Malaysia Von Schlangentempeln und weinenden Bäumen

Dieses Jahr erwartet Malaysia jede Menge Besucher. Denn am 31. August feiert die asiatische Monarchie 50 Jahre Unabhängigkeit von Großbritannien. Und lockt einerseits mit tropischem Regenwald und einsamen Stränden, andererseits mit kolonialem Flair und Luxus-Shopping.


Kuala Lumpur - Eigentlich hatte der Regen schon lange aufgehört, aber in der Dämmerung tropft es auf einmal wieder aus der Höhe. Nicht aus den Wolken diesmal, sondern aus der mächtigen Krone des Regenbaumes. Wenn es abends dunkel wird, schließen sich die rosa Blüten, die zu Tausenden die Zweigspitzen schmücken - und die Feuchtigkeit auf den Blättern perlt herab.

Der regnende Riese ist nur ein Beispiel für die vielfältige Natur Malaysias, die vom tropischen Regenwald über bergiges Hochland mit Teeplantagen bis zu einsamen Stränden an den Küsten reicht. In diesem Jahr erhofft sich Malaysia 20 Millionen Besucher. Denn 2007 ist ein Jubiläumsjahr: Am 31. August feiert Malaysia seine 50-jährige Unabhängigkeit von Großbritannien.

Wachen posieren hoch zu Ross für Touristenfotos

Die Briten hatten 1786 auf Penang einen Handelsposten eingerichtet und später dann die Macht an sich gerissen. Inzwischen aber ist Malaysia eine konstitutionelle Wahlmonarchie. Vor dem Königspalast in Kuala Lumpur spielen sich Szenen ab wie vor dem Buckingham Palace in London: Die Wachen sitzen hoch zu Ross, und alle 30 Sekunden hängt sich ein Touristenpärchen für ein Foto an das Zaumzeug des Pferdes. Alle fünf Minuten schnappt das Tier dann zu - nur zu verständlich.

Die Insel Penang ist innerhalb Malaysias das bekannteste Reiseziel. Die "kleine Nuss", so die Übersetzung, ist vor allem für Kulturreisende ein spannendes Ziel. Die Tempel in der Hauptstadt Georgetown sind zahllos, um die 300 müssen es sein, schätzt Fremdenführer Jamil. Da gibt es zum Beispiel den Schlangentempel, in dem sich zahlreiche Schlangen winden. Von dem Anblick lässt es sich gut im Kek Lok Si Tempel erholen. Auf dem großen, gärtnerisch schön angelegten Gelände finden sich mehrere große Buddha-Statuen.

Wer von Tempeln genug hat, kann einen Spaziergang durch die Hallen des Khoo Kongsi Clanhauses machen, des imposanten Stammhauses einer von China nach Penang emigrierten Händlerfamilie mit üppigen Schnitzereien in der Eingangshalle. Aber man muss nicht den ganzen Tag in Kultur machen - es gibt auf Penang auch traumhafte und dennoch bezahlbare Luxushotels am Meer.

Fünf-Uhr-Tee und Scones für die Sommerfrischler

In Malaysia klettern die Temperaturen mitunter über 35 Grad Celsius. Dann flüchtet, wer kann, in die Cameron Highlands, rund vier Stunden Autofahrt von Penang entfernt. Hier, in einer Höhe bis zu 1600 Metern, erinnert noch viel an die Briten. Das bekannteste alte Hotel der Region und ein Touristenmagnet ist das 1937 von einem Engländer errichtete "The Smokehouse Hotel". Hier werden zum Fünf-Uhr-Tee Scones mit Clotted Creme und Erdbeermarmelade gereicht und abends am prasselnden Kaminfeuer Ale. Über diese Szenerie senkt sich oft ebenfalls sehr britisch anmutender Nebel.

Zwischen Thailand und Singapur an der Straße von Malakka gelegen: Der Süden der Malaiischen Halbinsel bildet zusammen mit Teilen der Insel Borneo den Staat Malaysia
GMS

Zwischen Thailand und Singapur an der Straße von Malakka gelegen: Der Süden der Malaiischen Halbinsel bildet zusammen mit Teilen der Insel Borneo den Staat Malaysia

In der Region wird Gemüse angebaut, aber auch Erdbeeren und vor allem Tee. Die Hügel der Cameron Highlands sind überzogen von kugeligen Teebäumsträuchern. "Flüssiges Gold", sagt Jamil und streicht über einen Busch. "Man lässt ihn nur wachsen und erntet alle drei Wochen die frischen Blätter ab."

Im heißen, quirligen Kuala Lumpur sind die nur zwei Autostunden entfernten Highlands schnell vergessen. Da hilft nur das Spaghetti-Trägerkleidchen, das sich dann allerdings schnell als ungeeignet für einen Bummel durch die kühlen Edel-Shoppingmalls erweist. Kälte ist Luxus in Asiens Tropen, der Friseur fönt mit kalter Luft, die Tücher im Spa sind gekühlt. Und so passen die 16 Grad im angesagtesten Center der 1,5-Millionen-Metropole, der Starhill Gallery, bestens zu den Shops von Dior, Louis Vuitton, Chanel und Cartier. Das Angebot in Kuala Lumpur steht dem von Singapur fast in nichts mehr nach.

Orchideenpracht und Bau-Gigantomanie

In Malaysias Hauptstadt könnte sich der Besucher eine Woche lang aufhalten, so viel gibt es zu sehen. Den Lake Garden in Parlament-Nähe etwa, in dem Orchideen wachsen wie in Europa Gänseblümchen. Auf dem 92 Hektar großen Gelände finden sich auch ein Schmetterlingspark, ein Rotwildgehege und ein Vogelgarten, angeblich der größte Asiens. Architektonisch interessant ist der 1911 erbaute Hauptbahnhof aus der Kolonialzeit. In der City stehen auch die derzeit höchsten Zwillingstürme der Welt, die Petronas Twin-Towers, mit Büros und edlen Geschäften.

Abends zieht auch Chinatown viele an. Hier klappen nach Sonnenuntergang fliegende Händler ihre Stände auf und bieten nachgemachte Designerklamotten und Uhren oder Schmuck zum Schnäppchenpreis an. "Hi, Miss", rufen sie den vorbeischlendernden Damen jeden Alters nach, aber nicht wirklich aufdringlich. Nur fotografieren lassen sie sich nicht gerne. "Please, not", wehrt ein junger Mann ein Andenkenbild von einem Berg kopierter Parfümfläschchen ab - um sich artig zu bedanken, als die Kamera gesenkt wird.

Von Hilke Segbers, gms



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