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Township-Radtour in Kapstadt: "Wir wollen keine Schwarzen-Safari"

Kapstadt für Insider: Radtour durch Siviwes Welt Fotos
Jutta Lemcke

Touristen, die zum Gaffen kommen, mag Siviwe nicht. Per Fahrrad erkundet er mit denjenigen sein Township, die echtes Interesse an den Menschen und dem Alltag in Langa haben. Wer mit dem Südafrikaner unterwegs ist, muss aber auf einige unfreiwillige Stopps gefasst sein.

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Langa - Siviwes Traum steht vor der Tür: ein BMW älteren Baujahres, silberfarben und zweitürig. Der junge Südafrikaner grinst. Auf diesen Wagen hat der 30-Jährige hingearbeitet, genauso wie vorher schon auf seine G-Star-Jeans und das Armani-Sweatshirt. Siviwe ist fest entschlossen, sich hochzuarbeiten auf der sozialen Leiter im Township Langa. Und es läuft ganz gut für ihn.

Doch das Auto bleibt jetzt stehen. Wenn Siviwe dienstlich unterwegs ist, fährt er Rad. Touristen können mit ihm per Pedale das älteste Township Südafrikas erkunden. "Wir wollen keine Schwarzensafari, keine Touristen im Bus, die durch die Fenster ungeniert Männer, Frauen und Kinder knipsen", sagt Siviwe. Mit dem Rad durchs Township, das findet er cooler.

Skandinavier kommen mit auf Siviwes Ausflüge, Deutsche und Amerikaner. Ihnen zeigt er das pralle Leben von Langa: Die überfüllten, lärmenden Schulen, den Wunderheiler, die Kids, die in heruntergekommenen Ziegelbauten toben. Er zeigt die lässige Longstreet mit den Barbecues und den Markt, auf dem es die besten Grillhühnchen Kapstadts gibt. Weiße Südafrikaner hingegen lassen sich auf Siviwes Touren nie blicken. "Angst", meint Siviwe, "die Angst vor den Schwarzen sitzt tief in ihren Herzen."

Nur einer kommt trotzdem: Garth Angus. Seine Mutter stammt aus einer burischen Farmerfamilie, sein Vater hat schottische Vorfahren. Garth und Siviwe sind Freunde - und Geschäftspartner. "Das war vielleicht ein Aufstand, als Garth und ich vor vier Jahren das erste Mal Seite im Township zusammen die Longstreet entlanggegangen sind", sagt Siviwe. Die Reaktionen waren harsch. "Der sucht nur einen Handlanger", urteilten seine Freunde über Garth. "Der wird dich betrügen", warnten Garth Freunde wiederum vor Siviwe. Inzwischen sind die beiden gleichberechtigte Partner und haben die Firma Vamos Township Tours gegründet.

Alle fünf Minuten bremst Siviwe

Vamos - das klingt nach Aufbruch und spiegelt auch Siviwes Traum wider: Er will zeigen, dass er hier seinen Weg gehen wird. Eines Tages möchte er im besten Viertel des Townships leben. "Vamos", sagt Siviwe auch, wenn er mit seinen Gästen losradelt. Es ist Sonntag, der beste Tag für einen Ausflug.

Nach dem Regen ist auf der Longstreet alle Welt auf den Beinen: Janna mit dem rosafarbenen Neckholder-Shirt, Eden mit der knallengen Jeans, Mandisa im rotgeblümten Kittel und Serafina im schwarzen Etuikleid. Aus den Hütten dudelt Radiomusik. Unter den Wellblechdächern quillt dichter Barbeque-Rauch hervor. Ein Passant kommt mit einem Plastikbecher Bier in der Hand vorbei und umarmt alle Tourteilnehmer. Siviwe schaut nachsichtig, quatscht mit einem weiteren Kumpel. "Ich muss überall anhalten und mit Freunden und Verwandten reden", hatte er schon vorher angekündigt. Wenn nicht, habe er seinen Ruf in Langa verspielt.

Alle fünf Minuten treten die Radler gern auf die Bremse und Siviwe erfüllt seine sozialen Pflichten. Bei Muzi, der in einem Bretterverschlag nahe der Bahnstation einen Reggae-Music-Shop betreibt. Bei einem Heiler, der Hilfe bei Herzproblemen, Liebeskummer und sexuellen Problemen verspricht, seine Praxishütte jedoch heute geschlossen hat.

Auf einer großen Wiese nebenan hat sich ein weiß gewandeter Lebensberater postiert und verspricht Hilfe bei Jobverlust, Familienproblemen und Streit in der Nachbarschaft. Doch um ihn macht Siviwe ausnahmsweise einen Bogen "Ich trau mich nicht hin, der durchschaut mich sofort", erklärt er. Und so radelt die Gruppe schnell weiter. Tatsächlich treibt Siviwe ein Problem um: Er sucht eine Frau. Gut ausgebildet und kinderlos und aus einer anständigen Familie soll sie sein. Siviwe weiß: Seine Traumfrau kostet ihn 15 Rinder. Oder 5000 Rand Brautgeld, das sind rund 350 Euro.

