Malaysias Trauminseln Schnelles Geld im Garten Eden

Weiße Strände, glasklares Wasser, schnorcheln mit Schildkröten: Für Urlauber sind die malaysischen Perhentian-Inseln das Paradies. Auch für die Insulaner ist das Leben leichter geworden, seit die Fremden kommen. Doch ganz heil ist ihre Welt nicht mehr.

Marcel Klovert

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Pulau Perhentian Kecil - Ja, vielleicht, sagt Khalid Damak. Vielleicht sei hier das Paradies. Zumindest seit Menschen aus Europa und Amerika, aus China und Russland auf seine Inseln kommen, um sich am pulverweißen Strand zu sonnen und um durch die Korallengärten zu tauchen.

Khalid Damak, 45, lebt dort, wo andere Urlaub machen: auf Pulau Perhentian Kecil und Pulau Perhentian Besar vor Malaysias Nordostküste. Er liebt die Inseln nicht wegen des glasklaren Wassers und der traumhaften Sonnenuntergänge, sondern wegen des schnellen Geldes, das er hier verdienen kann. "Mehr Menschen, mehr Geld", sagt er. Damak denkt praktisch.

Er hat die Schönheit, die ihn umgibt, schon so oft betrachtet, dass er sie nicht mehr wirklich sieht. Die Tropenfische, die sich unter dem Anleger tummeln, der zum einzigen Dorf auf Pulau Perhentian Kecil führt. Die Schildkröten, die auf den Seegraswiesen am Meeresgrund weiden. Der Urwald, durch dessen Baumkronen Languren schwingen.

Damaks Frau betreibt ein Café neben dem Anleger. Er selbst hält das Boot eines emeritierten Psychologieprofessors aus Kuala Lumpur in Schuss, kein harter Job. Damak ist froh, dass keins seiner sechs Kinder zum Fischen fahren muss wie er früher.

"Das Leben ist viel einfacher als damals", sagt Damak, dessen Kinnbart weiß geworden ist mit den Jahren. Als er zwölf war, brach er die Schule ab, um auf dem Fischerboot seines Vaters zu arbeiten. Die Männer standen früh auf und kehrten nachmittags mit ihrem Fang zurück, den sie an einen Großhändler auf dem Festland verkauften. Es reichte für Reis und Öl, Früchte sammelten sie im Wald. Tütensuppen und Kartoffelchips gab es nicht.

Erst als Mitte der achtziger Jahre die ersten Touristen kamen, hängte die Familie das Fischen an den Nagel - wie alle Insulaner. Heute lebt keiner der 2600 Dorfbewohner mehr vom Fischfang. Warum auch, wenn man die reichen Besucher bewirten oder von Bucht zu Bucht fahren kann?

Mehr Menschen, mehr Abfall, mehr Abwasser

Auf der Nachbarinsel Pulau Perhentian Besar arbeitet ein Mann, den diese Denkart ärgert. Wan Din Wan Hamad ist zwei Jahre jünger als Damak und sieht zehn Jahre jünger aus. Er zog 1994 auf die Insel, um im Garten eines Luxusresorts die trockenen Blätter zusammenzurechen. Er kam in einem hölzernen Kutter, er brauchte zwei Stunden für die zehn Seemeilen. Heute jagen Motorboote in einer halben Stunde vom Festland herüber.

"Ich habe mich in die Inseln verliebt", sagt Wan Hamad. Stundenlang schnorchelte er an Stellen, an denen heute kaum noch Korallen übrig sind. Er beobachtete Schildkröten, wie sie an Stränden schlüpften, an denen heute Touristen liegen, und blieb selbst in der Regenzeit auf der Insel, wenn das Meer trüb war wie malaysischer Milchtee. Wan Hamad schließt die Augen, wenn er an damals denkt, und sagt: "Ich vermisse die alten Zeiten. Es war das Paradies."

Er hat sich inzwischen zum Geschäftsführer des Watercolours Paradise Resort hochgearbeitet. In Shorts, Schlappen und Neontrikot schmeißt er den Betrieb in einer der knapp drei Dutzend Bungalowanlagen auf den Inseln. Zum Schnorcheln ist er zu beschäftigt, ständig klingelt sein Telefon. Auch Wan Hamad lebt vom Tourismus. Aber er freut sich nicht uneingeschränkt über den wachsenden Besucherstrom. "Mehr Menschen, das heißt auch mehr Abwasser und mehr Abfall."

Etwa 100.000 Touristen besuchen die Inseln jedes Jahr. Manche Strände gleichen einer Baustelle, so viele neue Unterkünfte entstehen dort. Das größte Problem sei der Müll, sagt Wan Hamad. In schwarzen Säcken wartet er am Strand, bis ein ehemaliger Fischkutter vorbeituckert und ihn zur Küste bringt. In den Anlagen für Touristen klappt die Entsorgung gut, im Dorf auf der kleineren Insel liegt hier und da Unrat in den engen Gassen.

