Legendäre Reiserouten In 74 Touren um die Welt

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3. Teil: Pilgern auf Japanisch: Buddha-Tourismus auf der Insel Shikoku


Lonely Planet

Seit mehr als 1000 Jahren pilgern Menschen über die schöne, wilde Insel Shikoku auf den Spuren des buddhistischen Heiligen Kobo Daishi (774-835 n. Chr.). Die 1400 Kilometer lange Tour, bekannt als die "88 Tempel von Shikoku", ist auch der älteste Backpackerpfad.

Die henro, Pilger, sind ein allgegenwärtiger Anblick auf Shikoku. Sie schleppen sich durch flirrende Hitze, durch Monsunregengüsse biblischen Ausmaßes und sind leicht zu erkennen: an ihren hakue, den weißen Kleidungsstücken, die für die Reinheit des Geistes stehen; am sugegasa, dem Strohhut auf dem Kopf, der Pilger schon seit Jahrhunderten vor Sonne und Regen schützt; und am kongozue, dem farbenfrohen Stab, der den vor langer Zeit verstorbenen, erleuchteten Kobo Daishi verkörpert.

Traditionell beginnt die Reise in Tokushima-ken nahe der Präfektur Kagawa, dort stehen die ersten 23 der 88 Tempel. Doch auch die eindrucksvollen Gezeitenstrudel des Naruto-Kanals, imposante Berge und die tiefen Schluchten des Iya-Tals begeistern in dieser Region. Die Einsamkeit der Gegend erklärt auch, warum vor der Zeit verlässlicher Karten und Reiseführer schon mal ein Pilger in Shikokus Landesinnerem verschwand und nie wieder auftauchte, so wie der Nebel.

An der schroffen Pazifikküste in der Präfektur Kochi-ken - sie macht ein Drittel der Streckenlänge aus, hat aber nur 16 Tempel - liegt der wohl einsamste Abschnitt der Reise. Herausragend ist der 75. und größte Tempel Zentsu-ji, hier wurde Kobo Daishi geboren. Die moosbedeckten Kampferbäume neben der fünfstöckigen Pagode sollen schon vor seiner Geburt an diesem Ort gestanden haben.

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Die Reise heute

Startort der Pilgerreise ist Tokushima, eine geschäftige, von Bergen umgebene Stadt, durch deren Zentrum eine palmengesäumte Promenade führt. Transportarten gibt es auf der Reise heute fast genauso unterschiedliche wie Henro-Pilger selbst: Man begegnet verliebten jungen Schülern, Berufstätigen, die nur am Wochenende Zeit haben und so nicht mehr als eine Handvoll Tempel besuchen können, sowie weisen Männern im Ruhestand, die dem Bild des perfekten Wallfahrers entsprechen. Eine vergleichsweise kleine Zahl Pilger ist 30 bis 60 Tage lang zu Fuß unterwegs, die meisten benutzen ein Fahrrad, ein Motorrad oder das Auto.

Die ersten fünf Tempel liegen ganz in der Nähe der Strudel von Naruto. Ryozen-ji, die erste der heiligen Stätten, ist zugleich die eindrucksvollste: Sie stammt aus dem 8. Jahrhundert und wird von vielen hundert Laternen beleuchtet - Kobo Daishi soll hier für mehrere Wochen meditiert haben. Nach dem Trubel der Stadt wird das Leben etwas gemächlicher, mit Reisfeldern, tiefen Tälern, felsigen Kaps, Wind und Meer. Das anstrengendste Streckenstück folgt in Kochi-ken: Nur 16 Tempel gilt es in dieser Präfektur zu besuchen, die verteilen sich aber über ein Drittel der Inselfläche. Am Südküsten-Kap Muroto-misaki, einem der rauesten Orte Japans, wurde Kobo Daishi erleuchtet.

