Malediven: Von Dhonis, Aliens und Gitarrenrochen

Von Stefan Heijnk

Dicht bewachsen mit Kokospalmen und Hibiskus, umsäumt von weißem Korallensand und einer türkisblauen Lagune - das sind die Malediven, Traumziel für Taucher aus aller Welt. Zurzeit werden etliche exklusive Resorts gebaut. Das sündhaft teure Dhoni Mighili ist bereits fertig. Eine multimediale Reise.

Dana ist Tauchguide. Wenn sie unter Wasser auf Großfische aufmerksam machen will, schlägt sie einfach mit ihrem Schlüsselbund auf die Atemluft-Flasche. Das hört sich dann an, als würde jemand kleine Glocken läuten. Beim ersten Bimmeln schwimmt Dana knapp unter mir, auf etwa 25 Meter Tiefe und zeigt auf einen riesigen Schwarm silberner Stachelmakrelen, der gerade von einem ausgewachsenen Zwei-Meter-Weißspitzen-Riffhai durchkreuzt wird. Mit ein paar Flossenschlägen bin ich mitten im Schwarm und schaue in Tausende neugierige Fischaugen, als Dana schon wieder auf ihrer Flasche rumklimpert.

Tropentraum Kuramathi: Türkisfarbenes Wasser und Stelzen-Bungalows unter Palmen
Stefan Heijnk

Tropentraum Kuramathi: Türkisfarbenes Wasser und Stelzen-Bungalows unter Palmen

Ich kann das Bimmeln zwar hören, inmitten der Makrelen aber nichts sehen. Doch dann hebt sich der Fischnebel wie ein Vorhang vom sandigen Boden und die Strömung schiebt mich geradewegs zu einem knapp drei Meter langen Gitarrenrochen, der müde auf dem Sandboden döst. Das Tier sieht aus wie eine Kreuzung aus Rochen und Hai: stechende Augen, platter Kopf, stromlinienförmiger Körper, zackige Rückenflossen - wie ein Alien.

Dana gibt schon wieder Lautzeichen und ahmt mit ihren Armen Flügelschläge nach: Manta voraus! Vor unseren Taucherbrillen löst sich ein Riese mit wohl vier Meter Spannweite aus dem planktontrüben Blau. Mit weit aufgerissenem Maul und sanften Flügelbewegungen hält er gegen die Strömung geradewegs auf mich zu, schlägt sich dabei gemächlich die Kiemen mit Plankton voll, dreht noch eine ausgeruhte Ehrenrunde und verschmilzt dann wieder mit dem Blau, aus dem er vor ein paar Minuten auftauchte. Taucherlebnisse wie diese locken Sporttaucher aus aller Welt auf die Malediven.

Kuramathi: Aussicht zum Abhängen Fisch recht freundlich: Ein farbenfroher Blaumasken-Kaiserfisch posiert für die Kamera  Eine Hand voll Nemos im Korallenriff: Die Malediven sind das Traumziel für Taucher aus aller Welt
 Ausleger am Blue Lagoon auf Kuramathi: Romantischste Platz der Insel am Abend Pool-Landschaft auf Kuramathi: Wer den Strand nicht braucht Maldivian Air Taxi: Offiziell zählen die Malediven knapp 1200 Inseln, davon werden  100 touristisch genutzt

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Offiziell zählen die Malediven knapp 1200 Inseln. Wie viele es tatsächlich sind, weiß niemand so genau, denn bei Flut verschwinden gerade die jungen Inseln einfach wieder unter der Wasseroberfläche, bei Ebbe sind es dafür dann wieder einige mehr. 202 dieser Inseln sind bewohnt, knapp 100 weitere werden heute touristisch genutzt. Kuramathi ist die größte der Hotel-Inseln, etwa 2,5 Kilometer lang und maximal 500 Meter breit, dicht bewachsen mit Kokospalmen, Bananenstauden, Hibiskus, Würgefeigen und Takamaka-Gesträuch, das Ganze umsäumt von weißem Korallensand und einer türkisblauen Lagune.

Unter Tauchern ist Kuramathi weltweit für seine Hammerhaie bekannt. An kaum einem anderen Tauchspot auf der Erde kann man ihnen mit so großer Wahrscheinlichkeit begegnen wie hier. Garantiert ist das natürlich nicht: Zwischen Dezember 2003 und Februar 2004 beispielsweise haben sich die Tiere ziemlich rar gemacht und nur an vier Tagen die Ehre gegeben. Aber auch das Tauchen ohne Hammerhaie ist ohne Abstriche empfehlenswert, denn gerade an den Außenriffen sind bei starker Strömung jede Menge Schwarz- und Weißspitzen-Riffhaie und die imposanten Mantarochen anzutreffen.

