Zugfahrt in Mexiko: Eine Runde im Tequila-Express

Schnapskunde im Eisenbahnabteil: Während die Mariachis spielen, wird auf der Zugfahrt von Guadalajara nach Tequila reichlich Hochprozentiges ausgeschenkt. Auf der Rückfahrt hält sich die Begeisterung für den Agavenschnaps jedoch in Grenzen.

Mexiko: Tequila-Zug von Guadalajara Fotos
TMN

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Nach 15 Minuten wird der erste Tequila serviert. Bis dahin hat Juan Carlos den 80 Passagieren im Waggon 4 des Tequila-Express die Sorten des hochprozentigen "Weines der Agave" erklärt, die Musiker mit Violinen und Trompeten die Schönheiten der Landschaft besungen.

Um 10 Uhr hat sich der von zwei Lokomotiven gezogene Zug in Guadalajara in Bewegung gesetzt. Carlos erklärt den Gästen, dass sie den Tequila nicht nur pur trinken müssen. Es gibt ihn auch verdünnt, als Longdrink Margarita, aber auch gemischt mit Cola, Tomatensaft oder Pampelmusenbrause, der Einfachheit halber stets aus der Aluminiumdose. Dazu werden scharfe Erdnüsse und Kartoffelchips serviert.

Draußen zieht Zapopan vorüber, einer der großen Vororte von Guadalajara, der mit acht Millionen Einwohnern zweitgrößten Stadt Mexikos. Es sind mal Sportplätze, mal Müll- und wilde Schuttplätze, Parks, Industriebetriebe und riesige Ansammlungen von Häuschen aus dem sozialen Wohnungsbauprogramm des früheren Präsidenten Vicente Fox zu sehen. Tausende von schwarzen Wasserbehältern auf den Dächern glänzen in der Sonne.

"Hat jemand Geburtstag?", ruft Juan Carlos ins Mikrofon, inzwischen trägt er einen großen Sombrero auf dem Kopf. Niemand traut sich zunächst. Doch dann hebt eine Frau die Hand. Und schon legen die Musiker los. Die Fahrt soll ja lustig werden.

30.000 Liter Tequila am Tag

Beinahe verpassen die Gäste, dass der Zug in die hügelige Agavenlandschaft bei Tequila einfährt, die 2006 von der Unesco zum Welterbe der Menschheit erklärt wurde. Sie umfasst den Vulkan Tequila, die Schluchten des Rio Grande und rund 35.000 Hektar Land mit Agavenanpflanzungen, Haciendas und alten kleinen Destillerien, in denen - wie könnte es anders sein - Tequila hergestellt wird.

Das Ziel ist nach zwei Stunden erreicht: Amatitán bei der Stadt Tequila. Hier hat die Destillerie Herradura ihren Hauptsitz. Die Hacienda ist ein riesiges Anwesen, von hohen Mauern umgeben. Hunderte Stahltanks, Destillieranlagen und Rohre sind im Inneren zu bestaunen. In den Öfen kochen die zentnerschweren Früchte der blauen Agave drei Tage lang. 30.000 Liter Tequila werden bei Herradura pro Tag produziert.

Der Besuch klingt aus mit einem mexikanischen Essen vor den stillgelegten Tequilaöfen im alten Teil des Anwesens. Natürlich gibt es auch hier Tequila. Wieder spielen die Musiker auf, es wird getanzt, und die Charros, die mexikanischen Cowboys, lassen ihre Lassos kreisen.

Bei der anschließenden Rückfahrt nach Guadalajara verzichten die meisten Passagiere auf einen letzten Tequila.

Franz Smets, dpa

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