Mit Schildkröten schnorcheln

Doch obwohl auch in Perhentian die Welt nicht heil ist, ist sie immer noch wunderschön. Keine Hotelkästen verschandeln die Strände. Die Korallenwelt ist an vielen Stellen immer noch intakt. Besucher können mit Haien und Schildkröten schnorcheln und Malaien-Gleitflieger beobachten, wie sie von Baum zu Baum segeln. In den meisten Bungalows gibt es erst ab abends Strom, und Alkohol ist verboten, weshalb wenige Feierwütige die Inseln aufsuchen, es kommen vor allem Taucher.

Die Regierung hat die Inseln vor mehreren Jahren zum Naturschutzgebiet erklärt. Seither ist es untersagt, mit Flossen zu schnorcheln, um die Korallen zu schützen. Das Abwasser müsse aufbereitet werden, und regelmäßig schaue jemand aus Umweltbehörde vorbei, sagt Wan Hamad. Er ist froh, dass es diese Regeln gibt. Und er versucht, selbst etwas dazu beizutragen, dass sein geliebtes Paradies nicht ganz verschwindet: Malaysische Schulklassen und Studentengruppen dürfen sehr günstig in seinen Bungalows übernachten. Dafür müssen sie helfen, den Strand aufzuräumen, und einem Vortrag über die Flora und Fauna der Inseln lauschen. Diese jungen Gäste, so hofft Wan Hamad, haben danach verstanden, wie schützenswert die Inseln sind, die ihm so am Herzen liegen.

