (Holland America Line)

Reiten, Schnorcheln, Segeln: Die zu den Bahamas gehörende Privatinsel von Holland America Line feiert in diesem Jahr ihr 20-jähriges Bestehen. Im Dorf kann man sich die Haare flechten lassen oder Muschelschmuck kaufen, die Cabanas am Strand sind mit Butlerservice und in den vergangenen Monaten wurde kräftig renoviert - es gibt neue Katamarane und eine Austern-Bar.

Ursprünglich wurde Half Moon Cay ausschließlich von Holland America Line angelaufen, mittlerweile nutzen sie auch Schwesterreedereien wie Carnival Cruise Line, Seabourn oder Cunard. Der Name kommt sowohl vom langen mondförmigen Strand, als auch vom englischen Seefahrer Henry Hudson, dessen Schiff "Half Moon" auch das Logo des Unternehmens bildet.

Princess Cays (Princess Cruises)

Auf der kleinen Bahamas-Insel Eleuthera rund 80 Kilometer von Nassau entfernt besitzt die US-Reederei Princess Cruises seit 1992 einen eigenen privaten Bereich. Im Gegensatz zu vielen anderen Privatinseln ist Eleuthera von Einheimischen bewohnt. Unter anderem bietet Princess Cays einen Aussichtsturm, am Strand gibt es Barbecue und verschiedenste Wassersportangebote. Ab Frühjahr 2017 fährt auch Carnival Cruise Line die Insel regelmäßig an.

Ocean Cay Marine Reserve (MSC)

Die Privatinsel von MSC ist noch im Entstehen. Der erste Spatenstich für das Ocean Cay MSC Marine Reserve auf den Bahamas ist im Frühjahr 2017 geplant. Die 38,5 Hektar große und 105 Kilometer östlich von Miami gelegene Insel soll unter anderem einen 3,5 Kilometer langen Strand bieten. Daneben sind ein Amphitheater für bis zu 2000 Personen, Restaurants, Bars und Geschäfte geplant. Für Gäste des MSC Yacht Clubs soll es in einem Teil der Insel ein eigenes Spa mit privaten Bungalows geben.

Sir Bani Yas Island

Anfang Dezember ist die erste Privatinsel außerhalb der Karibik in Betrieb gegangen: Sir Bani Yas Island liegt westlich von Abu Dhabi im Persischen Golf. Auf einer vorgelagerten Insel ist ein rund 2,4 Kilometer langer Strand entstanden. Neben einem Spa-Bereich gibt es rund 2000 Sonnenliegen, einen eigenen Familien- und Kinderbereich, ein Beduinenzelt, in dem Kunsthandwerk aus der Region verkauft wird, sowie eine Lounge mit Bar und Livemusik. An den Anlauftagen steht sie exklusiv Gästen des jeweiligen Schiffs zur Verfügung. Unter anderem wird die Insel von MSC genutzt.

Michael Zehender/dpa/jus



insgesamt 17 Beiträge
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Seite 1
taglöhner 30.01.2017
1. Viel Spaß zusammen
So ein Cruiser lädt so um die 3000 Passagiere. Bei 2-3000m Strand weiß man dann schon Bescheid :)).
Pless1 30.01.2017
2. Keine echten Privatinseln
Wer mit einem solchen Urlaub prahlt dem würde ich entgegenhalten: Die Inseln gehören ja Firmen, im Konkreten Tourismuskonzernen. Echte Privatinseln sind das also nicht. Wohl dem, der eine wirklich private Insel hat, auf die er sich zurückziehen kann! Ich gehöre dazu, denn in meinem Besitz befindet sich in der Tat auch ein kleines, sehr versteckt liegendes und schwer zu erreichendes Eiland mit üppiger Vegetation, die süßeste Früchte hervorbringt! Ich muss ja nicht jedem Prahlhans dann gleich unter die Nase halten, dass mein Inselchen nur rund 500 m² groß ist und in einem nur unwesentlich größeren Teich mitten in Deutschland liegt, umringt von einer schönen Streuobstwiese...
ohne_mich 30.01.2017
3. #1 Passagiere vs Strand
Ein Passagier pro laufendem Meter Strand? Bei einem 20-30m breitem Strand ist das angenehm leer. Am Ballermann oder ähnlichen Touri-Hochburgen dürfte es weit enger zugehen.
c.PAF 30.01.2017
4.
Zitat von Pless1Wer mit einem solchen Urlaub prahlt dem würde ich entgegenhalten: Die Inseln gehören ja Firmen, im Konkreten Tourismuskonzernen. Echte Privatinseln sind das also nicht. Wohl dem, der eine wirklich private Insel hat, auf die er sich zurückziehen kann! Ich gehöre dazu, denn in meinem Besitz befindet sich in der Tat auch ein kleines, sehr versteckt liegendes und schwer zu erreichendes Eiland mit üppiger Vegetation, die süßeste Früchte hervorbringt! Ich muss ja nicht jedem Prahlhans dann gleich unter die Nase halten, dass mein Inselchen nur rund 500 m² groß ist und in einem nur unwesentlich größeren Teich mitten in Deutschland liegt, umringt von einer schönen Streuobstwiese...
Trotzdem, mein Neid verfolgt Sie wohlwollend... ;-) Ich habe zumindest das Glück, hinter dem Haus knapp 10.000qm eigenen Garten zu haben. Ist zwar keine Insel, bietet aber dennoch ebenfalls etliche Freiheiten. Kreuzfahrten? Nichts für mich. Schon garnicht mit einer so widerlichen Umweltsau, wie es ein Kreuzfahrtschiff nun mal ist.
taglöhner 30.01.2017
5.
Zitat von ohne_michEin Passagier pro laufendem Meter Strand? Bei einem 20-30m breitem Strand ist das angenehm leer. Am Ballermann oder ähnlichen Touri-Hochburgen dürfte es weit enger zugehen.
Jau, wenn Ballermann der Maßstab ist. Sie gehören jetzt aber nicht zu den Glücklichen, die für lau die Inseln bereisen durften, um sie hernach bei SPON ordentlich anzupreisen ;)?
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