Neuer Luxuszug in Japan Tempo war gestern 

Gemächlich am Vulkan vorbei, Zwischenstopps in kleinen Dörfern: Die Japaner entdecken gerade die Langsamkeit wieder - und Zugfans haben ein neues Ziel. Ein neu gebauter Luxuszug mit Porzellanwaschbecken fährt über die Insel Kyushu. Die acht Suiten bieten Platz für gerade mal 30 Gäste.

DPA/ JR Kyushu

Vielleicht stimmt es ja doch, dass die Seele nicht folgen kann, wenn der Mensch zu schnell reist. Die Japaner jedenfalls - ehrgeizige Erbauer von Hochgeschwindigkeitszügen - haben jetzt einen Zug auf die Schienen gebracht, der extra langsam fährt. Als hätten sie sich mit ihrem Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen so weit in eine Science-Fiction-Welt katapultiert, dass sie ihre Wurzeln nicht mehr spüren. Im neuen "Seven Stars in Kyushu" sollen Fahrgäste ihr Land und dessen Traditionen jetzt in aller Behaglichkeit wiederentdecken.

Vulkanberge, Zypressen- und Bambuswälder, Reisfelder und Fischerbuchten der Insel Kyushu - all das zieht gemächlich vorbei, während der Reisende sich zwischen seinen Bettdecken räkelt oder in der Lounge am Grüntee nippt. Die Fenster sind stets auf Augenhöhe. Gemächlich wie bei einer Kreuzfahrt gondelt die Bahn über die südlichste, drittgrößte Insel Japans und hält unterwegs immer wieder an, um Gäste für Besichtigungen aussteigen zu lassen.

Rund 22 Millionen Euro hat die Bahngesellschaft JR Kyushu in den Neubau dieses Zuges investiert, der am 15. Oktober in Dienst gestellt wurde. Und das, um in seinen acht Waggons pro Fahrt insgesamt nur 30 Gäste aufzunehmen. Die residieren in Luxussuiten mit eigenem Bad, großen Betten und wertvollen Hölzern, einem Mix aus asiatischem und europäischem Design, der Japaner ebenso wie Gäste aus aller Welt anheimeln soll. Ab 1100 Euro sind die Tickets zu haben.

Hightech-Komfort und altes Kunsthandwerk sind hier auf engstem Raum vereint: Die handbemalten Porzellanwaschbecken wurden auf Kyushu gefertigt, die Klobrillen auf den vollautomatischen Toiletten heizen sich regelmäßig auf. Komfort, der vor allem auf Gäste jenseits der Fünfzig abzielt. Entsprechend ist das Unterhaltungsprogramm: Im Lounge-Waggon spielen ein Pianist und zwei Violinisten.

Ein eigener Onsen auf dem Balkon

Am Ende des Zugs bietet ein wandfüllendes Fenster den Blick auf Gleise und Landschaft und all das, was die Reisenden passieren. Das Hochhauszentrum von Fukuoka, Anfang und Ziel der Fahrt, die Stadt Nagasaki und den Vulkan Aso, dessen Krater mit einem Umfang von 128 Kilometern zu den größten der Welt zählt.

Die Insel habe viel zu bieten, heißt es auf der Website von JR Kyushu. Sieben Präfekturen, sieben Attraktionen: Natur, Küche, heiße Quellen, Geschichte, Kultur, spirituelle Kraftpunkte, Gastfreundschaft und Sightseeing-Züge - deshalb auch der Name "Seven Stars". Tatsächlich ist der neue Luxuszug ein Mittel, um für die wenig beachtete Insel zu werben.

Eine zweitägige Tour führt durch den Norden der Insel, die viertägige führt einmal herum. Wer die längere Variante bucht, verbringt eine Nacht in einem Ryokan, einer traditionellen, aber luxuriös ausgestatteten Herberge in den Bergen ganz im Süden. Zu jedem Zimmer gehört ein blubbernder Onsen, ein heißes Bad auf dem Balkon.

"Der ganz neue Lebensstil", den JR Kyushu seinen Gästen anpreist, er ist gar nicht so neu. Langsames Reisen, handgemachte Produkte und regionales Essen sind keine Errungenschaften des 21. Jahrhunderts. Doch scheinen sie heute exotisch genug, um sich als Attraktionen verkaufen zu lassen. Die Fahrten im "Seven Stars in Kyushu" jedenfalls sind stark gefragt und bis Juni 2014 ausgebucht - fast nur von Japanern.

bon



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insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
Werner655 18.10.2013
1. Es lebe der Luxus
Zitat von sysopDPA/ JR KyushuGemächlich am Vulkan vorbei, Zwischenstopps in kleinen Dörfern: Die Japaner entdecken gerade die Langsamkeit wieder. In einem Luxuszug mit Porzellanwaschbecken fahren sie über die Insel Kyushu. Die acht Suiten bieten Platz für gerade mal 30 Gäste. http://www.spiegel.de/reise/fernweh/luxuszug-seven-stars-in-kyushu-langsam-ueber-japans-suedlichste-insel-a-928442.html
Es fällt langsam auf, wie gerne über "Luxusangebote" des Reisesektors geschrieben wird. Das liegt doch etwa nicht daran, dass die Autoren der authentischen Schreibe wegen selbst vorort sein müssen???
coopms 18.10.2013
2.
Zitat von Werner655Es fällt langsam auf, wie gerne über "Luxusangebote" des Reisesektors geschrieben wird. Das liegt doch etwa nicht daran, dass die Autoren der authentischen Schreibe wegen selbst vorort sein müssen???
Kann schon sein. Mein Neid ist jedenfalls geweckt.
Layer_8 18.10.2013
3. "Ab 1100 Euro sind die Tickets zu haben."
Zitat von sysopDPA/ JR KyushuGemächlich am Vulkan vorbei, Zwischenstopps in kleinen Dörfern: Die Japaner entdecken gerade die Langsamkeit wieder. In einem Luxuszug mit Porzellanwaschbecken fahren sie über die Insel Kyushu. Die acht Suiten bieten Platz für gerade mal 30 Gäste. http://www.spiegel.de/reise/fernweh/luxuszug-seven-stars-in-kyushu-langsam-ueber-japans-suedlichste-insel-a-928442.html
Ist das der Preis pro Stunde? Es ist doch Japan?
addit 18.10.2013
4. will ich auch
s u p e r schön!
i.riedl 18.10.2013
5. optional
auch die Japaner können nicht immer auf 180 sein :)
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