Lake Eyre in Australien Wasserfarben in der Wüste

In T-Shirt und Shorts in 4000 Metern Höhe: Dass Australier hart im Nehmen sind, beweist ein Cessna-Pilot, als er mit luftiger Kleidung und offener Tür über die Simpsonwüste fliegt. Traumhaft sind hier oben die Bedingungen für Fotograf Michael Martin - ihm gelingen einmalige Aufnahmen.

Michael Martin

Mehr als 30 Jahre lang gab es im größten Salzsee Australiens kein Wasser, 2008 war es wieder so weit: Der nasse Segen brachte Leben in die trockenste und heißeste Region Australiens. Spätestens Mitte 2012 soll das Wasser in der Wüste aber wieder verschwunden sein. Grund genug, für mein Fotoprojekt "Planet Wüste" nach Australien zu fliegen und von Melbourne aus den Lake Eyre im Süden der Simpsonwüste anzusteuern. Mit von der Partie sind meine Kinder Gina, 23, und David, 15, ihre Schulfreunde Gabriel und Paul sowie mein Freund Thilo.

Ich habe einen kräftigen Achtzylinder-Landcruiser gemietet, der auch schwerstem Gelände gewachsen ist. Das Gepäck haben wir drastisch reduziert, trotzdem wird es mit der umfangreichen Zelt- und Kameraausrüstung und sechs Passagieren eng im Auto.

Zwei Tage fahren wir bei strömendem Regen auf eintönigen Highways die 1500 Kilometer von Melbourne nach Coober Pedy. Dort beginnt die Wüste, und wieder einmal bestätigt sich meine schon oft gemachte Erfahrung: Die Wüsten der Südhalbkugel bieten im Südwinter zwischen Juli und September perfektes Reisewetter. Auch diesmal haben wir die Tiefdruckgebiete im Süden zurückgelassen und werden zwei Wochen lang keine Wolke mehr sehen. Temperaturen von 20 Grad Celsius, Windstille und tiefblauer Himmel tragen viel zur entspannten Atmosphäre in unserer kleinen Reisegruppe bei.

Wir haben in Coober Pedy den geteerten Stuart Highway verlassen und rollen auf einer guten Piste nach William Creek, der kleinste Ort Südaustraliens. Nur fünf Einwohner leben hier, aber die beiden Hauptgebäude bieten alles, was wir brauchen. Das Hotel verkauft Treibstoff, Getränke und Essen, das gegenüberliegende Unternehmen Wrightsair bietet Rundflüge über den Lake Eyre an.

Rundflüge sind begehrt

Seit das Wasser in die Wüste kam, pilgern Tausende Australier zum Lake Eyre, um das Wunder zu bestaunen. Der Lake Eyre liegt 15 Meter unterhalb des Meeresspiegels und damit am tiefsten Punkt des gleichnamigen geologischen Bassins. Er ist Sammelpunkt für Wasser aus den Flüssen Copper Creek, Georgina/Diamantina, Warburton, Neales und Macumba. Das Einzugsgebiet nimmt 22 Prozent der Fläche Australiens ein, damit ist das Lake-Eyre-Bassin eines der größten internen Abflusssysteme der Erde.

Doch nur ganz selten führen die genannten Flüsse so viel Wasser hauptsächlich aus dem Bundesstaat Queensland heran, dass sie den Lake Eyre erreichen. Die potentielle jährliche Verdunstung beträgt in diesem Teil Australiens 3500 Millimeter, dieser stehen Niederschläge von nur 120 Millimeter im Jahr gegenüber.

Als Edward John Eyre den Salzsee im Jahre 1840 entdeckte, war er trocken. Erst um 1920 tauchten erste Berichte auf, dass dort Wasser existiere, die aber als Sinnestäuschungen abgetan wurden. Erst 1949 füllte sich der See wieder. Seitdem wird Wasser im Lake Eyre von den Australiern als nationales Ereignis empfunden. Als sich der Lake Eyre im Jahr 2008 zum ersten Mal seit 33 Jahren wieder massiv zu füllen begann, konnte Trevor Wright seine Flugzeugflotte von zwei auf 17 Flugzeuge aufstocken.

Trotz des regen Flugbetriebs ist Trevor entspannt und offen für meine Sonderwünsche. Ich brauche die maximale Flughöhe, eine ausgebaute Seitentür der Cessna 172 und Treibstoff für mehrere Flugstunden. Um 10 Uhr besteigen wir mit dem jungen Piloten die kleine Maschine, Thilo nimmt auf der Rückbank Platz, ich sitze fest angeschnallt neben dem Piloten an der komplett geöffneten Seitentür. Kaum haben wir abgehoben, wird mir erst richtig klar, was für perfekte Flug- und Fotobedingungen an diesem Wintermorgen herrschen. Die Luft ist glasklar, es ist windstill, und die Sicht beträgt mehr als 200 Kilometer.

