Malediven-Insel Bathala Brauche keine Wellness, hab Charakter

Bathala: Auf dieser Insel sind die Malediven noch so wie vor 30 Jahren - und so wie sie nie mehr sein werden. Das winzige Eiland lebt von grandiosen Tauchgebieten, und der Fußballplatz ist wichtiger als die Wellness-Oase für Touristen.

Udo Kefrig / unterwasserfotografie.de

Von Linus Geschke


Die Dusche tröpfelt. Das macht sie immer. Nicht nur wenn der Hahn zugedreht ist, sondern auch wenn man darunter steht und sich gerade mehr als nur ein Rinnsal Wasser wünscht. Wahrscheinlich tut sie das seit 1983, dem Jahr, in dem zum ersten Mal Taucher nach Bathala kamen - und in dem es zum letzten Mal auf dieser 350 mal 150 Meter großen Insel im Ari-Atoll einschneidende Veränderungen gab.

In den letzten 30 Jahren haben sich die Malediven - jener Inselstaat, der immer ein wenig wie eine unwirkliche Postkartenidylle aussieht - gewandelt. Nach den Tauchern kamen die Hooneymooner, dann die Wellness-Reisenden.

Heute findet man kaum noch eine Insel, die ohne den obligatorischen Swimmingpool auskommt. Ein luxuriöses Spa und ein Fitnesscenter mit ultramodernen Ergotrainern gehören zum Standard. Vier Sterne muss die Unterkunft mindestens haben, um bei der Zielgruppe punkten zu können, besser sind fünf. Das gilt überall, nur nicht auf Bathala. Hier ist die Zeit stehengeblieben.

Wer zum ersten Mal kommt, hat zwei Möglichkeiten, sich mit der Insel vertraut zu machen. Die eine führt über Wege durch das Inselinnere und dauert vier Minuten, die andere am Strand entlang und dauert sieben. Dann hat man alles gesehen. Auch das Epizentrum sämtlicher Unterhaltungsmöglichkeiten: eine Art Dorfplatz, um den sich Rezeption, Restaurant, Bar und Tauchschule gruppieren. Ansonsten gibt es nur sandbedeckte Pfade, 46 Bungalows, unzählige Palmen und Mangroven sowie sechs Bänke, die rund um die Insel verteilt sind.

Malediven wie früher

Die Bänke sind die Eintrittspforten in die Unterwasserwelt - zu einem Hausriff, welches die Insel umläuft und dessen Güte so außergewöhnlich ist, dass selbst Tauchsafarischiffe hier vor Anker gehen.

Die Taucher auf Bathala haben es noch einfacher: Sie sagen an der Basis Bescheid, welchen Einstieg sie gerne nehmen würden und bekommen ihr Equipment von der Crew dorthin gebracht. Vier, fünf Schritte durch den Sand müssen sie selbst gehen. Dann haben sie das türkisfarbene Wasser erreicht, das dort, wo das Riff in die Tiefe abfällt, so dunkelblau wird, als hätte es eine Tinteninfusion erhalten.

Ein Tauchgang ohne Haie dort ist schon Pech, zwei sind ein Unglück, und drei? "Wären eine mittelschwere Katastrophe", meint Frank Wengen, der bereits zum vierten Mal hier ist. "Aber das habe ich bislang auch noch nie erlebt." Bathala, so sagt er, sei halt immer noch, wie die Malediven vor 30 Jahren waren und vielerorts nie mehr sein werden - nicht nur über, auch unter der Wasseroberfläche.

Zumeist sind es Weißspitzenriffhaie, die entlang der Steilwand patrouillieren und zu denen sich vereinzelte Graue Riffhaie gesellen. Riesige Schwärme von Füsilieren und Makrelen kreuzen die Wege; man sieht imposante Thunfische, und es kommt nicht selten vor, dass Adlerrochen einen mit majestätischem Flügelschlag minutenlang begleiten.

Die Strömung zieht Taucher wie ein horizontal fahrender Aufzug an Korallen und Überhängen vorbei. Es ist ein Treiben im Blau, bis der zur Neige gehende Luftvorrat zum Aufstieg mahnt. Dann verlässt man das Unterwasserkino einfach wieder am nächsten Ausgang - der Fußweg zurück zur Basis ist ja nicht weit.