Auch wer nicht unbedingt unter Wasser gehen und trotzdem die Fischwelt erleben will, ist auf Kuramathi richtig: An der schmalen Westspitze der Insel, direkt am Blue-Lagoon-Hotel, kann man sich zum Beispiel ins flache Wasser mitten zwischen Dutzende Babyhaie stellen und zugucken, wie die kleinen Killer Treibjagden auf Ährenfische veranstalten. Am Cottage Club grasen bei Ebbe regelmäßig große Papageifisch-Herden die Algen von den Korallen ab und recken dann zu Dutzenden ihre grünen Schwanzflossen aus dem knöcheltiefen Wasser in die Höhe. Und allabendlich zum Sonnenuntergang versammeln sich am Ausleger des Blue-Lagoon-Hotel jede Menge große Stechrochen zur Fütterung.

Dhoni Mighili: Im Übernachtungspreis des Luxusresorts inbegriffen sind Segelschiff samt Crew und Butler
Stefan Heijnk

Dhoni Mighili: Im Übernachtungspreis des Luxusresorts inbegriffen sind Segelschiff samt Crew und Butler

Nicht-Taucher finden außerdem eine großzügige Pool-Landschaft samt Wellness-Oase, einen ordentlichen Tennisplatz, einen Fitness-Raum, eine kleine Segelschule, Wasserski- und Windsurf-Möglichkeiten. Für romantische Stunden kann der Ausleger direkt vor dem Blue Lagoon für Kerzenlicht-Dinners gebucht werden - dort gibt es nur einen Tisch. Die Übernachtungspreise liegen für maledivische Verhältnisse im oberen Mittelfeld: Im Blue Lagoon und im Cottage Club kostet eine Nacht für zwei Personen im Doppelzimmer ohne Verpflegung ab 150 Dollar, im Coconut Village und im Village ist es mit Preisen ab 120 Dollar in der Hauptsaison etwas günstiger. Service und Küche sind gerade im Blue Lagoon und im Cottage Club exzellent.

"Wo Sie wollen, wann Sie wollen"

40 Schnellboot-Minuten weiter südlich, auf Dhoni Mighili im Ari-Atoll, spielt Geld wohl keine Rolle mehr. Das erst im Sommer 2003 eröffnete Resort gehört mit Übernachtungskosten ab 1200 Dollar für zwei Personen pro Nacht zur Luxusklasse auf den Malediven. Maximal 24 Gäste können den Luxus der Fünf-Sterne-Anlage genießen. Zu jedem der sechs Strand-Bungalows auf dem klitzekleinen Eiland mit 250 Meter Durchmesser gehört jeweils ein Schiff samt Crew und Thakuru, einem persönlichen Butler.

Die Philosophie der Betreiber lautet "Wo Sie wollen, wann Sie wollen" und das ist absolut wörtlich gemeint: Mit dem eigenen Schiff, einer Luxusvariante des landestypischen Dhoni, können die Gäste jederzeit in See stechen, dort im King-Size-Bett übernachten, auf dem Achterdeck im Sonnenschein frühstücken und zu den schönsten Tauch- und Schnorchelflecken der maledivischen Inselwelt segeln. Zurück auf der Insel kann man sich in der geschmackvoll eingerichteten Bar seinen Nachmittags-Cocktail genehmigen, in eigens eingerichteten Lauben (den Undholis) auf bettgroßen, kissengepolsterten Schaukeln die Aussicht aufs Meer genießen, zwischen den Palmen faul in Hängematten nickern oder am Strand des kleinen Inselchens unterm Sternenzelt dinieren. Ganz wie man will.

Kandholhudhoo: Spa mit Meeresblick
Stefan Heijnk

Kandholhudhoo: Spa mit Meeresblick

Wer zum Adressatenkreis des Luxus-Resorts gehört, lässt sich auf der Website nachlesen. Dort heißt es: "Hier finden Sie ultimative Abgeschiedenheit, garantiert fern ab von Teleobjektiven und Blitzlichtern der Paparazzi-Fotografen." Und wem das immer noch nicht privat genug ist, der kann auch gleich die ganze Insel mieten. Managing Director Scott Toon: "Das ist auf den Malediven nur auf Dhoni Mighili möglich."

Als Tagesausflugsziel für Touren mit dem Dhoni bietet sich die nahe gelegene Spa-Insel Kandholhudhoo an, bislang noch ein echter Geheimtipp. Das Inselchen ist noch kleiner als Dhoni Mighili, dient als Landgang-Destination für das dort permanent ankernde Hotel-Schiff "Island Explorer" und gelegentlich vorbeischauende Tauchsafari-Boote. Zurzeit werden dort ein paar neue Überwasser-Bungalows gebaut, die im Juli fertig gestellt sein sollen.

Das Besondere an Kandholhudhoo sind ein zum Meer hin offener Wellness- und Spa-Bereich. Und vor allem die wunderschönen Korallengärten. Unter Wasser sieht's rund ums Inselrund so unberührt aus, als sei die Szenerie vor 60 Jahren vom österreichischen Tauchfilmpionier Hans Hass im Bild festgehalten worden. Selbst die Korallenbleiche von 1998 und die zahlreichen Schnorchler haben hier keinen Schaden angerichtet.

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