Wer dann Matsuyama, die größte Stadt Shikokus, erreicht, hat das schwierigste Stück der Reise bereits hinter sich. Nun geht es an der atemberaubend schönen Küste am Inlandsee-Nationalpark entlang. Wer noch Zeit hat, kann auf Shikoku viele weitere spannende Dinge erleben: Surfen, den 300 Jahre alten Markt in Kochi besuchen oder bei Ashizuri-misaki Seekajak fahren - all das gehört hier in Japan zum Pfad der Erleuchtung.

Pilgerreise über Shikoku
Länge
1400 Kilometer
Länder
Japan
Ideale Reisedauer
Zu Fuß: 30 bis 60 Tage

Wer aus Zeitmangel nicht die ganze Pilgerreise schafft, kann henro für einen Tag sein: Die ersten fünf Tempel, Ryozen-ji bis Jizo-ji, sind auf einer kurzen Tour von Tokushima nach Naruto zu besuchen. Und die Tempel 41 und 42, Butsumoku-ji und Ryuko-ji, trennen nur fünf Kilometer Wegstrecke entlang malerischer Reisfelder.
Beste Jahreszeit
September bis November
Übrigens
Vom heiligen Kobo Daishi heißt es auch, dass er die Wallfahrer auf ihrer Reise begleite, daher prangt auf vielen Rucksäcken der Schriftzug dogyo ninin, was "zwei Menschen auf derselben Reise" bedeutet.
Zum Einstimmen und Nachlesen
Das Buch "Neon Pilgrim" von Lisa Dempster. Die Autorin machte sich 2009 auf den Pilgerweg. Sie war arbeitslos, übergewichtig und depressiv, als sie henro wurde, hatte aber die Hoffnung, dass die Wallfahrt ihren besagten Zauber entfalten und ihr Leben verändern würde.



insgesamt 2 Beiträge
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Hamberliner 04.01.2012
1. Che Guevara: ist die Tour etwa geführt?
Zitat von sysopUnterwegs auf den Spuren der Händler und Entdecker: Ein neuer Bildband stellt legendäre Reiserouten*vor, von*Klassikern wie Seidenstraße oder Hippie-Trail bis hin zu weniger bekannten Touren. Fernweh ist bei der Lektüre garantiert - für manche der Reisen braucht man allerdings sehr viel Zeit. http://www.spiegel.de/reise/fernweh/0,1518,805178,00.html
Die Schilderung der Che-Guevara-Tour lässt zwischen den Zeilen befürchten, dass man als teil eines dummen, bevormundeten Pulk quasi als Schafherde nach der Trillerpfeife eines Tour Guide zu fahren hat, der entscheidet, wann wie und wo man entlang fährt, und das Reisegepäck im LKW hinterher transportieren lässt. Inklusive Zwang, dauernd anzuhalten und sich mit Historie vollblubbern zu lassen. Alles nur nicht das. Ich würde mir gerne einmal in Südamerika ein Motorrad mieten, und warum sollte ich mir nicht nach einer 700-km-Tagesetappe bei einem kühlen Bier auch die Biographie Che Guevaras durchlesen, aber bitte nicht mit Tour Guide und Konvoi.
wsi.marketing@embarqmail. 05.01.2012
2. Che Guevara
Ich wohne schon lange Zeit in Las Vegas, NV USA. Ich kann die Reise durch Argentinien auf den Spuren von Che G. eigentlich nicht empfehlen. Ich war vor zwei Jahren dort und habe praktisch das ganze Land bereist. Die Entfernungen sind riesig, die Landschaft oefters langweilig. Um was zu sehen sind Fluege angesagt. Von Buenos Aires nach Ushuaia (der Suedzipfel der Neuen Welt) z.B. ist ein Reisebus praktisch drei Tage unterwegs. Und dazu noch die schlechten Strassen, wenig Tankstellen usw. Patagonien ist vielfach menschenleer nur vereinzelte Estancias. Aber woanders gibt es interessante Stadte, riesige Weinanbaugebiete, gutes (excellentes ) Essen und spotbillig. Interessant war die Stadt "General Belgrano" Die leben noch im Dritten Reich. Che's Geburtshaus kann auch besichtigt werden. Es steht dort ein Motorrad, ich glaube eine "Norton", es ist aber nicht das Original.
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