Zu Besuch in Thumsies Esszimmer

Thumsie jedenfalls ist entsetzt, dass Siviwe immer noch keine eigene Familie gegründet hat. Sie ist weit über 50, geschieden und hat ihr Leben mit drei inzwischen erwachsenen Kindern perfekt im Griff. Sie kocht - nicht für jedermann, aber für Siviwe und seine Radler-Guides und auf Wunsch auch für ausländische Gäste.

Thumsies Haus ist picobello aufgeräumt, mit ausladender Samtcouch, gläsernem Esstisch, Kommoden, Spiegeln und Bildern ihres Künstler-Sohns ausgestattet. In der Küche hat sie ein richtiges Festmahl vorbereitet: Es gibt Rind, Karotten, Kürbis, Kartoffeln und Reis mit Chakalaka-Sauce. Den eigenen Ehemann hat Thumsie irgendwann kurzerhand rausgeworfen. Es sei nicht immer einfach mit den schwarzen Männern, findet sie und guckt Siviwe streng an. Der verspricht: "Bis Ende des Jahres stelle ich dir meine Ehefrau vor."

Nach dem Essen umarmen die Radfahrer Thumsie und steigen wieder aufs Rad. Kinder rennen ihnen hinterher. Wäsche flattert im strammen Südostwind, der die Wolken endlich weggefegt hat. Hinter dem Häuserchaos erhebt sich der Tafelberg. "Tja", sagt Siviwe, "der Blick ist in Kapstadt für alle gleich. Ob vom edlen Camps Bay, den hippen Stadtteilen Observatory und Woodstock, ob von der Waterfront oder eben vom Township aus. Wir alle sehen die gleiche Kulisse."

Jutta Lemcke/srt/leh

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insgesamt 4 Beiträge
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1. ein toller Beitrag
Oskar ist der Beste 24.02.2014
Angst", meint Siviwe, "die Angst vor den Schwarzen sitzt tief in ihren Herzen." nette Formulierung, in Wirklichkeit sind die Weißen in Süd Afrika Rassisten, die ihren Wohlstand nicht mit den Schwarzen teilen wollen und leider hat die Vergebungspolitik von Mandela und Tutu sie in ihrer Haltung auch noch bestärkt. In 2 Wochen bin ich wieder da und radel (und wohne) in Khayelitsha herum. Allerdings nicht in einer begleiteten Tour, sondern allein.
2. Township
trinityguildhall 24.02.2014
Man kann sich alles schoenreden. South Africa = Gewalt, Armut, Vergewaltigungen, Krankheit und Mord. Auf einer Radtour schwer zu erkennen.
3. Simbabwe läßt grüßen ...
F.X.Fischer 24.02.2014
Zitat von Oskar ist der BesteAngst", meint Siviwe, "die Angst vor den Schwarzen sitzt tief in ihren Herzen." nette Formulierung, in Wirklichkeit sind die Weißen in Süd Afrika Rassisten, die ihren Wohlstand nicht mit den Schwarzen teilen wollen und leider hat die Vergebungspolitik von Mandela und Tutu sie in ihrer Haltung auch noch bestärkt. In 2 Wochen bin ich wieder da und radel (und wohne) in Khayelitsha herum. Allerdings nicht in einer begleiteten Tour, sondern allein.
... wird sich wohl eh bald erledigen: eine knappe Million Weißer ist bereeits emigiert und der Strom nach Australien, USA oder Kanada reißt nicht ab! Simbabwe läßt grüßen: der Weiße Mann hat keine Zukunft in Afrika!
4. Egal wie sehr
spon-facebook-10000523851 24.02.2014
und oft auch wie berechtigt der "weisse Mann" zum Buhmann ernannt wird, was waere Suedafrika heute ohne Buhmaenner ? Und was ist nun in Suedafrika nach der "Befreiung" los ? Mandela war ein grossartiger Mann, nur waren seine Ideen mit dem Kontinent nicht oder kaum vereinbar.
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Tipps - Kapstadt für Insider
Reisezeit
Die beste Reisezeit für Kapstadt ist in unserem Frühling und unserem Herbst. Dann sind die Tage am Kap meist warm und sonnig, in den Nächten herrschen angenehme Temperaturen. Die Monate Juni bis August können recht kühl und auch einmal regnerisch sein.
Radtouren durch den Township
Mehr Info unter www.vamos.co.za.
Anreise
Tägliche Verbindungen bietet South African Airways ab Frankfurt oder München über Johannesburg nach Kapstadt. Buchung: Tel. 069/29980320, www.flysaa.com.
Weitere Informationen
Deutschsprachige Informationen zum Reiseland Südafrika sind erhältlich unter www.dein-suedafrika.de oder der kostenfreien Service-Nummer 0800/1189118.