Schauplätze von "Mad Men" in New York Mad Manhattan

Bye-bye, Sixties: Nach sieben Staffeln geht die US-Kultserie "Mad Men" zu Ende. Doch in New York lebt sie weiter - an zahllosen realen Schauplätzen, an denen der fiktive Frauenheld Don Draper sein Unwesen getrieben hat.

Jaimie Trueblood /AMC

Von , New York


Don Drapers Büro befindet sich in Queens. Kilometer entfernt von der Adresse auf seiner Visitenkarte: 1271 Avenue of the Americas, New York, New York 10020. Auch der Blick aus dem Fenster, auf die Fassaden von Midtown Manhattan, ist nur eine optische Täuschung, erzielt per Fototapete.

Sonst stimmt alles. Die Couchgarnitur, das Wählscheiben-Telefon, die Minibar (Smirnoff, Beefeater, Canadian Club), die "New York Times" vom 20. Februar 1967: "Saigon meldet wichtigen Sieg über Hanois Truppen."

Der Retro-Raum ist ein Set, eine Kulisse - die Kulisse aus der Kultserie "Mad Men", die gerade ausläuft. In deren Mittelpunkt: Werbemann Draper (Jon Hamm), das glamourös-promiske New York der Sechzigerjahre - und Drapers Büro. Der Ort seiner Macht, der längst zum Symbol einer sterbenden Zeit geworden ist, stilgetreu in Teakholz und Vinyl.

Während der Dreharbeiten stand das Set in den Los Angeles Center Studios. Jetzt ist es - neben Hunderten Requisiten, Drehbüchern und 33 Originalkostümen - im New Yorker Stadtteil Queens zu bestaunen, im Museum of the Moving Image. "Nicht fotografieren", bellt der Museumswärter.

Am 17. Mai endet die Serie in den USA, tags darauf in Deutschland, nach 92 Episoden, die die "Mad Men"-Ära im Detail rekonstruierten. Die Museumsausstellung ist nicht der einzige Liebesbrief zum Abschied: Überall in New York gibt es "Mad Men"-Screenings, "Mad Men"-Partys und "Mad Men"-Cocktails ("The Peggy" aus Schokolikör und Brandy, Namenspatin ist die Sekretärin der Hauptfigur).

Kulissenzauber: Das Set für Don Drapers "Mad Men"-Büro steht jetzt im Museum
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Nicht nur die Zuschauer rufen Don, Betty, Joan, Pete und Roger ein nostalgisches Farewell hinterher. Auch New York selbst trauert ihnen nach. Denn die Stadt fand sich in diesem fiktiven Drama stets wieder - in seinen realen Schauplätzen, umweht vom Zigarettenqualm der Sixties.

Dabei wurde nur die Pilotfolge hier gedreht. Danach bauten sie alles im kalifornischen Studio nach - so täuschend echt, dass das Flair New Yorks vor 50 Jahren, als nichts unmöglich schien, unverkennbar wirkte.

Denn anders als das Set gibt es die meisten Orte wirklich, bis heute. "New York ist die 'Mad Men'-City", sagt der Touristenführer Josh Hirsh, der Fans zu Fuß durch Manhattan scheucht, von einem Schauplatz zum nächsten, und ihnen dabei Szenen auf dem iPad vorspielt. 59 Dollar kostet die "Mad Men Walking Tour", die abendliche Variante sogar 150 Dollar, inklusive "alkoholischer Getränke im Stil der Sechziger".

Drei Damen sind dabei, kostümiert in der Mode von damals. "Ich bin richtig traurig, wenn es aufhört", sagt Dahlia River. Hirsh trifft sie vor dem historischen Pierre Hotel am Central Park, und los geht die Tour.

Nur vom Feinsten: Im Waldorf Astoria Hotel spielte viele "Mad Men-"Szenen
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• Der Ausgangspunkt des Rundgangs, das Pierre, kommt oft vor in "Mad Men". Als sich Draper mit seinen Kollegen selbständig macht, schlagen sie in Suite Nr. 435 ihre Zelte auf. Heute gehört das Hotel der indischen Taj-Gruppe, das Penthouse ist zu kaufen - zum mehrfach reduzierten Schleuderpreis: 63 Millionen Dollar.

• Die Büros von Sterling Cooper Draper Pryce, Drapers Werbeagentur seit der vierten Staffel, residieren an einer echten Adresse: 1271 Avenue of the Americas. Das ist das 48-stöckige Time-Life Building - drei Etagen unter der fiktiven Firma sitzt das reale Management des Time-Verlags.

• Im legendären Waldorf Astoria trifft Draper den - echten - Hotelmagnat Conrad Hilton, der das Waldorf damals managte. Hier gewinnt er in Staffel vier auch einen Clio Award, den Werbe-Oscar.

• Die Oyster Bar im Grand Central Terminal ist seit 1913 im Geschäft und ebenfalls kaum verändert. Hier trinkt Drapers Partner Roger Sterling so viele Martinis, dass er später im Büro seine Austern wieder auskotzt.

• Im P.J. Clarke's an der Third Avenue, einer 1884 eröffneten VIP-Kneipe, hebt Draper schon in der zweiten Folge einen, und Peggy feiert ihren ersten Auftrag als Copywriter, indem sie den Twist tanzt.

Andere Orte dagegen sind "ghost locations", so Hirsh - extra für "Mad Men" erfunden. Allen voran die Zentrale von Sterling Cooper, Drapers allererster Agentur: Die Adresse 405 Madison Avenue gibt es ebensowenig wie 783 Park Avenue, Apartment 17B - Drapers elegante Wohnung, in der Megan Draper das Liebeslied "Zou Bisou Bisou" gurrt.

Echt oder falsch: Wer den Lärm der Moderne ausblendet, kann den "Mad Men"-Geist in Manhattan bis heute gut spüren. Nur eines ging der Stadtverwaltung zu weit: Als PR-Trick tauschte der TV-Sender AMC, der "Mad Men" produziert, vor dem Time-Life Building neulich die Straßenschilder aus. Die Avenue of the Americas hieß da auf einmal Mad Men Avenue, aus der 50th Street wurde der Don Draper Way.

Die Verkehrsverwaltung ließ die Fake-Schilder sofort wieder entfernen.

"Matthew Weiner's Mad Men", Museum of the Moving Image, 36-01 35th Avenue, New York, NY 11106, noch bis 14. Juni 2015

Zum Autor
Marc Pitzke ist US-Korrespondent für SPIEGEL ONLINE in New York.

E-Mail: Marc_Pitzke@spiegel.de

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