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Fotos von Hotelfenstern in Asien: Stadt im Spiegel

Von

Fotos mit Skyline: Fenster zum Hotelzimmer Fotos
Mirko Rotondi

Bürotürme und Bettdecke, Leuchtreklame und Leselampe: Im Fenster eines Hotelzimmers spiegelt sich die Welt von Draußen und Drinnen. Mirko Rotondi hat dieses Zusammentreffen in den Megacitys Südostasiens fotografiert.

Er schließt sie nie, die Gardinen seines Hotelzimmers. Er lässt sie offen, lässt die Nacht hinein, lässt sich einlullen von den Lichtern der Stadt. In Singapur, Kuala Lumpur und Hongkong. Und an vielen anderen Orten Südostasiens.

Mirko Rotondi, 42, liebt diesen Blick, wenn er in einem fremden Bett liegt, in einer fremden Stadt: vorbeischauen an Bettkante und Nachttisch, auf das Fenster starren - und dahinter die Skyline erfassen. Bürotürme und Neonreklame, und darüber das Spiegelbild der Möbelstücke.

Als der aus Italien stammende Fotograf vor Jahren eine Nacht im Bayoke Sky Hotel in Bangkok verbrachte, faszinierte ihn die gleichzeitige Vision von Drinnen und Draußen, er zückte seine Kamera und machte ein Foto. Es war das erste einer Serie von Bildern, die Rotondi unter dem Namen "Timeless Hotel" zusammenfasst.

"Zeuge der intimsten Geheimnisse"

Sie alle zeigen zwei Dimensionen einer Stadt - eine zeitlose und eine von der Zeit getriebene, wie Rotondi sagt. "Das Fenster eines Hotelzimmers macht diese beiden Dimensionen sichtbar", es wirke wie ein schwarzes Loch, hinter dem sich eine andere Welt verbirgt.

Auf der Seite des Fotografen ist das abgeschottete Hotelzimmer, "ein Ort, der einem unendlichen Strom von Seelen Platz bietet". Rotondi beschreibt diesen Raum als "anonymen und stillen Zeugen der intimsten Geheimnisse" seiner Bewohner. Und als einen Ort, der jede Spur von den Menschen verwischt, die hier wohnen - von ihrer Mentalität, ihre Ethnie, ihrer Religion. Bei jedem aus- und eincheckendem Gast wird die Zeit quasi auf null gestellt, eine neue Geschichte beginnt.

Auf der Seite jenseits des Hotelfensters sieht Rotondi die Stadt, in der die Zeit nie stillsteht. Er sieht alte Gebäude und neue Konstruktionen. Sieht die leuchtenden Spuren der Taxis, ihre Scheinwerfer. Er sieht die Kioske an den Straßenecken, die zwar winzig sind, aber immer präsent, weil sie 24 Stunden am Tag geöffnet haben und dies mit greller Leuchtschrift verkünden.

Keine Tricks, keine Doppelbelichtung

Rotondi beobachtete diese Parallelwelten in den Hotelfenstern vieler Megacitys. Er probierte ein bisschen mit Belichtungszeiten und Sichtachsen herum und fand schließlich die richtige Technik, um die Spiegelungen von Hotelzimmer und Skyline gleichzeitig festzuhalten. "Dabei gibt es keine Tricks", sagt der Fotograf, "jedes Bild entstand durch einmaliges Auslösen und nie durch doppelte Belichtung."

Entstanden sind Aufnahmen, die in ihrer Lichtwirkung entfernt an die Gemälde Caravaggios erinnern. Der italienische Barockmaler verstand es, seinen Motiven durch starke Hell-Dunkel-Kontraste Leben einzuhauchen. Ein leuchtend weißer Punkt, eine abgründige schwarze Fläche - und die Ästhetik verzaubert Betrachter seiner Bilder bis heute.

Mit dem im Panoramafenster des Hotels gespiegelten Schein einer Leselampe und den finsteren Schluchten der Stadt erreicht Rotondi eine ähnliche Wirkung. Es ist etwas mühevoll, Details auf den Bildern zu erkennen, die Augen des Betrachters wandern zwischen Hell und Dunkel. Doch gerade das Suchen in diesen Räumen macht die Bilder so fesselnd.

Hier geht es zur Website des Fotografen Mirko Rotondi.

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insgesamt 8 Beiträge
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1.
Karbonator 10.06.2015
Eine interessante Idee, gut und sehenswert umgesetzt. Danke für den Artikel!
2.
Le Commissaire 10.06.2015
Diese Art von Spiegelungen (und zwar exakt von Hotelzimmern zu fremden Städten) faszinieren mich schon seit Jugendtagen. Toll, dass jemand etwas daraus macht!
3.
jambon1 11.06.2015
warum werden immer wieder nur Nachtbilder von Megacities gezeigt und uns als schön suggeriert? Baumlose Netonwüsten, in denen Menschen zu völlig überzogenen Mieten in überbelegten Kleinstappartements hausen und dem täglichen Smog ausgesetzt sind, nur, um unter ebenso menschenfeindlichen Arbeitsbedingungen zu malochen bis sie todkrank, ausgelaugt oder als Psychowrack enden. - Arbeits- und Lebensbedingungen wie im Frühkapitalismus werden durch den Mantel der Nacht über deckt und sollen durch den vermeintlichen Mythos der Lichter der Großstadt glorifiziert werden. Die Hölle wird nicht dadurch erträglicher, indem man das Licht ausmacht und sie im Feuerschein betrachtet.
4.
Layer_8 11.06.2015
Muss ja nicht immer ein Luxushotel sein. Hatte auch solche Ausblicke aus diversen Backpackers in Singapur.
5.
markus_wienken 11.06.2015
Zitat von jambon1warum werden immer wieder nur Nachtbilder von Megacities gezeigt und uns als schön suggeriert? Baumlose Netonwüsten, in denen Menschen zu völlig überzogenen Mieten in überbelegten Kleinstappartements hausen und dem täglichen Smog ausgesetzt sind, nur, um unter ebenso menschenfeindlichen Arbeitsbedingungen zu malochen bis sie todkrank, ausgelaugt oder als Psychowrack enden. - Arbeits- und Lebensbedingungen wie im Frühkapitalismus werden durch den Mantel der Nacht über deckt und sollen durch den vermeintlichen Mythos der Lichter der Großstadt glorifiziert werden. Die Hölle wird nicht dadurch erträglicher, indem man das Licht ausmacht und sie im Feuerschein betrachtet.
Wieso als schön suggeriert? Ich selbst finde Nachbilder von Städten sehr ineressant und fotografiere diese selbst zu nächtlicher Stunde sehr gerne, insbesondere Megacities wie z.B. HongKong finde ich gerade zu nächtlicher Stunde besonders reizvoll.
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