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06. Januar 2013, 09:39 Uhr

Lamu-Inselgruppe

Kenias Küsten-Kleinod

Zu abgelegen für einen schnellen Besuch, zu klein für Massentourismus: Die autofreie Inselgruppe Lamu in Kenia konnte sich lange Zeit ihren ursprünglichen Charme bewahren. Doch nun wird hier fleißig renoviert und modernisiert - sehr zum Missfallen der Einwohner.

Lamu - Der Tag beginnt auf Lamu mit dem Ruf des Muezzin und dem Protestgeschrei von Eseln, die zur Arbeit getrieben werden. Im Morgenlicht leuchten die weißen Häuser aus Korallenfels und der Sand der Dünen. Die Inselgruppe im Indischen Ozean gehört - noch - zu den letzten Geheimnissen Kenias, zu klein für den Massentourismus, zu abgelegen für einen schnellen Besuch. In Lamu, einer der ältesten Siedlungen entlang der ostafrikanischen Küste und Herz der Swahili-Kultur, vermischen sich arabische und afrikanische Einflüsse.

Noch ist der Flughafen auf der Insel Manda eine Holzkonstruktion mit Strohdach. Aber ein Neubau aus Beton ist bereits in Arbeit. Lamu ist im Umbruch, nicht immer zur Freude der Bewohner. Die einen fürchten die Einflüsse der Modernisierung für die traditionelle, streng muslimische Kultur der Inseln, die anderen eine Kommerzialisierung, an der die Einwohner kaum einen Anteil haben werden. Und auch die Teilzeit-Insulaner - meist wohlhabende Europäer, die mehrere Wochen oder Monate im Jahr in ihren renovierten Villen und traditionellen Häusern verbringen - fürchten, der spezielle Zauber Lamus könnte verfliegen, wenn die Moderne Einzug hält.

Wer Lamu besucht, sollte nicht in Eile sein. Der Flug von Nairobi oder Mombasa dauert etwa eineinhalb Stunden, manchmal noch mit einem Zwischenstopp in Malindi. Dann geht es mit dem Boot weiter zur endgültigen Unterkunft. Denn Autos gibt es auf Lamu nicht, einmal abgesehen von dem eigentlich unsinnigen Dienstwagen des Chefs der Bezirksverwaltung oder dem klapprigen Bus auf der Insel Pate.

Esel als Verkehrsmittel

Statt der hupenden und drängelnden Matatu-Minibusse, die überall sonst in Kenia zu den Schrecken der Straße gehören, sind auf Lamu wie seit Jahrhunderten Esel und Boote die wichtigsten Verkehrsmittel. Es gibt sogar ein Altersheim samt Ambulanz für Esel.

Die Dhows, traditionelle Segelboote und meist aus dem Holz der Mangrovenwälder der Inseln gefertigt, haben heutzutage einen Motor und trotzen auch anhaltender Flaute. Aber die Fischer, die am Hafen ihre Netze und Segel flicken, setzen noch immer auf die gleiche Segeltechnik, wie sie seit Jahrhunderten entlang der Küste üblich ist.

Ein Spaziergang durch die Städte und Dörfer der Inseln ist noch immer wie eine Reise in eine andere Zeit mit einem gemächlichen Tempo. Verschleierte Frauen und Mädchen in schwarzen Gewändern prägen das Bild auf den engen, gewundenen Gassen, und viele Männer unterbrechen ihre Unterhaltungen und Alltagsgeschäfte, um dem Ruf des Muezzin in die Moschee zu folgen. In vielen Restaurants oder Hotels gibt es keinen Alkohol.

Auch im Stopover, einer Pension mit Restaurant gleich neben dem Fischerhafen des Dorfes Shela, gibt es nur Wasser, Fruchtsäfte, Kaffee oder Tee. Dafür lässt sich in Gesprächen mit Fischern oder Dhow-Kapitänen der Alltag der Inselbewohner besser kennenlernen. Bootsbesitzer Osman etwa klagt über die Pläne zum Ausbau eines modernen Hafens, und sein Freund Mohammed sorgt sich um den Sittenverfall der Dorfjugend, die auf das schnelle Geld mit Touristen hofft. Einen schweren Schlag für den Fremdenverkehr bedeutete im Jahr 2011 die Entführung einer Französin durch Piraten, doch inzwischen ist wieder Normalität eingekehrt.

Der soziale Dreh- und Angelpunkt der Touristen und weißen Villenbesitzer befindet sich ein paar hundert Meter entfernt im Peponi, dem wohl bekanntesten Hotel der Insel. Seit Jahren kommen Bewohner und Besucher auf der weiten, weißen Terrasse zusammen, um hier den Sundowner zu genießen. Sehen und gesehen werden, das spielt zumindest hier auch schon auf Lamu eine Rolle.

Eva Krafczyk/dpa/sto

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