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Marokko: Per Express nach Marrakesch

Zwar kann sich ihr Fahrplan schon mal spontan ändern, die marokkanische Eisenbahn kann jedoch das am besten ausgebaute Streckennetz Nordafrikas vorweisen. Expresszüge verbinden Casablanca mit den Königsstädten Rabat und Marrakesch, mit dem Mittelmeerhafen Tanger und der Grenzstadt Oujda.

Treffpunkt Bahnhof: Fahrpläne ändern sich manchmal ohne ersichtlichen Grund
GMS

Treffpunkt Bahnhof: Fahrpläne ändern sich manchmal ohne ersichtlichen Grund

Casablanca/Hamburg - Vor dem Fenster des klimatisierten Abteils zieht die Landschaft Nordafrikas vorbei: Mühsam dem sonnenverbrannten Land abgerungene Plantagen, Minarette, Dörfchen. Staubige Maultiere, Landarbeiter mit zerfurchten Gesichtern und verschleierte Frauen erscheinen und verschwinden wieder aus dem Blickfeld. Stationsschilder mit Namen wie Meknes Amir und Sidi Kacem zeigen den Weg, den der Zug in gemächlichem Tempo zurücklegt.

Das Streckennetz in dem Königreich Marokko gilt als das am besten ausgebaute in Nordafrika - worauf Generaldirektor Karim Ghellab auch stolz verweist. In den zurückliegenden Jahren wurde es umfangreich modernisiert. Über gute Französischkenntnisse sollten Reisende allerdings verfügen, um sich vor Ort zurechtzufinden. Schließlich ändern sich die Fahrpläne manchmal ohne ersichtlichen Grund.

"Fahrkarten können jederzeit problemlos direkt am Schalter in den Bahnhöfen gekauft werden", sagt der auf Marokko-Reisen spezialisierte Reise-Veranstalter Bastian Franke aus Hamburg. Sein Kollege Birger Köppen aus Lüneburg verweist auf die Möglichkeit, über ein deutsches Reisebüro einen marokkanischen Partner mit den Vorbereitungen zu beauftragen.

Die Reise mit der marokkanischen Eisenbahn, den Chemins de Fer du Maroc (ONCF), kann direkt nach der Landung auf dem Flughafen Mohamed V. nahe Casablanca beginnen, dem Einfallstor für Touristen und Geschäftsreisende. Seit 1992 fährt die Bahn von hier aus stündlich innerhalb von 30 Minuten in das quirlige Zentrum. Von dort aus geht die Reise direkt weiter in die Hauptstadt Rabat, die der Zug nach knapp einer Stunde erreicht.

Tanger: Der Mittelmeerhafen liegt rund sechs Stunden mit dem Zug von der Hauptstadt Rabat entfernt
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Tanger: Der Mittelmeerhafen liegt rund sechs Stunden mit dem Zug von der Hauptstadt Rabat entfernt

Casablanca, pulsierendes Wirtschaftszentrum und wichtiger Atlantikhafen, ist der Knotenpunkt des knapp 2000 Kilometer langen marokkanischen Streckennetzes. Von hier aus läuft der Schienenstrang in die knapp 250 Kilometer weiter südlich gelegene Königsstadt Marrakesch mit ihren zahlreichen Sehenswürdigkeiten. Drei Stunden ist der schnellste Zug unterwegs. Wer zum Baden nach Agadir an die Atlantikküste möchte, den fährt die ONCF mit komfortablen Bussen in vier Stunden dorthin. Die Verlängerung der Bahnlinie in das Touristenzentrum ist vorgesehen.

Über die Königsstadt Rabat führt auch die rund sechsstündige Fahrt zum Mittelmeerhafen Tanger. Von hier aus verkehren zum Beispiel die Fährschiffe über die Meerenge von Gibraltar nach Algeciras in Spanien. Die Fahrzeit beträgt mit dem Katamaran etwa 70 Minuten und mir dem regulären Schiff rund zweieinhalb Stunden.

Die längste Bahnverbindung Marokkos führt von Casablanca über Rabat und Fes in das 680 Kilometer entfernte Oujda an der Grenze zu Algerien. Gut zehn Stunden fährt der Nachtzug mit Schlaf- und Liegewagen. Ebenso lang ist der Tagesexpress über die Hochebene am Nordrand des Atlas-Gebirges unterwegs. Der schwedische Tourist Björn Bensen beschreibt die Reise allerdings als "eher eintönig". "Das war Kilometerfressen", sagt er im Gare des Vojageurs, einem der zwei Bahnhöfe Casablancas. Der zweite Bahnhof, der Gare du Port, steht am Hafen. Dort starten und enden auch die Züge nach Rabat. Daher ist es für Reisende wichtig, sich beim Kartenkauf den Abfahrtbahnhof nennen zu lassen.

Von Rabat aus fahren die Expresszüge mehrmals täglich nach Fes, der Erste bereits um 7.15 Uhr morgens. Die älteste der vier Königsstädte in Marokko erreicht der Reisende nach etwa dreieinhalb Stunden und könnte nach einer ausgiebigen Besichtigung theoretisch den letzten Zug am Abend zurücknehmen. Doch Fes lohnt einen mehrtägigen Besuch durchaus. An der Strecke liegt Meknès, eine weitere Königsstadt. Von Rabat liegt sie etwa zweieinhalb Bahnstunden entfernt.

Die mit klangvollen Namen wie "Al Boughaz" oder "Tour Hassan" bezeichneten Expresszüge auf den großen Verbindungsachsen zeichnen sich durch komfortable Sitze in geräumigen Abteilen, Klimaanlage, Platzservice mit Speisen und Getränken sowie annehmbare Toiletten aus. Störend können jedoch die als Geschäftsleute getarnten Schlepper sein, die sich wie normale Passagiere zu Fremden ins Abteil setzen und dann mit vermeintlich günstigen Schnäppchen für den Laden eines Verwandten werben oder sich als Fremdenführer anbieten. Höfliches, aber bestimmt-ablehnendes Verhalten löst eine solche Situation.

Den täglichen Eisenbahnverkehr für die Massen besorgen die "Trains ordinaires", die einfachen Personenzüge ohne jeden Komfort in der dritten Klasse. Lokalkolorit finden Fremde hier im Überfluss - gern gesehen aber scheint der Beobachter aus dem reichen "Abendland" bei den sonst sehr gastfreundlichen Menschen nicht unbedingt zu sein.

Von Horst Heinz Grimm, gms

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