Kreuzfahrt nach Kuba 24 Stunden in Havanna

Jahrzehntelang herrschte Eiszeit zwischen Kuba und den USA. Mittlerweile steuern US-Kreuzfahrtschiffe wieder Havanna an. Doch wie viel Kuba kann man an nur einem Tag erleben?

Cubanisches Fremdenverkehrsamt / TMN

In der "Bodeguita del medio" ist es stickig. Die winzige, knallbunte Bar im Herzen von Havanna ist voller Touristen. Sie schlürfen ihre Mojitos und beäugen kritisch ein gerahmtes Stück Papier. "My mojito in La Bodeguita. My daiquiri in La Floridita", steht dort schwungvoll hingekritzelt, unterschrieben von Ernest Hemingway.

Ob der berühmte US-Schriftsteller allerdings wirklich jemals einen Fuß in die "Bodeguita" gesetzt hat, ist umstritten. Es wird gemunkelt, das werbewirksame Stück Papier sei eine Fälschung. Dennoch ist die Bar immer voll. Wer nicht wegen Hemingway kommt, kommt wegen der köstlichen Mojitos - der kubanische Cocktail soll hier erfunden worden sein.

Heute sind vor allem amerikanische Touristen in der berühmten Bar. Kurz zuvor sind sie im Hafen von Havanna von Bord des Kreuzfahrtschiffs "Norwegian Sky" gegangen. Die meisten von ihnen sind zum ersten Mal in Kuba - und für viele ist das ein kleiner Kulturschock.

Gerade einmal 225 Seemeilen trennen Miami von Havanna, eigentlich ein Katzensprung. Doch zwischen der Partymetropole in Florida und der kubanischen Hauptstadt liegen Welten: Der Inbegriff des Kapitalismus auf der einen Seite - eine der letzten bröckelnden Bastionen des gelebten Sozialismus auf der anderen.

DPA

Erst Eiszeit, nun Annäherung

Mehr als 50 Jahre lang herrschte diplomatische Eiszeit zwischen den USA und Kuba. Nach dem misslungenen Versuch, Fidel Castro zu stürzen, hatten die USA in den Sechzigerjahren ein Handelsembargo gegen Kuba verhängt. Erst unter Präsident Barack Obama näherten sich die Regierungen wieder etwas an. Seither kommen amerikanische Touristen in das Land.

Die Reederei Norwegian Cruise Line mit Sitz in Miami läuft seit Mai 2017 Kuba an. "Damit ist auch ein Wunschtraum unseres Geschäftsführers Frank del Rio in Erfüllung gegangen", sagt Christian Böll, der für den europäischen Markt zuständig ist. Auf dem Schiff erzählt man sich, del Rio habe oben auf der Brücke gestanden und Tränen in den Augen gehabt, als die "Sky" zum ersten Mal in Havanna einlief. Seine Familie stammt aus Kuba.

"Mit China und Russland machen wir Geschäfte, aber unsere Nachbarn hier, die verschmähen wir", sagt ein Kreuzfahrtgast aus New Jersey. "Ist doch eine Schande." Die Gäste haben ihre Drinks inzwischen ausgetrunken und schlendern im fahlen Licht der Straßenlaternen durch die Gassen der im 16. Jahrhundert gegründeten Stadt. Dass es so nah zu ihrer jungen Heimat einen Ort mit so viel Geschichte gibt, erstaunt viele. Der historische Kern der Altstadt "La Habana Vieja" gehört zum Unesco-Weltkulturerbe.

"Ganz schön heruntergekommen"

Aber nicht alle können der abblätternden Farbe an den Barockfassaden etwas abgewinnen: "Ganz schön heruntergekommen", sagt ein Mann. Viele der amerikanischen Touristen können nicht verstehen, dass man die schmucken Gebäude nicht anständig in Schuss hält. Allzu viel Zeit, sich darüber Gedanken zu machen, bleibt aber nicht. Kaum ist der erste Stadtplatz umrundet, leiten die kubanischen Touristenführer ihre Gruppen in die nächste Bar.