Bei manchen kommt dennoch der Punkt, an dem sie sich am Hausriff sattgesehen haben. Für die bietet das Tauchcenter Bootstouren an. Zwei Ziele vormittags, zwei nachmittags. Hin zu Plätzen wie Maaya Thila, Fish Head oder Tip-Top-Tila, die in der Taucherwelt einen ähnlich legendären Klang haben wie Gucci, Dior oder Armani in der der Mode. Denn Bathala liegt inmitten eines Kanals, am Außenrand des Atolls, und bessere Voraussetzungen für spektakuläre Unterwasserbegegnungen gibt es auf den Malediven nicht.

Tauchgänge gegen den Inselkoller

Nur wer nicht tauchen geht, stellt spätestens am zweiten Tag fest, dass er bei der Buchung etwas falsch gemacht hat. Dann droht der Inselkoller. Dann lässt Bathala aus Nichttauchern Taucher werden und aus Schwimmern Schnorchler. Ansonsten könnte man ja auch nicht mitreden, wenn sich die Pressluftsüchtigen abends um die Bar versammeln. "Auch den riesigen Silberspitzenhai an Maaya Thila gesehen?" "Klar, direkt nach der Gruppe Mobulas - und wie war die Strömung bei euch so?"

Man tauscht Erlebnisse aus, reicht unter Wasser geschossene Fotos wie Trophäen herum und lädt sein Gegenüber auf ein Bier ein - warum auch nicht, es kostet ja nichts. All inclusive ist der Einfachheit halber die einzige buchbare Verpflegungsoption. Spätestens um 23 Uhr übernehmen dann Flughunde und die von Geckos und Zuwendungen der Gäste wohlgenährte Inselkatze das Kommando.

Es ist noch nicht lange her, da gab es beim Management der Insel den Gedanken, ob man auf dem letzten freien Fleckchen nicht doch ein Spa bauen sollte. Zumindest ein klitzekleines. Dies jedoch scheiterte am Widerstand der Mitarbeiter, der fast in einen Aufstand gemündet wäre: Sie wollten lieber einen Fußballplatz, weil sie es leid waren, beim sportlichen Aufeinandertreffen mit anderen Inseln immer herbe Niederlagen zu kassieren. Sie bekamen ihn.

Seitdem ist der Wellness-Gedanke vom Tisch - und den ersten Sieg im atollinternen Fußballturnier hat es auch schon gegeben. Auf Bathala herrscht wieder Ruhe. Wie in den letzten 30 Jahren.



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 26 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
ratte321 04.11.2014
1.
Eine bestimmt schöne Unterwasserwelt. Wobei wenn man schon 5.000€ pro Nase zahlt, sollte es nicht verwerflich sein auch etwas "Luxus" zu bekommen.
DMenakker 04.11.2014
2.
Träääum. So habe ich auf den Malediven meine Flitterwochen verbracht. 2 Wochen auf einer 2 Sterne Insel Kein Schnickschnack, kein Wellness, sowieso kein Pool, einfach nur grandiose Natur pur. Heute packen die Touris Anzüge für das Dinner am Abend ein. Damals habe ich einen kennengelernt, der war im Reisebüro, von dort nach Hause und Aldi-Tüte mit ein paar Unterhosen und T-Shirts gepackt und ab auf die Malediven. Wo gibts denn sowas heute noch? Offensichtlich auf Bathala. Ich will da hin. Unbedingt. Scheint das letzte Fleckchen dort zu sein, wo es sich noch lohnt hinzufahren.
AusVersehen 04.11.2014
3. Fußballplatz?
Wo soll denn da ein Fußballplatz sein? Die meinen wohl eher einen Kickertisch.
Kvert 04.11.2014
4. eine Frage des Alters
Ob man Luxus oder nicht braucht, ist auch eine Frage des Alters. Mit 17-25 habe ich auch in den übelsten 0-3 Sterne Absteigen z.b. in Lloret de Mar, Jamaica und NYC verbracht. In dem Alter ist der günstige Preis das wichtigste, Priorität haben da andere Sachen wie Partyspaß, Flirten und Sex. Später mit ca. 40, verheiratet und mit Kind möchte man auf ein Mindestmaß an Bequemlichkeit und Luxus nicht mehr verzichten.
ab.s 04.11.2014
5. so sollte es auch bleiben...
...das kleine eiland, wie vor 30 jahren. allerdings wird's wohl schwierig, wenn es wie hier beschrieben in noch mehr geheimtipp-reiseforen + sonstigen off-the-beaten -track-kolumnen beworben wird. schade schade! ein wenig reisejournalistischer verzicht hätte auch durchaus charakter.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.