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insgesamt 18 Beiträge
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Seite 1
Layer_8 24.03.2014
1. Pulau Tioman...
Zitat von sysopMarcel KlovertWeiße Strände, glasklares Wasser, schnorcheln mit Schildkröten: Für Urlauber sind die malaysischen Perhentian-Inseln das Paradies. Auch für die Insulaner ist das Leben leichter geworden, seit die Fremden kommen. Doch ganz heil ist ihre Welt nicht mehr. http://www.spiegel.de/reise/fernweh/malaysia-perhentian-inseln-pulau-kecil-und-pulau-besar-a-960003.html
...auch in der Gegend, das war meine Trauminsel. 1990. Abends dahin getuckert mit dem Boot und der Captain brauchte bei absoluter Dunkelheit nur nen Kompass und ne Petroleumlampe, um die Insel zu finden. Am nächsten Tag durch den Urwald die Insel überquert und zu einem Fischerdorf gewandert und 2 Wochen dort geblieben. Waren noch 2 Kollegen aus Australien dabei. Und ein Einwohner hatte sogar Satelliten TV. Da kam dann Pink Floyd The Wall - Live in Berlin. Meine subtilste Erinnerung an das Wendejahr 1989/90, welches ich eigentlich wegen längerer Rucksackreise durch Asien verpasste. Sowas gibts heutzutage wohl leider nicht mehr und Tioman soll ein beliebtes Wochenendziel für Leute aus Singapur, mit dem Speedboat, geworden sein. Inklusive Golfplatz.
susiwolf 24.03.2014
2. .
Dieser Artikel beschreibt sehr 'schön' die Auswirkungen von Tourismus & Co. Wer ein bisschen in der 'South China Sea' resp. im 'Golf of Siam' ;-) herum geschippert ist, wird -bei etwaigen Landgängen- oder auch Insel'hopping' dem Artikel voll zustimmen können. Begrüssenswert sind eigentlich nur die staatl. Begrenzungen der Umweltbehörde, um dem Überschwang des Tourismusses Einhalt zu gebieten. Da es viele Bewohner nicht so sehen und lieber auf ihren Geldbeutel schauen, werden diese Paradiese schleichend aber stetig der Lust des Konsums preis gegeben. Obiges gilt im übrigen auch für Thailand: Schnellboot, Jet-ski - also generell Verkehrsaufkommen zu Wasser und Lande - sowie zunehmender Tourismus mit Müll und Lärm an vielen Orten, geben dem gesamten Gebiet vielfach alles andere als ein Gesicht des Paradieses. Umweltbewusstsein hat sich in den meisten Köpfen der Einheimischen leider noch nicht fest gesetzt ...
papayu 24.03.2014
3. Suedostasiens Inselwelt ist wunderschoen! NOCH!!
Auf einer habe ich drei Jahre gelebt, bis es mir zu langweilig wurde. Zum Einkaufen in die ferne Stadt 35 km mit 68 Kurven. Das wunderbarste sind die Menschen dort!! Eine Dorfgemeinschaft ist eine Familie, meistens sogar untereinander verwandt.Morgens hocken die Fischer am Strand und warten. Dann schieben sie schnell ihre Boote ins Wasser und paddeln raus. Hat einer das Glueck einen Schwarm zu erreichen, schleppt er das an den Strand. An zwei Tauen wird dann das Netz an den Strand gezogen, alle helfen beim Ziehen.Hinterher bekommt jeder einen Eimer voll Fische.Der Rest geht auf den Markt im Nachbardorf. Wird ein Taifun angekuendigt, ziehen sich die Huettenbewohner in die Steinhaeuser zurueck und warten. Hat eine Familie nichts zu essen, geht sie einfach zum Nachbarn. Es ist noch keiner verhungert oder vereinsamt. Ueberall entstehen neue Ferienanlagen. Jeder hofft auf Touristen. Einen Taifun habe ich mitgemacht. Da flogen die Huetten durch die Luft, die Bananenstauden knickten um,die Mangobaeume fielen um. Kein Strom 6 Wochen lang. Nie wieder Deutschland mit diesen egoistischen Menschen und der Protzerei. Keine Freunde, keine Kinder, nein, NIE WIEDER!!
Altesocke 24.03.2014
4.
Zitat von Layer_8...auch in der Gegend, das war meine Trauminsel. 1990. Abends dahin getuckert mit dem Boot und der Captain brauchte bei absoluter Dunkelheit nur nen Kompass und ne Petroleumlampe, um die Insel zu finden. Am nächsten Tag durch den Urwald die Insel überquert und zu einem Fischerdorf gewandert und 2 Wochen dort geblieben. Waren noch 2 Kollegen aus Australien dabei. Und ein Einwohner hatte sogar Satelliten TV. Da kam dann Pink Floyd The Wall - Live in Berlin. Meine subtilste Erinnerung an das Wendejahr 1989/90, welches ich eigentlich wegen längerer Rucksackreise durch Asien verpasste. Sowas gibts heutzutage wohl leider nicht mehr und Tioman soll ein beliebtes Wochenendziel für Leute aus Singapur, mit dem Speedboat, geworden sein. Inklusive Golfplatz.
Tioman Island ist seit Anfang/Mitte der 90iger ein beliebtes Tauchziel fuer Singaporianer: Freitags am Abend mit dem Minibus los, Freitag nacht aufs Boot, Samstags frueh morgens an Tioman ankommen, Rucksack aufs Bett schmeissen, und mit dem Boot 4 Tg machen. Am Abend sich zum Rucksack schmeissen, und am morgen nochmal 3 Tauchgaenge in Sandtrueben Gewaessern, auf dem Weg zum Festland. Guenstiger Wochenendtrip. Und Tioman Island hat nirgends so klares Wasser! Tioman hat nur eines mit Perhentian gemeinsam: Zu einfach zu erreichen. Perhentian halt fuer die Flieger aus Russland, China und Suedkorea! Noch ist es im Osten Borneos recht sicher vor denen. Aber wie lange noch?
Altesocke 24.03.2014
5.
Zitat von papayuAuf einer habe ich drei Jahre gelebt, bis es mir zu langweilig wurde. Zum Einkaufen in die ferne Stadt 35 km mit 68 Kurven. Das wunderbarste sind die Menschen dort!! Eine Dorfgemeinschaft ist eine Familie, meistens sogar untereinander verwandt.Morgens hocken die Fischer am Strand und warten. Dann schieben sie schnell ihre Boote ins Wasser und paddeln raus. Hat einer das Glueck einen Schwarm zu erreichen, schleppt er das an den Strand. An zwei Tauen wird dann das Netz an den Strand gezogen, alle helfen beim Ziehen.Hinterher bekommt jeder einen Eimer voll Fische.Der Rest geht auf den Markt im Nachbardorf. Wird ein Taifun angekuendigt, ziehen sich die Huettenbewohner in die Steinhaeuser zurueck und warten. Hat eine Familie nichts zu essen, geht sie einfach zum Nachbarn. Es ist noch keiner verhungert oder vereinsamt. Ueberall entstehen neue Ferienanlagen. Jeder hofft auf Touristen. Einen Taifun habe ich mitgemacht. Da flogen die Huetten durch die Luft, die Bananenstauden knickten um,die Mangobaeume fielen um. Kein Strom 6 Wochen lang. Nie wieder Deutschland mit diesen egoistischen Menschen und der Protzerei. Keine Freunde, keine Kinder, nein, NIE WIEDER!!
Da koennen sie von ausgehen. Sogar mehr, als sie erwarten wuerden!
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