Und sofort ist es wieder da - das Gefühl, in den USA zu sein und nicht auf Kuba. "Wir dekorieren die Schiffe nicht nach dem Zielhafen", sagt Roland Schröck, stellvertretender Hoteldirektor auf der "Norwegian Sky". Wie die meisten US-Kreuzfahrtschiffe ist auch die "Sky" eine Art Außenposten der Vereinigten Staaten: Niemand muss hier mittags auf seinen Burger verzichten, abends unterhält ein einigermaßen berühmter amerikanischer Comedian die Gäste.

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Kreuzfahrt nach Havanna: Ein Schlückchen Kuba

Am nächsten Morgen geht es dann wieder hinaus nach Kuba. Wer sich nicht die private Tour in einem der legendären amerikanischen Oldtimer leistet, besteigt einen voll klimatisierten Bus. "Ultimative Highlights" stehen auf dem Programm, einer der meistgebuchten Ausflüge.

Erster Stopp ist ein Friedhof: Auf dem Cementerio Cristóbal Colón liegen etwa 53.000 Familien begraben. Mehr als 56 Hektar ist die beeindruckende "Stadt der Toten" groß. Den Preis für das meistgeknipste Foto ergattern aber nicht die Mausoleen. Stattdessen schleichen die Kreuzfahrtgäste um die auf dem Friedhof parkenden Oldtimer - auf der Suche nach dem perfekten Winkel für ein Stillleben mit Auto. Ohne anständige Bilder von chromblitzenden Chevrolets und knallpinken Fords aus den Fünziger- und Sechzigerjahren will hier definitiv niemand zurück in die Staaten schippern.

Wo gibt es günstig Zigarren und Rum?

Bei der anschließenden Stadtrundfahrt saust der Bus so schnell am sagenumwobenen Hotel Nacional vorbei, dass die Gäste Mühe haben, die Fassade zu erkennen. Wer den einstigen Treffpunkt der amerikanischen Drogenbosse - auch bekannt aus dem zweiten Teil des Films "Der Pate" - genauer unter die Lupe nehmen will, fährt besser auf eigene Faust hin.

Am Ende der Rundfahrt steht noch eine Frage im Raum: Wo gibt es günstig Zigarren und Rum? Die Antwort lauert in einem kleinen Keller, der vor Touristen überquillt. Das ernüchternde Fazit: Rum ist billig, die Zigarren teuer. Aus amerikanischer Sicht eine ungünstige Kombination, weil in die USA wenig Rum, aber viele Zigarren eingeführt werden dürfen. Vom Kauf hält das kaum jemanden ab.

Bepackt mit den vermeintlich unauffälligen Plastiktüten geht es zurück in Richtung Bus. Für den obligatorischen Spaziergang auf Havannas berühmter Uferpromenade, dem Malecón, bleibt kaum mehr Zeit. Rund 24 Stunden nach dem Anlegen heißt es für die Gäste der "Sky": Zurück an Bord bitte.

Mehr als ein Schlückchen Kuba hat kaum einer gekostet, so viel ist klar. Aber immerhin wurde die Begeisterung für die Insel geweckt: "Wir kommen definitiv wieder." Dieser Satz fällt mehrfach, während das Schiff den Hafen von Havanna im strömenden Regen Richtung Bahamas verlässt.

Teresa Nauber, dpa/kry

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selbstdenken 24.01.2018
1. Die Bodeguita del Medio
darf ja wohl in keinem Touristenführer fehlen - leider zu unrecht. Aber mittlerweile interessiert das wohl keinen Touristen mehr. Ich glaube jedoch eher der Darstellung von T.J. English in seinem Buch Havana Nocturne (Kapitel 14), wo er beschreibt, wie der Teilhaber der Bodeguita - Fernando Campoamor (Klatschjournalist) - die Mär in die Welt setzt, um den Umsatz und damit seinen Gewinnanteil zu vergrößern. Campoamor hat den Spruch wohl eigenhändig an die Wand geschrieben. Laut English soll Hemingway selbst sogar nur ein Mal dort gewesen sein, als er sich von einem Tourguide dorthin führen ließ.
sir wilfried 24.01.2018
2. Embargo außer Kraft?
Die USA unterbinden noch immer direkte Verbindungen zwischen USA und Cuba. Die Kubaner warten auch keineswegs auf die Yankies. Der Umweg geht über Kanada. 2/3 der Touristen auf Cuba kommen aus Kanada. Darunter auch viele US-Bürger.
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