Kurioses aus dem Cockpit: "Drücken Sie die Stewardess fest auf Mund und Nase"

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Die Sicherheitseinführung im Flugzeug muss nicht langweilig sein - wenn die Crew plötzlich von Haien, neckischen Leuchten und dem fünften Triebwerk spricht. SPIEGEL-ONLINE-Leser verraten ihre absurdesten Anekdoten aus der Luft und was es heißt, wenn der Pilot sagt: "Wir haben 10.000 Nieten an Bord!"

Sicherheitseinführung: Kontrollgriff nach der Weste unter dem Sitz wirkt beruhigend Zur Großansicht
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Sicherheitseinführung: Kontrollgriff nach der Weste unter dem Sitz wirkt beruhigend

Sie schwenkt die Arme, lässt Gurtschnallen zuklicken, pustet andeutungsweise ins Röhrchen: Die Stewardess ist zum "Sicherheitsballett" angetreten, wie Vielflieger die Einweisung vor Flugbeginn bezeichnen. Mit ausgeklügelter Choreografie und leicht gequältem Lächeln ringt sie um die Aufmerksamkeit eines wenig dankbaren Publikums. Dieses vertreibt sich die Wartezeit bis zum Start hinter raschelnden Zeitungen, mit einem Schwatz unter Kollegen oder versucht, mit angstfeuchten Händen die Fassung zu bewahren. Eine Szene, die sich tagtäglich unzählige Male auf Flughäfen abspielt.

Der Crew auf einem Flug von Köln nach Manchester jedoch gelang es, ihre Fluggäste aus der Routine zu reißen. "Ihre Schwimmweste verfügt über eine neckische Leseleuchte, die beim Kontakt mit Wasser automatisch aufleuchtet", blödelte eine der Flugbegleiterinnen, "sowie über eine Pfeife, um Haie anzulocken." Sie zog sich den gelben Rettungskragen über und zupfte vor einer amüsierten Zuhörerschaft an den Strippen.

Die Präsentation der grellfarbenen Weste ist oft der Höhepunkt dieser Ballettaufführung - auch wenn von Meer, Fluss oder See weithin nichts zu sehen ist und etwa in Europa die wenigsten Flüge über größere Wasserflächen führen. Aber auch wenn es über den Ozean geht oder auf einer Piste am Meer gelandet wird, ist die Wahrscheinlichkeit, nach einem Absturz im Wasser zu treiben, im Jet-Zeitalter verschwindend gering. Und damit auch die Sicherheit, die eine Weste bieten kann.

Aberglaube und Flugangst

Bei Flügen über Land sind europäische Fluggesellschaften nicht verpflichtet, Rettungswesten mitzuführen. Aber sie tun es, obwohl das Gewicht der Westen den Treibstoffverbrauch erhöht. Logistisch wäre das Aus- und Umpacken zu aufwendig, heißt es, doch noch ein Faktor könnte eine Rolle spielen: Der Kontrollgriff nach dem Paket unter dem Sitz wirkt beruhigend auf flugängstliche Passagiere. Die zwar nicht der Hochtechnologie des millionenteuren Flugzeugs vertrauen, aber ihre Hoffnungen in das dünnschichtige Nylon-Utensil setzen - samt Pfeifchen, Lämpchen und Aufblasautomatik.

Der Glaube an die Rettungsweste ist so groß, dass Air Canada Jazz im August 2008 einen Sturm der Entrüstung entfachte, als sie - mit den Gesetzen ihres Landes konform - beschloss, auf Rettungswesten zu verzichten, und Sitzkissen als Schwimmhilfen deklarierte: Die kanadische Regionalfluglinie wollte Kerosin und Kosten sparen. Dass sie damals praktisch ausschließlich über Festland flog, beruhigte wenig. "Wie sollen sich denn Arthritis-Patienten an ein Kissen krallen", entsetzte sich eine Frau im Fernsehen und sah sich ihrer Sicherheit an Bord beraubt.

Da nehmen viele Fluglinien wie Lufthansa, Alitalia oder Singapore Airlines mehr Rücksicht auf die Gefühle ihrer Kunden: Sie verzichten sogar in ihren Flugzeugen auf die Sitzreihe 13 - damit Flugangst und Aberglaube sich nicht potenzieren.

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