Planet Erde

Fotografieren in der Serengeti 48 Stunden im Tierparadies

Michael Martin

Nirgendwo auf der Welt lassen sich Wildtiere in so hoher Dichte beobachten wie in der Serengeti. Elefanten, Löwen, Geparden und dazu die unberührte, weitläufige Savanne: Michael Martin ist im Fotografenglück.

Zur Person
  • Elfriede Martin
    Michael Martin, 1963 geboren, ist Diplom-Geograf und renommierter Wüstenfotograf. Der Münchner hat seit seinem 17. Lebensjahr 150 Wüstenreisen unternommen und darüber mehr als 20 Bücher veröffentlicht, darunter auch "Die Wüsten der Erde" und "Planet Wüste". Martins neues Projekt: ein Porträt des Planeten Erde.
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Von der langen Anfahrt auf schlechter Piste erschöpft, erreichen wir das einsam gelegene Klein's Gate des Serengeti-Nationalparks in Tansania. Im Schatten eines Baumes kauern vier Massai, ihre Speere mit beiden Händen umklammernd. Ihre Rinderherde ist seit Tagen in einen gegenüber liegenden Innenhof gepfercht, die ersten Tiere sind wegen Wassermangel schon gestorben.

Der Ranger erklärt uns, dass die Massai dabei erwischt wurden, ihre Herde auf das Gebiet des Nationalparks getrieben zu haben, um die dort derzeit üppigen Weiden zu nutzen. Pro Rind sollen die Hirten eine Auslöse von umgerechnet 20 Dollar zahlen, welche sie aber nicht auftreiben können.

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Michael Martin in der Serengeti: 48 Stunden im Tierparadies

Der Konflikt zwischen den Interessen der Massai und des Naturschutzes ist nicht neu. "Serengeti darf nicht sterben" nannten Bernhard und Michael Grzimek ihren berühmten Film, der verhindern sollte, dass die Massai auf dem Gebiet der Serengeti ähnliche Weiderechte bekommen, wie sie sie bis heute im Ngorongoro-Schutzgebiet haben.

Meine Frau Elly und ich wollen drei Tage in der Serengeti verbringen, bevor es am Ngorongoro-Krater vorbei zum Lake Manyara weitergeht. Nachdem wir pro Tag und Person 100 Dollar Eintritts- und Campinggebühren bezahlt haben, rät uns der Ranger, das Lobo-Gebiet aufzusuchen. Dort habe es viel geregnet, so dass in dieser Region gerade viele Tiere zu finden seien.

Löwen, Geier und Elefanten

Wir sind in einem robusten Landcruiser mit Ausstelldach unterwegs, unser Fahrer Siggi fungiert gleichzeitig als Guide, Koch und Fotoassistent. Anders als die Kurzgrassteppen im Süden der Serengeti ist die Landschaft im Norden hügelig und gerade grün. Es dauert keine zehn Minuten, und wir sehen die erste Herde Giraffen. Mit meinem 600-mm-Teleobjektiv und einem Konverter kann ich die mehrere Hundert Meter entfernten Tiere heranholen.

Nach einer halben Stunde können wir uns von dem Anblick losreißen, aber kurze Zeit später bremst Siggi abrupt ab. Unter einem Baum schläft ein männlicher Löwe, wir hätten ihn glatt übersehen. Aus dem Gras taucht eine Löwin auf und trottet zu einem schon länger geschlagenen Gnu. Bald gesellt sich eine Löwenmutter mit ihrem Jungen dazu.

Auf einem nahen toten Baum sitzen drei Geier, eine Herde Elefanten zieht in der Ferne vorbei. Neben der Serengeti gibt es keinen Platz auf der Erde, wo sich Wildtiere in dieser hohen Dichte beobachten lassen. Schätzungen gehen von 1,6 Millionen pflanzenfressenden Säugetieren aus, dazu kommen die Raubtiere und über 500 Vogelarten.

Wir bleiben so lange bei der Gruppe Löwen, bis Siggi auf einer Weiterfahrt besteht, da wir unser Camp vor Dunkelheit erreichen müssen. Dort errichten wir unser Zelt neben drei anderen. Die Nacht verläuft ruhig, bis mich das laute Gebrüll eines Löwen aus dem Schlaf reißt. Eine Stunde später hätte sowieso der Wecker geklingelt, denn mit dem Sonnenaufgang beginnen die besten 30 Fotominuten des Tages.

Grzimeks Film ist aktueller denn je

Trotzdem ist die fotografische Ausbeute an diesem Morgen mager, so dass nur die Hoffnung auf den Abend bleibt. Die Stunden dazwischen nutzen wir, um von der Lobo-Region in das Zentrum der Serengeti zu fahren. In der Nähe der Seronera-Lodge schlagen wir das Zelt auf einem einfachen Campground auf und beginnen zwei Stunden vor Sonnenuntergang unseren abendlichen Game Drive.

Wir begegnen Löwen, Krokodilen, Hippos, Giraffen und Elefanten - doch Wolken verhindern das erhoffte Fotolicht. Erst am nächsten Vormittag haben wir Glück. Bei Sonnenschein sehen wir einen Geparden durch das hohe Gras streifen, dann entdecken wir in geringer Entfernung einen männlichen Löwen.

Ein kurzes Mittagessen im Camp, dann müssen wir Richtung Naabi Hill Gate aufbrechen, unser Permit gilt nur 48 Stunden. Auf der Fahrt zählt Elly die gesehenen Tiere und kommt auf eine erstaunliche Anzahl. Ebenso beeindruckend sind jedoch die unberührten und weitläufigen Landschaften der Serengeti.

Der Titel von Grzimeks Film ist aber aktueller denn je. Erst nach jahrelangen Protesten gab die tansanische Regierung den Plan einer Fernstraße durch die Serengeti auf, welche die Tierwanderungen unterbrochen hätte. Die Drohung der Unesco, der Serengeti den Weltnaturerbestatus abzuerkennen, gab den Ausschlag.

Unseren letzten Abend auf dem afrikanischen Kontinent verbringen wir am Lake Manyara und Seen in der Umgebung. Tausende Pelikane, Störche und Flamingos stehen im seichten Wasser, dazwischen massige Büffel. Die Natur Afrikas zeigt sich hier von ihrer schönsten Seite.

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mpschroeder 04.10.2017

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