Wir fliegen 25 Minuten über eintönige Wüste, dann haben wir die Halligan Bay am Westufer des Lake Eyre erreicht. Aus 2000 Metern Höhe erlebe ich durch den Sucher meiner Kamera ein Spektakel aus Farben und natürlichen Mustern. Glitzernde Flussläufe bahnen sich ihren Weg durch die Wüste, Algen färben die Salzflächen im Uferbereich purpurrot und gelb-blaues Seewasser reicht bis an die grellweißen Salzbänke heran. Im Sekundenrhythmus löse ich aus, über mein Headset dirigiere ich den Piloten zu bestimmten Uferbereichen, die dort am interessantesten sind, wo Flüsse in kleinen Deltas münden. Ich entscheide mich, dem Westufer nach Norden bis hinauf zur Mündung des Warburton-Flusses zu folgen, der in den Lake Eyre mündet, nachdem er sich durch die Dünen der Simpsonwüste geschlängelt hat.

Frieren in der Höhenluft

Inzwischen fliegen wir 4000 Meter hoch, eiskalt bläst der Wind in die Kabine, Thilo auf der Rückbank friert trotz sorgfältiger Vermummung. Der Pilot sitzt in kurzen Hosen und T-Shirt am Steuerknüppel und ist selbst fasziniert genug, um die Kälte und dünne Luft auszuhalten. "So hoch über dem Fluss bin ich noch nie geflogen!", brüllt der offenbar Schmerzfreie begeistert in sein Mikro. Nach zwei Stunden habe ich 1500 Bilder geschossen und gebe das Zeichen zur Rückkehr. Augenblicklich drückt der Pilot die Maschine in einen steilen Sinkflug, um den Sauerstoffgehalt und die Temperatur in der Kabine schnell zu erhöhen. In nur 30 Metern Flughöhe fliegen wir zurück nach William Creek.

Zum Betrachten der entstandenen Bilder bleibt keine Zeit, denn am gleichen Tag findet in William Creek das jährliche Bronco Branding statt. Vormittags legen angereiste Reiter mit ihren Pferden ein begehrtes Reiterabzeichen ab, indem sie zeigen, dass sie mit ihren Pferden die klassischen Cowboy-Jobs beherrschen. So müssen einzelne Kühe von der Herde separiert oder mit dem Lasso gefangen werden.

Nachmittags treten dann die erfahreneren Cowboys der umliegenden Rinderfarmen gegeneinander an. Vom Pferd aus werden Kühe mit dem Lasso gefangen, am Gatter festgebunden, zu Boden geworfen und mit Farbe gekennzeichnet. Die Teams der riesigen Rinderfarmen treten nacheinander an, entscheidend ist die Zahl der Tiere, die dem Branding zugeführt werden können. Statt glühender Eisen kommt hier aber Farbe zum Einsatz. Wir sind die einzigen ausländischen Gäste bei der Veranstaltung, die immerhin 200 Zuschauer und damit praktisch jeden Bewohner dieser extrem dünnbesiedelten Wüstengegend angezogen hat.

Bei der abschließenden Siegerehrung wird es schon dunkel. Wir fahren im letzten Licht noch einige Kilometer in die Wüste hinaus und suchen einen geeigneten Lagerplatz. Als die Zelte aufgebaut sind, das Feuer brennt und sich die südliche Milchstraße quer über den mondlosen Himmel spannt, erfasst mich ein tiefes Glücksgefühl: endlich wieder in der Wüste!

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insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
ernie68 06.09.2011
1. Tja
Der Ort heisst Coober Pedy und nicht Cooper und die Cowboys in Australien heissen Stockman.
ernie68 06.09.2011
2. Aber
die Bilder sind faszinierend geworden.
guenter_w 06.09.2011
3. schlampert...
...geschrieben und/oder recherchiert. Cooper Pedy heißt Coober Pedy, Williams Creek heißt William Creek und - es gibt Regen in der Wüste (ich bin vor knapp zwei Wochen ebenda klatschnass geworden).
Rodelkoenig 06.09.2011
4. regtrh
Wirklich schöne Bilder, vor allem die Luftbilder. Viele Grüße
msmsms 06.09.2011
5. gähn
wer was anderes, als den absoluten luftfotografie-gewässer-von-oben-in-abstrakt-standard sehen will: http://www.mikestacey.com/as.php
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